Bananen aus Kleintettau

Ernährung

Biobananen aus Oberfranken

50 Grad und 28 Minuten nördlicher Breite, leicht nördlich von Hof, zwischen den Autobahnen A9 und A73 noch in Bayern, aber hart an der Grenze zu Thüringen gelegen, schwingt sich Kleintettau zu einem Ort exotischer Früchte auf. Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß fand es 1979 noch reizvoller in Alaska Ananas zu züchten, als Bundeskanzler zu werden. Heute könnte er den Bananenanbau und das Bundeskanzleramt gleichzeitig managen, denn es liegen nur 338 Kilometer zwischen Berlin Mitte und Kleintettau.

Bierernst

Exotische Früchte in Deutschland anzubauen, lässt die Phantasie sprießen. Dem Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) der Universität Bayreuth aber ist es bierernst. Schon im nächsten Jahr könnten Bananen und andere exotische Früchte in einem Gewächshaus in Kleintettau geerntet werden. Ministerpräsident Horst Seehofer hat am 20. August das Tropenhaus „Klein-Eden“ eingeweiht. Das Gewächshaus entstand 2011 mit einer Fläche von 3.500 Quadratmetern und dient als Modellprojekt für eine energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Die Abwärme stammt vom benachbarten Glasbetrieb und schafft ein tropisches Klima für Bananen, Mangos und Speisefische aus den Tropen.
Die Glasindustrie in Kleintettau hat Tradition. Für die Herstellung von Glas wird Druckluft und Kaltwasser erzeugt, was viel Wärme produziert, die bislang nirgends genutzt werden konnte.

Wärme aus der Glasindustrie

Spezielles Glas lässt 99 Prozent der UV-Strahlen bis auf die Pflanzen durch. Die Warmluft aus der Glasindustrie kommt mit 35 bis 38 Grad Celsius an und wird sogar noch auf 20 bis 24 Grad herunter gekühlt. Ein intelligentes Trennsystem kann das Gewächshaus in verschiedene Klimakammern einteilen. Die Forschung soll Demonstrationsprojekt sein und übertragbare Ergebnisse für weitere Projekte liefern.
Denn Bananen, Mangos und Papaya werden in Deutschland immer beliebter. Doch haben sie lange Transportwege hinter sich und müssen energetisch aufwendig gelagert werden. Ein Kilogramm Obst aus Übersee erzeugt 570 Gramm Kohlendioxid, wenn es mit dem Schiff nach Europa kommt. Der Flugtransport erzeugt sogar ein Gramm je Kilogramm und Flugkilometer. Heimisches Obst, also vor Ort erzeugtes, kann mit einer CO2-Bilanz von 230 Gramm je Kilo glänzen. Außerdem muss die Banane nicht wegen des langen Transportweges unreif geerntet werden.

Antworten gesucht

Die Exotischen Öko-Gärtner wollen demnächst detaillierte Antworten auf die Fragen erhalten, ob tropische Früchte aus heimischem Gewächshaus genauso schmecken wie ihre Pendants aus Übersee? Wie können Fruchtertrag und Qualität verbessert werden? Welche Sorten sind geeignet, welcher Pflanzenschutz ist nötig und kann eine Zusatzbeleuchtung im Winter die Saison verlängern?
Erste Versuche haben ergeben, dass die oberfränkische Banane im Geschmackstest nicht immer überzeugte.
Lulo ist ein Nachtschattengewächs aus Quito, deren Saft ein Potenzial ähnlich der Mangofrucht zugesprochen wird. Der Fruchtansatz in den Anden ist mit 16 Prozent eher als niedrig zu bewerten. Das Aussiedeln der Erdhummel als Bestäuber im Gewächshaus hat den Fruchtansatz bei der Lulo auf 58 Prozent gebracht.
Die Winterbeleuchtung ist abhängig vom Strompreis. Fruchtansätze sind möglich, wenn auch geringer in der Anzahl, aber die Stromkosten schlagen mit einem Euro pro Frucht deutlich zu Buche.
Es gibt also noch viele Fragen und viel Optimierungsbedarf. Weitere Meldungen aus Kleintettau sind abzuwarten.

Lesestoff:

www.tropenhaus-am-rennsteig.de

roRo

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