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Ernährung

Neue Form der Eisenergänzung entwickelt

Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich haben eine neue Form der Eisenergänzung von Nahrungsmitteln entwickelt. Es handelt sich um essbare Nanofasern von Molkeprotein, die auf ihrer Oberfläche Eisen-Nanopartikel tragen.

Weltweit sind rund zwei Milliarden Menschen, vor allem Frauen von einem Eisenmangel betroffen. Das führt unter anderem zu verminderter Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Häufig ist es schwierig, über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel mehr Eisen aufzunehmen. Durch die Anreicherung können sich Geruch, Geschmack und Farbe der Lebensmittel verändern. Das ist bei dem als Nahrungsergänzung gängigen Eisensulfat öfter der Fall. Außerdem muss das Spurenelement in einer für den Körper verfügbaren Form vorliegen.

Die Herstellung der neuen Darreichungsform ist eher unkompliziert: Das Molkeprotein wird bei 90 Grad Celsius in einer starken Säure „gekocht“, bis das Eiweiß in einzelne Fäden zerfällt. Die ausgestreckten Fäden lagern sich automatisch zu dickeren Protein-Nanofasern zusammen. Anschließend wird ein Eisensalz in das Säurebad gegeben. Es entstehen 20 Nanometer große Eisenpartikel, die sich an die Oberfläche der Nanofasern anlagern und von ihnen stabilisiert werden.

Die Wirksamkeit der Eisenergänzung wurde im Tierversuch getestet. Bei Ratten ließen sich ein Eisenmangel und die damit verbundene Blutarmut mit dem neuartigen Präparat ebenso gut beheben wie mit Eisensulfat. Experimente im Reagenzglas haben gezeigt, dass Magenenzyme die Nanofasern vollständig abbauen. In einem sauren Milieu, ähnlich wie im Magen, lösten sich die Eisen-Nanopartikel in Eisenionen auf, die gut vom Körper aufgenommen und verwertet werden können.

Bislang gibt es keine Erfahrungen mit Nanofasern in Lebensmitteln oder in Nährstoffpräparaten, ist im Fachjournal „Nature Nanotechnology“ zu lesen. Im Tierversuch fanden die Wissenschaftler keinen Hinweis, dass sich unverdaute Fasern oder das Eisen im Körper anreichern und Organveränderungen auslösen. Weitere Forschungen müssen allerdings noch folgen. Zunächst haben die Wissenschaftler auf ihre Entwicklung ein Patent angemeldet. In Zukunft könnte die Eisenergänzung als Pulver oder in flüssiger Form verabreicht oder Nahrungsmitteln zugesetzt werden. Ein großer Vorteil ist die einfache und günstige Herstellung. Das macht das neuartige Präparat für Menschen in ärmeren Ländern interessant, die vom Eisenmangel besonders stark betroffen sind.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

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