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Billige Lebensmittel kosten mehr

Ernährung

Wahre Kosten als Rechenmodell und Impuls für Veränderungen

Aus Sicht der Wissenschaft ist das Modell der „wahren Kosten“ unserer Lebensmittel nicht neu: eine nicht nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln produziert versteckte Kosten für Reparaturen von Boden, Wasser und Klima. Das hatte aber bisher keine praktischen Konsequenzen. In jüngster Zeit gibt es jedoch Schützenhilfe von unerwarteter Seite: Von Versicherungen und Wirtschaftsprüfern, die bei ihren Policen oder der Kreditvergabe Faktoren wie Boden oder Wasser als „Naturkapitalrisiken“ berücksichtigen. Zusammenhänge und praktische Beispiele erläuterte Tobias Bandel in seinem Workshop „Richtig rechnen - Lebensmittel sind mehr wert“ auf dem 4. BZfE-Forum.

Schon heute arbeiten Finanzdienstleister wie Banken und Wirtschaftsprüfer daran, Naturkapitalrisiken zu berücksichtigen – auf Unternehmens und Lieferkettenebene. Wird beispielsweise eine Landwirtschaft gefördert, die die Bodenfruchtbarkeit durch Zwischenfrüchte und schonende Bearbeitung erhöht, sinkt auf Dauer das unternehmerische Risiko. Eine weitere, echte Honorierung bekommen Unternehmen oder Landwirte aber bisher nicht. Und das, obwohl sie potentiell einen messbaren gesellschaftlichen Nutzen generieren. „Das Gute ist nämlich“, so Bandel, „dass wir durch unsere Berechnungen nicht nur versteckte Kosten, sondern auch diesen versteckten Nutzen entdecken.“ Der positive Nutzen belief sich im Fallbeispiel eines Bioland-Hofes auf 1.400 Euro pro Hektar. Bisher bekommt der Landwirt dafür kein Extra- Geld, nur die marktüblichen Erlöse für sein Getreide oder seine Kartoffeln. Umgekehrt muss der Betrieb im anderen Fallbeispiel nicht für die externen Kosten von 700 Euro pro Hektar aufkommen, die er verursacht. Sie schlagen sich auch nicht im Preis an der Kasse nieder. Jede und Jeder von uns zahlt sie aber letztlich über die Steuern. Damit werden zum Beispiel die Maßnahmen für Hochwasserschutz oder die Trinkwasseraufbereitung finanziert, die von einer nicht nachhaltigen Landwirtschaft stärker mit verursacht werden.

Umso wichtiger sind die Impulse des Finanzmarktes. „Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Finanzsektor die Ökologisierung der Landwirtschaft vorantreibt“, so Bandel. Damit sei nicht zwangsläufig „Bio“ gemeint. Auch konventionelle Betriebe können die externen Kosten durch geeignete Maßnahmen effektiv senken. Die wahren Kosten sind ein interessantes Werkzeug, um solche Veränderungen anzustoßen. „Sie zeigen außerdem eindrucksvoll das große Potential einer nachhaltigen Landwirtschaft auf“, so der Agrarwissenschaftler und Geschäftsführer von „Soil & More Impacts“, einer Beratungsfirma, die Unternehmen aus dem Agrar- und Lebensmittelsektor im Bereich Nachhaltigkeit unterstützt. Wenn diese Kosten nun auch noch auf ersten Preisschildern im Handel auftauchen, könnte dies die Wertschätzung von Lebensmitteln insgesamt stärken, wenn die Konsumenten diesen Zusammenhang erkannt haben.

Lesestoff:

Das Video zum Vortrag beim 4. BZfE-Forum http://www.youtube.com/watch?v=AyYnkh1EKX0

Gabriela Freitag-Ziegler, Britta Klein, http://www.bzfe.de

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