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Die Farbenlehre der Biotechnologie

Ernährung

Technische Mikrobiologie

> Auf Grund des Biotechnologie-Symposiums der CDU/CSU im Reichstag stellte Herd-und-Hof.de (s. 26.10.2004) den aktuellen Stand der roten und grünen Gentechnik zusammen. Mittlerweile erweitert sich das Farbenspektrum um die ?weiße? Variante.

Weiße Biotechnologie
Der Hamburger Wissenschaftler Prof. Dr. Garabed Antranikian gilt weltweit als Experte der weißen Biotechnologie und vertrat die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) auch bereits auf einem Podium der Bundestagsfraktion der Grünen gemeinsam mit der Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast.
Das Ziel der ?Weißen? Biotechnologie, die sich auf biotechnologisch-basierte Produkte bezieht, ist die ökologische Optimierung industrieller Prozesse. ?Die Biotechnologie ist ein genialer Schlüssel zur Herstellung umweltfreundlicher Produkte und eröffnet für die industrielle Produktion neue und großartige Perspektiven?, sagte Antranikian in Berlin. Experten gehen von einem weltweiten Umsatzvolumen in der ?Weißen? Biotechnologie bis zum Jahr 2010 von bis zu 200 Milliarden Euro jährlich aus. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey werden in diesem Zeitraum 60 Prozent aller Feinchemikalien auf biotechnischem Wege hergestellt.
Antranikian ist Leiter des Arbeitsbereiches ?Technische Mikrobiologie? an der TUHH und forscht auf dem Gebiet der extremophilen Mikroorganismen. Die aus extrem heißen und kalten Quellen gewonnenen Einzeller enthalten Wirkstoffe, wie beispielsweise Biokatalysatoren, die ein großes Potenzial für die umweltschonende Produktion von Arznei, Feinchemikalien, Vitaminen, Textilien, Papier enthalten. Biokatalysatoren ermöglichen eine integrierte Produktionsweise, bei der Abfälle während der Herstellung vermieden werden. Außerdem führt das umweltfreundliche Verfahren zur Reduktion des Treibhauseffekts.

Chancen für Deutschland
Im Allgemeinen wird die ?Weiße Biotechnologie? bereits als Chance für den Industriestandort Deutschlands gesehen. Immer mehr Unternehmen der chemischen Industrie, der Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie nutzen biotechnische Verfahren oder denken über deren zukünftigen Einsatz in der Produktion nach. Produkte wie Aminosäuren, Bioethanol und Vitamine werden schon mittels biotechnischer Verfahren hergestellt. Mit der Produktion von Polylactid (PLA) wird erstmals auch ein biotechnisches Verfahren im Polymer- und Kunststoffbereich erfolgreich eingesetzt. Der ?Weißen Biotechnologie? wird deshalb mit Blick auf ihr Potenzial für eine nachhaltige industrielle Produktion zunehmend eine Schlüsselrolle zugesprochen. Das kam auf der im November veranstalteten Tagung der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. (DECHEMA) als Ergebnis heraus.
Cystein ist neben Methionin eine Aminosäure, die Schwefel gebunden hat. Cystein wird in Arzneimitteln und im Bereich der Kosmetik zugesetzt. Als Bestandteil von Mundpflegemitteln dient es zum Schutz des Bindegewebes in Mund und Haut. Jährlich werden rund 3.600 Tonnen im Wert von 52 Millionen US-$ produziert, wie Dr. Günther Wich von Wacker auf der Tagung vorstellte. Die konventionelle Naturstoffextraktion liefert Cystein aus Haaren und Federn, die in Salzsäure gelöst die Zwischenstufe LL-Cystin bildet und dann mittels Elektrolyse das gewünschte Cystein.
E. coli-Bakterien können das viel besser, mit einer höheren Reinheit und brauchen nur Zucker (Glukose) als Futter. Ein 50 Kubikmeter Fermenter schafft bereits über 100 Tonnen Cystein pro Jahr, die der Pharma- und Kosmetikindustrie zur Verfügung stehen. Der Zweitgrößte Anteil (700 Tonnen) des weltweit hergestellten Cystein geht als Zusatzstoff in die Ernährungsindustrie.

VLE

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