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Auch die Dose darf es sein

Ernährung

Argumente gegen das schlechte Image

Der Frischeküche sind Dosengerichte und Tütensuppen ein Gräuel. Zuletzt hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) bemängelt, dass bei 86 Prozent der Studienteilnehmer mindestens an jedem dritten Tag ein Fertiggericht auf dem Speiseplan steht. „Im Schnitt sind die praktischen Mahlzeiten aus der Dose oder Truhe allerdings fettreicher als empfehlenswerte herkömmliche Gerichte“, fasste das FKE seine Untersuchung zusammen, die demnächst im British Journal of Nutrition erscheinen wird.
Dr. Mathilde Kersting vom FKE weiß aber auch: „Im Prinzip ist es verständlich, dass diese Mahlzeiten bei uns so hoch im Kurs stehen. Convenience-Food ist praktisch und spart Zeit.“
Da liegen die Dosenköche mit ihrer Präsentation auf der Anuga genau im Trend, denn mittlerweile werden 220 Millionen Liter Lebensmittel in Deutschland in Dosen verkauft.

Mythen zurechtrücken
Es gibt keine guten und schlechten Lebensmittel. Auf die Dosis kommt es an. Und da hat die Dose als Konserve ihre Domäne, wenn sie haltbar gemachte Lebensmittel für die Zeit aufspart, in der keine Zeit für Einkauf und Zubereitung von Frischkost vorhanden ist. Vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, weil die Lebensmittelindustrie mit den weltweit gehandelten Agrarprodukten die Saisonalität längst aufgehoben hat – aber dennoch nicht unwichtig, denn trotz steigender Zahl an Kochshows im Fernsehen, nehmen die Kochkünste der Menschen immer weiter ab. Zeit wird im Tagesablauf immer wichtiger. Kartoffel schälen bereits zur Zeitverschwendung.
So räumen die Dosenköche mit einigen Vorurteilen auf. Das Innenleben der Dose ist mit einer hochelastischen weißen Kunststofffolie überzogen, die Lebensmittel vom Weißblech trennt. Schläge, Beulen, Stöße und Knicke beeinträchtigen diese Folie kaum, so dass Dellen in der Dose keine Einschränkung für die Verwendung der Lebensmittel bedeutet. Geöffnete Dosen können auch zwei bis drei Tage mit losem Deckel im Kühlschrank aufbewahrt werden und müssen nicht sofort in eine Schüssel umgefüllt werden.

Vitamine: variabel wie in der Natur
Prof. Dr. Reinhard Hambitzer vom Institut für Lebensmittelqualität der Hochschule Niederrhein hat Doseninhalte auf den Gehalt an wasserlöslichen Vitaminen und den Vitaminen A und E untersucht. Wenn berücksichtigt wird, dass Vitamingehalte in Lebensmitteln natürliche Schwankungen aufweisen, liegen die Gehalte zwischen Dosenlebensmitteln und Frischware gleichauf. Lediglich im Bereich Vitamin C fällt die Dose zurück, steht jedoch bei Folsäure auf Platz 1.

Infografik Willich von Dosenköche

Der hohe Vitamingehalt begründet sich vor allem darin, dass beispielsweise Tomaten, Erbsen und Birnen, die für die Dose vorgesehen sind, auf dem Höhepunkt ihrer Reife und damit im Vollbesitz der Vitaminkraft geerntet werden, was bei importierter Frischware fast nie der Fall ist. Ernährungsexpertin Birgit Blumenschein gibt noch einen andern Grund für die Qualität an: „Eine Karriere in Dosen bleibt hierzulande grundsätzlich den Lebensmitteln der Spitzenklasse vorbehalten.“ Der Vertragsanbau schreibt nicht nur Produktionsbestimmungen, sondern auch Qualitäten vor.

roRo; Grafik: Hochschule Niederrhein

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