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Darmbakterien managen das Gewicht

Ernährung

Vielfalt im Darm

Greifswalder Wissenschaftler haben bei Diabetikern mit starken Gewichtsproblemen ein strukturiertes Abnehmprogramm über drei Monate begleitet und die Veränderungen bei der Darmflora beobachtet. „Wir konnten zeigen, dass sich die anfängliche Mahlzeitenersatztherapie positiv auf die Zusammensetzung der Darmbakterien auswirkt und wahrscheinlich auch darüber hinaus zu der guten Gewichtsreduktion beiträgt“, sagt Prof. Dr. Markus Lerch, Direktor der Klinik für Innere Medizin. Die Probanden haben zwischen elf und 30 Kilo abgenommen.

„Nach der Fastenperiode hat sich die Zusammensetzung der Darmbakterien bei allen Probanden deutlich verändert. Wir konnten eine Zunahme der Vielfältigkeit der Bakterien und insbesondere die Abnahme der Bakterienart Collinsella feststellen. Ein erhöhter Besatz mit Collinsella-Bakterien wird mit einer Verschlechterung des Stoffwechsels, einem Anstieg des Gesamtcholesterins und des schlechten LDL-Cholesterins sowie einer verstärkten Gefäßverkalkung in Zusammenhang gebracht, fasst Dr. Fabian Frost die Ergebnisse zusammen.

Wenn gegen Ende die Probanden ihre Nahrung selbst zubereiten, nahm die Veränderung der Darmflora wieder ab und stellte sich auf das Ausgangsniveau ein. Bis auf die Menge an Collinsella-Bakterien, die mehr als achtfach unter dem Ausgangsniveau blieb. Das könnte ein Marker für eine verbesserte Gesundheit sein.

Die Effekte der Darmflora sind in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Wissenschaft geraten. So konnte ein Zusammenhang zwischen der Darmflora und verschiedensten Erkrankungen, beispielsweise auch dem Diabetes mellitus und der Fettleibigkeit, aber auch Depressionen und Alzheimer-Demenz gefunden werden. Menschen, die unter Fettleibigkeit leiden, haben nachweislich weniger unterschiedliche Bakterien im Darm als schlankere Zeitgenossen. Auch konnte inzwischen bei Patienten mit einer geringeren Vielfalt in den Bakterienarten über einen bestimmten Zeitraum eine höhere Gewichtszunahme beobachtet werden.

„Vollständig ergründet ist das Zusammenspiel zwischen den Bakterien und ihren Steuerungsfunktionen noch nicht. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass bestimmte Bakterien dafür sorgen, dass aus der gleichen zugeführten Nahrung mehr Energie bereitgestellt und in den Körper aufgenommen wird als durch andere Bakterien. Die Zusammensetzung der Bakterien scheint eine Ursache dafür zu sein, warum Menschen Nahrung so unterschiedlich verdauen, warum einige schnell, andere langsam zu- und abnehmen können“, sagte Oberärztin Dr. Antje Steveling, die Leiterin des Greifswalder Adipositaszentrums. Das Mikrobiom soll in Greifswald künftig stärker beforscht werden.

Vielfalt im Darm

Im Darm leben 38 Billionen Bakterien und diese sind maßgebend, ob wir gesund bleiben oder krank werden. Ein besonders artenreiches Darmmikrobiom, so nennt man die Gesamtheit der Mikroorganismen, hat gesundheitsfördernde Wirkungen und viele Erkrankungen gehen mit einer Abnahme der Artenvielfalt der Bakterien im Darm einher. Rund 40.000 verschiedene Bakterien sind bekannt. Weil Bakterien sehr viel kleiner sind als menschliche Körperzellen, kommen diese Bakterien zusammen auf ein Gewicht von nur etwa zwei Kilogramm.

Lesestoff:

Fabian Frost et al.: A structured weight loss program increases gut microbiota phylogenetic diversity and reduces levels of Collinsella in obese type 2 diabetics: A pilot study; in: PLOS ONE: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0219489

roRo

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