Aigner im Künast-Fahrwasser

Ernährung

Süßwarenfreie Kasse

„Du sollst nicht naschen“ ist eines der gängigen Irrtümer der Ernährungserziehung. Sicher, wenn der Bauch voller Kekse ist, dann gibt es nur noch wenig Platz für physiologisch Sinnvolles. Aber was verboten ist, wird besonders attraktiv. Ernährungsexperten halten es für wichtiger, den Umgang mit Süßem zu lehren. Verboten sind Schokolade und Co. in der „Optimierten Mischkost“ nicht. Aber nicht als Belohnung oder Trost, nicht vor den Mahlzeiten und vor allem mit vorbildlichen Eltern.

Renate Kuenast

Künast und Aigner
Mitte Januar forderte Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen, in der Rheinischen Post ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Umfeld von Kindersendungen.
Zu Beginn der Internationalen Süßwarenmesse in Köln und kurz vor Eröffnung der Fruit Logistica in Berlin variiert Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in der gleichen Zeitung das Thema um das Verbot der Quengelware. Obst und Gemüse statt Süßigkeiten an die Ladenkasse.

Ilse Aigner

Bremszone und Impulskauf
An der Kasse platzierte Ware ist der Betrachtung länger ausgesetzt als im üblichen Regal. Wartezeiten verführen zu Impulskäufen und gerade Kinder beginnen in der Hektik des Aus- und Einpackens sowie des Bezahlens um die Süßigkeiten zu quengeln. Daher der volkstümliche Begriff Quengelware für den Fachbegriff „Impulsware“. Sollte Obst und Gemüse an der Kasse platziert werden, müssen die Supermärkte ihr Konzept ändern. Obst und Gemüse ist meist im Eingangsbereich als „Bremszone“ platziert. Bei Obst und Gemüse halten sich die Kunden länger auf, vergleichen die Produkte und wählen sorgsamer aus. Gleich zu Beginn verlangsamt sich das Einkaufstempo, das auch den eiligen Kunden langsamer an den weiterführenden Regalen vorbeiführen soll.

Appell ohne Chance
Genauso wie der Appell von Renate Künast wird auch der von Ilse Aigner wirkungslos bleiben. Handel und Industrie werden sich gegen Verbote jeglicher Art zu wehren wissen, weswegen Aigner ihre aussage auch nur als Hinweis verstanden wissen will, die Impulsware an der Kasse wegzuräumen.
Die EU würde das schon ändern wollen. EU-Kommissarin für Verbraucherschutz Meglena Kuneva hatte bereits 2008 einen Vorstoß gewagt, Süßigkeiten aus der Kassenzone zu verbannen. Aber dazu gibt es noch keine Vorlage. Bild-Blogger „EkelAlfred“ wähnt angesichts der Diskussion schon das erste „Sommerloch“ des Jahres.

VLE; Fotos: roRo (Archiv)

Zurück