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Brandenburger Fisch

Ernährung

Märkische Fischstraße: Kulinarisch und informativ

>Mehr als 3.000 Seen, 30.000 km Flussläufe und 680 Teichanlagen. Hier fühlen sich Aal, Karpfen, Zander und Hecht wohl, bescheren den Erwerbsfischern gute Einkommen und bieten Berlinern, Brandenburgern und Gästen regionale Leckereien. Fangfrisch auf den Tisch.

Starker Wirtschaftszweig
Sprechen die Berliner von ihrem „Kiez“ in dem sie sich zu Hause fühlen, meinen sie zwar das Häuserquartier in ihrer Umgebung, verwenden jedoch das slawische Wort für Fischersiedlung. Viele Dörfer und Städte sind in Brandenburg aus so einem Fischerrevier entstanden, sagt Lars Dettmann vom Landesfischereiverband Brandenburg. Was früher schon erfolgreich war, ist es auch heute noch, denn fast neun Millionen Euro Erlös erzielten die Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe im Jahr 2007. Rund 680 Arbeitsplätze werden durch die Fischerei gesichert.

Fangmenge t

Erlöse in Mio. €

Zahl Betriebe

Fluss- und Seenfischer

1180

3,1

Haupt 154
Neben 123

Karpfenteichwirtschaft

1440

3,7

Haupt 35
Neben 9

Forellenproduktion

420

1,2

Haupt 15

Kreislaufanlagen

230

0,7

Haupt 4

Angelfischerei

814

Gesamt

4.087

8,7

440

Q: Bericht der Deutschen Binnenfischerei und Agrarbericht BB jeweils 2007

Die Kreislaufanlagen sind die intensiven Aquakulturbetriebe und deren geringe Zahl zeigt den traditionellen Charakter der märkischen Fischproduktion. Um deren Absatz noch zu erhöhen fördert die Märkische Fischstraße den Absatz und bietet Dienstleistungen wie eine Räucherschulung an. Wer den Anforderungen der Märkischen Fischstraße genügt kann jetzt kostenfrei Mitglied werden, sagt Peter Wilczynski, Vizepräsident des Landesfischereiverbandes. Neben dem praktischen Hauptaugenmerk des Fischfangs geht es dem Verband um die Förderung des Tourismus. Teilnehmende Betriebe müssen Mindeststandards bei der Gastronomie aufweisen, entsprechende Hygienebedingungen erfüllen, freundliches Personal und die Einrichtungen auf Gäste abgestimmt haben. Dann gibt es auch Beratungen über die Organisation eines Bootsverleihs für Angler und Romantiker.

FischstandFisch hat Aufholkapazität
Gerade die Trends Wellness und gesunde Ernährung bringen den Fisch wieder zurück auf die Teller. Mit 16,7 kg Fisch je Person und Jahr hat Deutschland jetzt den Weltdurchschnitt beim Verzehr erreicht. Für die märkischen Fischer ist aber noch Luft nach oben. Die sechs Millionen Brandenburger verzehren rund 97.000 Tonnen Fisch im Jahr, der Anteil aus heimischen Gewässern liegt gerade bei 4,2 Prozent. Das ist vor allem deshalb steigerungsfähig, so Dettman, weil die Meere nicht mehr so ergiebig sind und die Aquakultur, vor allem aus Überseeländern, mit Verwendung von Antibiotika und hoher Besatzdichte immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt. Genau hier will die Märkische Fischstraße auf ihre Produktion qualitativer Ware aus der Region auf sich aufmerksam machen. Brandenburger Fisch ist bedenkenlos.
Dazu gehört, dass die Gäste sich auf den Weg zur Fischstraße machen. Joachim Fiebelkorn, Geschäftsführer der Märkischen Fischstraße, sagt, es ist viel zu aufwendig für den Handel zu filitieren, zu räuchern und zu verpacken. Das übersteigt die Kapazitäten der Fischereien. Daher auch besonders die Verbindung zum Tourismus. Der Alltag gehört dem TK-Fisch aus der Truhe, aber das Besondere gibt es nur vor Ort.

Nicht nur Sonnenschein
Auch wenn es den Binnenfischern recht gut geht, so haben die Teichwirte und insbesondere die der Karpfenteiche große Probleme. Auf diese aufmerksam zu machen, hat die Märkische Fischstraße den Karpfen zum Fisch des Jahres gemacht.
Zwei Dinge sind zu regeln. Zum einen wächst der Karpfen in drei Jahren gemächlich heran, erduldet im zweiten Jahr natürliche Verlustraten von 20 bis 30 Prozent. Dann hat er allerdings mit 70 bis 500 Gramm genau die Größe des Appetithappens für den Kormoran. Der erhöht nach Angaben Dettmanns die Verlustrate auf 60 bis 90 Prozent. Es ist es Teufelskreis, der sich in der Teichwirtschaft dreht. Kormoran, Reiher und Fischotter liegen mit den Fischern im Wettbewerb und wenn in den Trockenjahren der Wasserspiegel in den Teichen fällt, dann haben die Räuber noch leichteres Spiel, weil sich die Fische auf einen kleineren Gewässerteil zurückziehen müssen.
Zum anderen liegen 90 Prozent der Teichflächen in Natura 2000-Gebiete, weil der Teich als Biotop für Amphibien und seltene Pflanzen ein Lieblingsprojekt des Naturschutzes ist. Gesetzlich dürfen die Teichanlagen sich in ihrem biologischen Zustand nicht mehr verschlechtern. Zögen sich die Teichwirte aber zurück, geben ihre Produktion auf, dann dauert die Genese von einem verlandenden Teich über einen Sumpf bis zum Erlenwald nur wenige Jahre. Wenn also die Teichanlagen so erhalten bleiben sollen, wie sie derzeit sind, dann muss die Teichwirtschaft wieder gefördert werden. Lars Dettmann nannte Betriebe, die keinen Nachfolger mehr finden, weil der Sohn keine wirtschaftliche Basis mehr hat. Teichbewirtschaftungspläne müssen mit der jeweiligen Naturschutzbehörde abgestimmt werden. Lars Dettmann sieht aber Verbesserung für Brandenburg, denn das Landesumweltamt will zumindest bei der Kormoranverordung auf die Teichwirte zugehen.

Forschung
Die märkischen Fischer sind mit Forschungsinstituten gesegnet. Zuletzt machte das Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei mit einem Aquaponik-System auf sich aufmerksam. In Brandenburg gibt es in Potsdam noch das Institut für Binnenfischerei. Dort wurde die Kultivierung von Zander praxisreif entwickelt und derzeit bei den Fischern getestet.

Die Märkische Fischstraße finden Sie in der Halle 21a Stand 141

roRo

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