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Bewertung von Pflanzenmittelrückständen

Ernährung

Fresenius-Tagung zu Pflanzenschutzmittelrückständen

Lebensmittelsicherheit ist in hohem Maß von nationalen Vorgaben abhängig - international verbindliche Standards existieren nicht. Nichtsdestotrotz finden insbesondere bei der Bewertung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln in vielen Bereichen Initiativen zur Harmonisierung statt. Aktuelle Entwicklungen zu diesem und anderen Themen wurden am 18. und 19. Februar 2015 auf der 13. Internationalen Fresenius-Konferenz „Pesticides: Food Safety and Dietary Risk Assessment” in Mainz vorgestellt.

Die Verwendung von Rückstandshöchstmengen (MRLs) für die Beurteilung der Lebensmittelsicherheit wird bereits weltweit praktiziert - jedoch in unterschiedlichem Ausmaß und auf verschiedene Art und Weise. Eine wissenschaftlich basierte Organisation, die von der WHO und der FAO (Food and Agriculture Organization) co-finanziert wird, ist der Codex Alimentarius, der von der WTO als Standard setzende Organisation im Bereich Lebensmittelsicherheit anerkannt wird. Codex entwickelt harmonisierte internationale Lebensmittelstandards, Leitfäden und Verhaltensvorschriften - bislang sind Codex 185 Staaten sowie die EU als Organisation beigetreten. Michael Kaethner (Bayer CropScience) verdeutlichte jedoch auf der Konferenz, dass die so genannten Codex Limits (CXLs) für Rückstände nicht automatisch von allen Ländern eingesetzt werden, die Mitglieder des Codex Alimentarius sind. Eine Herausforderung für die Akzeptanz der CXLs sei dabei die bereits vorhandene und stetig zunehmende Anzahl nationaler Rückstandshöchstgehalte, die sich in vielen Fällen in technischer und rechtlicher Hinsicht von den CXLs unterscheiden.

Häufig sei keine rechtliche Basis vorhanden, um die Limits des Codex Alimentarius in nationales Recht umzusetzen, so Kaethner. Grundsätzlich könne man derzeit von verschiedenen Ländergruppen sprechen: Von Ländern, welche die CXLs überhaupt nicht akzeptieren (z.B. USA). Von denjenigen, die sie teilweise akzeptieren, sich jedoch, wenn vorhanden, eher an eigenen nationalen MRLs orientieren (China) sowie Staaten, die keine eigenen Rückstandshöchstmengen definiert haben und sich deshalb nach den CXLs richten (z.B. Costa Rica). Anders als die meisten anderen Länder, wendet die EU die Codex Limits an, vorausgesetzt, deren Begrenzungen werden als sicher für die Konsumenten angesehen. Kaethner merkte an, dass derzeit kein starker politischer Wille zu erkennen sei, die Akzeptanz der Grenzwerte und damit die Harmonisierung unter den Ländern zu erhöhen.

Ausdrücklich für eine solche globale Harmonisierung von Rückstandshöchstmengen sprach sich Nuri Gras (Food Intelligence Net - FINET, Chile) aus. Lateinamerika werde durch seine natürlichen Ressourcen in Zukunft eine wichtige Rolle in der weltweiten Lebensmittelversorgung einnehmen und exportiere schon heute eine große Menge an Früchten und Gemüse, sodass es für den Kontinent von besonderer Bedeutung sei, die Sicherheit seiner Erzeugnisse zu gewährleisten, erklärte Gras. Die Existenz einheitlicher Kriterien zur Beurteilung der Lebensmittelsicherheit sei dafür essentiell. Viele Staaten in der Region verwenden bereits die CXLs oder alternativ von der EPA bzw. EU definierte MRLs. Sollten diese keine Informationen zu fraglichen Substanzen enthalten, würden oftmals Rückstandshöchstgehalte des Herstellers oder Limits anderer OECD-Staaten herangezogen, so Gras.

Rückstände bei wechselnd angebauten Feldfrüchten

Die OECD hat in ihren Mitgliedsstaaten in 2012 eine Studie über die Untersuchung und die Datenevaluation von Rückständen aus wechselnd angebauten Feldfrüchten durchgeführt. Die Ergebnisse haben bestätigt, dass sowohl ein Bedarf an mehr Harmonisierung als auch an weiterführenden Richtlinien zum Thema besteht. Ein neuer Leitfaden, der derzeit nur als erster Entwurf vorliegt, soll dabei helfen, die neuen Datenanforderungen der EU sowie die OECD-Test-Richtlinien 502 und 504 im Hinblick auf wechselnd angebaute Feldfrüchte zu interpretieren. Veränderungen an den bisherigen Dokumenten sieht dieser dagegen nicht vor. Der Entwurf werde einen mehrstufigen Ansatz für die Untersuchung von wechselnd angebauten Feldfrüchten vorstellen und ein Rahmenkonzept für erweiterte Feldstudien vorschlagen, das eventuell als Basis für eine spätere Entwicklung von Rückstandshöchstmengen dienen könnte, erklärte Britta Michalski (Bundesinstitut für Risikobewertung). Bislang sei allerdings noch unklar, ob man die Bestimmung von Rückständen im Erdreich im Rahmen von Feldfrucht-Studien ins Konzept aufnehmen werde, ergänzte sie. In jedem Fall strebe die OECD die Harmonisierung einschlägiger Studiendesigns zwischen allen OECD-Staaten an. Die Expertin wies darauf hin, dass alle Aussagen zum Entwurf noch vorläufig seien und seine weitere Ausarbeitung noch Zeit in Anspruch nehmen werde.

Metabolismus-Studien bei Fischen

Daten zum Stoffwechsel von Fischen werden immer dann benötigt, wenn der Einsatz von Pestiziden zu signifikanten Rückständen in Fischfutter führen kann. Eine vereinfachte Methode zur Berechnung von Belastungen, die über die Nahrungsaufnahme entstehen, bietet nun ein neues Tool, das vom Fraunhofer IME entwickelt wurde. Einer der Entwickler, Christian Schlechtriem, stellte die Software auf der Konferenz in Mainz vor.

Der „DietaryBurdenCalculator“ basiert demnach auf einem realistischen Szenario der Nahrungsoptimierung, enthält eine flexible Datenbank, ist einfach zu bedienen und stellt ein vollständig transparentes Verfahren dar. Interessenten können den Rechner per E-Mail beim Fraunhofer IME anfordern (dietary.burden@ime.fraunhofer.de).

Beurteilung diätischer Metabolite

Ein von der European Crop Protection Association (ECPA) entwickeltes Positionspapier wurde ebenfalls auf der Konferenz vorgestellt. Dieses enthält einen neuen Entscheidungsbaum, der dazu verwendet werden kann, einzuschätzen, ob Rückstände diätischer Metabolite ein Risiko für Konsumenten darstellen. Der Entscheidungsbaum besteht aus drei Hauptkomponenten, erläuterte Dee Clarke (Syngenta). Die erste Frage laute, welche Metabolite in einer Pflanze oder einem Tier berücksichtigt werden müssen, so die Expertin. Der nächste Teil des Entscheidungsbaumes beschäftige sich mit dem Umfang der Rückstände und ob Rückstandsdaten für den betreffenden Metaboliten vorhanden seien. In Fällen, in denen keine geeigneten Daten über Metabolit-Rückstände existieren, könnten Stoffwechseldaten der Pflanze oder des Tieres dazu benutzt werden, um Verhältnisse abzuleiten, die wiederum dafür eingesetzt werden können, um das Ausmaß der Metabolit-Rückstände einzuschätzen, erklärte Clarke. Die dritte Komponente des Entscheidungsbaumes konzentriert sich auf die Ermittlung eines angemessenen toxikologischen Referenzwertes, der, kombiniert mit gemessenen oder geschätzten Rückstandsdaten, für die Risikobewertung und die Rückstandsdefinition benötigt wird. Laut dem Positionspapier der ECPA sind nicht-testende Methoden wie der Threshold of Toxicological Concern (TTC) und die Quantitative Struktur-Aktivitätsanalyse (QSAR) Ansätze, die zur Ableitung eines geeigneten Referenzwertes berücksichtigt werden können. Clarke betonte, dass die ECPA die Berücksichtigung ihrer Position seitens der EFSA im Rahmen der Leitfaden-Entwicklung zur Definition von Rückständen begrüßen würde. Ein Leitfaden-Entwurf seitens des PPR-Panels soll im Laufe des Jahres entwickelt werden.

Lesestoff:

Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden www.akademie-fresenius.de

Stefanie Johannsen (Akademie Fresenius)

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