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„Blootwoosch us Kölle“ jetzt auch geschützt

Ernährung

„Für eine Handvoll Flönz“

Die Aachener sind in diesem Monat den Kölnern eine Nasenspitze voraus. Deren Blutwurst trägt als Oecher Puttes das begehrte EU-Siegel geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) bereits seit Monatsanfang. Die Kölner müssen aber nicht traurig sein, denn noch vor Monatsende hat die EU auch die „Flönz“ aus Köln mit dem g.U.-Zeichen geadelt. Ansonsten liegen zwischen „Oecher Puttes“ und „Flönz“ natürlich rheinische Universen und sind jeweils die beste Blutwurst der Welt.

Ganz früher soll Flönz der Begriff für die Wurstzipfel gewesen sein, um die in den Metzgereien gebeten wurde – natürlich für den Hund. Das rheinische Metzgerhandwerk in Köln, den Städten Leverkusen, Bergisch-Gladbach, Rösrath, Wesseling, Brühl, Hürth, Frechen, Pulheim, Bonn, Neuss, Dormagen, Monheim, Ratingen, Düsseldorf und im Rhein-Sieg-Kreis dürfen Flönz herstellen. Eine zu den Kochwürste gehörende Blutwurst mit nicht sichtbaren Anteil Schweinefleisch in Natur- oder Kunstdarm. Die Wurst ist kreisrund und hat die Form eines gekrümmten Zylinders mit typischen Wurstzipfeln an den Enden. Der Flönz kommt auch als Ring vor. Die rotbraune Wurstfarbe ist vom Weiß des Specks unterbrochen. Die sichtbare Speckeinlage darf maximal 25 bis 30 Prozent des Gewichtes übernehmen und in der Größe zwischen 5 und 10 Millimeter liegen. Optional sind Zwiebeln und Fleischfonds, vorgeschrieben Naturgewürze und keine Aromen oder Gewürzextrakte. Damit Flönz das g.U.-Siegel tragen darf, müssen alle Herstellungsschritte innerhalb des bezeichneten Gebietes erfolgen.

Mehr als nur Wurst

Den Begriff Flönz gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts und gilt auch als identitätsstiftend. Zuwanderern, denen der Begriff „Blotwoosch“ zu schwer war, wurde vom Textdichter Jupp Schlösser 1947 nahe gelegt, den Begriff „Flönz“ zu wählen. Peter Millowitsch brachte 2011 das Theaterstück „Für eine Handvoll Flönz“ auf die Volksbühne und wird als Namensbestandteil als besonders innige Verbindung zur Kölner Heimat verstanden. So nennen sich die Basketballspieler aus Köln „Flying Flönz“ und der Pulheimer Oldtimer-Club nannte seine erste Ausfahrt im Jahr 2012 „Tour de Flönz“.

Kölsch Kaviar

Zwar ist saisonaler Höhepunkt der Flönz der Karneval, jedoch gibt es die Blutwurst ganzjährig in den zahlreichen Brauhäusern der Stadt. Als Kölsch Kaviar wird dabei die Variante Flönz mit Zwiebelringen bezeichnet. Zahllose Rezepte sind überwiegend für die kölsche Küche belegt.

Seit mehr als 40 Jahren führt die Kölner Fleischer-Innung einen Rot- und Blutwurstwettbewerb durch, bei dem allerdings auch aus dem benachbarten Ausland Blutwurst eingesandt wird. Viele Jahre fand der Wettbewerb auf der Ernährungsmesse Anuga statt, jetzt aber wieder in der Kundenöffentlichkeit, um für die Fleischerfachgeschäfte zu werben (s. Foto). Seit 2012 gibt es den Spezialwettbewerb „Kölsche Flönz“, ein eingetragenes Warenzeichen, und nur von den Betrieben erzeugt werden darf, die auch in den g.U.-Regionen liegen. Noch ist Zeit, am Wettbewerb 2016 teilzunehmen, der am 17. September auf dem Kölner Heumarkt stattfindet.

Lesestoff:

Flönz-Wettbewerb: www.fleischer-koeln.de

Oecher Puttes

Roland Krieg; Foto: Fleischer-Innung Köln

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