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BSE-Risiko durch Gelatine

Ernährung

Neue Bewertung der EFSA

>Nach 2003 hat die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) im Januar 2006 das Risiko quantitativ ermittelt, durch den Verzehr von Gelatine aus Wiederkäuerknochen an der neuen Creutzfeld-Jacob Krankheit (vCJD) zu erkranken.
Gelatine findet vielfach Verwendung in Lebensmitteln, pharmazeutischen Produkten, Kosmetik, Tierfutter und technischen Produkten wie Filmen. In der Pharmazie wird Gelatine für die Herstellung von weicher und harter Kapseln verwendet.

Große Unsicherheit
Bei der "Gelatine Conference 2005" der International Advanced Gelatine Science Society (IAGS) an der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität waren sich die rund 100 teilnehmenden Wissenschaftler über die Sicherheit der Rindergelatine einig: Nach der Behandlung von künstlich infiziertem Material mit Salzsäure und Calciumhydroxid zeigte sich, dass kein Erreger mehr nachweisbar gewesen ist. Diese beiden Substanzenfinden in der Herstellung von Gelatine auch Verwendung. Und dennoch: Viele Lebensmittelhersteller haben auf Schweinegelatine umgestellt oder verzichten ganz darauf. Vegetarier nehmen seit jeher Agar-Agar, Pektin oder Gelin zum Festigen von Speisen.

EFSA revidiert Einschränkung
In der letzten Empfehlung von 2003 hat die EFSA festgehalten, dass es keinen Herstellungsprozess gibt, der garantiert alle BSE-Risiken ausschließt. Betont wurde die Bewertung mit dem Satz, das neben der gründlichen Aussortierung des entsprechenden Risikomaterials auch "bis zur endgültigen quantitativen Risikoanalyse, der Schädel und das Rückgrat von Wiederkäuern die älter als 12 Monate sind, nicht für die Gelatineproduktion verwendet werden sollten." Die Empfehlung gilt für alle Länder in denen BSE-Fälle auftreten.
Nun hat die EFSA den Herstellungsprozess bewertet und Wahrscheinlichkeiten berechnet, BSE mittels Säure- und Hitzebehandlung zu minimieren. Zum anderen wurde für Großbritannien berechnet, dass nicht alle vom Menschen verzehrte Gelatine von Risikomaterial stammt, sondern nur zu 0,02 bis 0,05 Prozent der Gesamtmenge. Das reduziere die Exposition gegenüber Rinderknochengelatine in der menschlichen Nahrung um das zwei- bis dreifache. Die Methode Gelatine durch Hitze und Druck zu erzeugen mindert das Risiko der Exposition zusätzlich um den Faktor 100.

Mögliche vCJD - Erkrankungen
Nach eigenen Angaben hat sich die EFSA schwer getan, mit der ermittelten Risikoabschätzungen zukünftige Neuerkrankungen abzuschätzen. Bis zum 10. Januar 2006 wurden in Großbritannien insgesamt 156 Fälle von neuer Creutzfeld-Jacob - Krankheit erfasst. Aktuelle Schätzungen zeigen, dass die Anzahl vCJD nicht das hohe Ausmaß aufweisen wird, wie noch vor einigen Jahren befürchtet. Eine Berechnung aus dem Jahr 2004 geht von maximal noch 550 Erkrankungen und möglicherweise nur noch von 70 Sterbefällen aus.
Auf Grund der EFSA-Zahlen bleiben weiterhin gültig, dass es keinen Herstellungsprozess gibt, der das Übertragungsrisiko gänzlich ausschließt. Auch ordnungsgemäße Verarbeitung mindert das Risiko. Was allerdings von der EFSA aufgehoben wird, ist die Einschränkung, dass Schädel und Rückgrat von Tieren älter als 12 Monate nicht verwendet werden dürfen. In der Empfehlung nach ihren Ergebnissen sieht die EFSA "die relative menschliche Exposition gegenüber Rindergelatine aus Knochen inklusive Schädel und Rückgrat bei jedem Alter der Tiere mit weniger als 0,000001 und unterstützt die Einschränkung des Verbotes" nicht mehr.

Die Bewertung wurde veröffentlicht in: The EFSA Journal (2006) 312, 1-28; "Quantitative assessment of the human and animal BSE risk posed by gelatine with respect to residual BSE risk"; www.efsa.eu.int

roRo

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