Bedeutet „Länger jung“ mehr Konsum von Obst und Gemüse?

Ernährung

Obst- und Gemüsekonsum im demographischen Wandel

Der demographische Wandel bedeutet nicht nur ein Absinken der Bevölkerung in Deutschland und die Zunahme älterer Personengruppen, sondern auch die Veränderung der Haushaltsgröße. Was das für den Konsum von Obst und Gemüse bedeutet, hat Helmut Hübsch von der GfK auf dem 3. Europäischen Obst- und Gemüseforum der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI in Berlin aufgezeichnet.

Nur auf den ersten Blick darf sich die Obst- und Gemüsebranche freuen. Während der Lebensspanne von „bis 34 Jahre“ und „ab 75“ steigt der Obstkonsum zunächst einmal von 48 auf 71 Kilogramm pro Person und Jahr. Der Gemüseverzehr nimmt parallel von 36 auf 45 Kilogramm zu. Gestützt wird die These vom Mehrverzehr frischer Vitamine durch die Beobachtung, dass Ein- und Zweipersonenhaushalte überproportional mehr Obst und Gemüse pro Kopf kaufen. Die Älteren bleiben länger jung und stellen ein gesundes Essverhalten in ihren Lebensmittelpunkt.

Aber die Rechnung hat einen Haken. Helmut Hübsch vergleicht die Konsumentwicklung der Einpersonenhaushalte zwischen den Jahren 2005 bis 2009 mit dem der beiden letzten Jahre und stellt fest, dass die heute Älteren weniger Obst und Gemüse einkaufen. Wer heute über 55 Jahre ist, der kauft fast 18 Prozent weniger Obst als die früheren Senioren.

Das hängt mit der Zunahme des Außer-Haus-Verzehrs zusammen. 2011 wurden gegenüber 2005 bereits 370 Millionen Frühstücksmahlzeiten und eine Milliarde Mittags-Mahlzeiten weniger zu Hause verzehrt. Zwar ist der Gemüsekonsum für das Frühstück kaum von Bedeutung, aber 18 Prozent des Obstkonsums entfallen auf die frühe Mahlzeit. Das künftige Minus beim Gemüse entsteht durch den Wegfall an Mittagsmahlzeiten. Da werden 44 Prozent des Gemüses verzehrt. Nur noch Familien mit Kindern gehören zu den „Top-Konsumenten“ von Tomaten, Ananas, Heidelbeeren und Co.

Die verarbeitende Industrie kann sich den Verzehrwandel jedoch einstellen. Denn mit dem Außer-Haus-Verzehr hat der „Snack“ an Bedeutung gewonnen. Damit erklärt Hübsch den Erfolg des Beerenobstes in letzten drei Jahren. Die Verzehrmenge ist um zehn Prozent auf 12,9 Kilogramm angestiegen und hat vom Umsatz her um sieben Prozent zugelegt. Damit folgt der Obstmarkt dem Gemüsebereich, der mit Fresh-Cut-Salaten oder kleinen Tomaten den Snack-Bereich schon bedient.

roRo

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