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Biopolymere statt Mikroplastik?

Ernährung

Mikroplastik: Mehr Forschung notwendig

In diesem Jahr stehen die EU-Vorschriften für Lebensmittelkontaktmaterialien auf dem Prüfstand: Im Rahmen eines Revisionsverfahrens führt die EU Kommission eine Reihe von Konsultationsverfahren durch und hat wissenschaftliche Fokusgruppen eingerichtet. Den aktuellen Stand des Verfahrens und die erwarteten Veränderungen diskutierte eine internationale Konferenz der Akademie Fresenius am 13. und 14. Juni in Düsseldorf.

Nicht nur Mineralölrückstände, auch Mikroplastik-Rückstände bergen große Herausforderungen für Verpackungshersteller und Lebensmittelindustrie. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben den Eintrag von Mikroplastik über Lebensmittel analysiert. Zwar lässt sich nach Alfonso Lampen vom BfR Mikroplastik in der Nahrungskette nachweisen. Aber die Wissenschaft weiß noch zu wenig über die Aufnahme über die Nahrung, die Bioverfügbarkeit und die toxikologischen Mechanismen. Weitere Forschungen zur Materialcharakterisierung, zum Nachweis sowie zur Zellaufnahme seien zwingend erforderlich.

Erste eigene Untersuchungen des BfR an Kulturen menschlicher Darmepithelzellen sowie im Tierexperiment zeigten, dass Kunststoffpartikel bis zu einem Durchmesser von ca. 4 μm zwar in der Zellkultur von Epithelzellen der Darmwand aufgenommen werden können. Im Tierversuch zeigte sich jedoch, dass trotz Verabreichung sehr großer Mengen Kunststoffpartikel in der Größe von 1 - 10 μm diese nur vereinzelt in den untersuchten Darmepithelzellen zu finden waren. Die bislang am BfR mit verschiedenen Modell-Partikeln durchgeführten Untersuchungen zur oralen Aufnahme von Mikropartikeln ergaben keine Hinweise auf Schädigungen des Darmgewebes.

Biobasierte Polymere

Alternativen zum Mikroplastik wecken das allgemeine Interesse. Kunststoffverpackungen, die zumindest teilweise aus nachwachsenden (biobasierten) Rohstoffen hergestellt werden, rücken in den Fokus. Innovationsberater Harald Käb vom Consulting-Unternehmen Narocon gab einen Überblick über die Entwicklung und Vermarktung von Verpackungen aus biobasierten Kunststoffen. Zwar ist der Marktanteil mit 0,5 Prozent in Europa noch denkbar gering. Aber Harald Käb schreibt ihnen erhebliches wirtschaftliches und ökologisches Potenzial zu. Abgesehen von der CO2-Ersparnis böten die biobasierten Polymere auch spezielle Funktionalitäten. Die EU-Gesetzgebung hinke der Entwicklung hinterher. Außerdem fehle es an Anreizen zur Produktion und Anwendung, so Käb.

Rebecca Keuters (Akademie Fresenius) / Roland Krieg

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