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Die Pyramide des Kreises

Ernährung

Die dreidimensionale Lebensmittelpyramide

>Kuchen, Speck und Energydrinks unterscheiden sich von einem Menü aus Fisch mit Rotkohl und Wasser als Getränk. Eigentlich wissen das viele - doch eigentlich sind es die beliebtesten Lebensmittel. 70 Milliarden Euro zahlen die deutschen Krankenkassen jedes Jahr für die Behandlung von ernährungsbedingten Krankheiten. Zum Essen gehören jedoch auch biologische, soziale, psychologische und kulturelle Faktoren dazu, die den Lebensstil prägen und die Auswahl der Lebensmittel.
Bereits im 19. Jahrhundert gab es die ersten Ernährungstipps und zahlreich sind mittlerweile die Formen der Darstellung. Aus Ernährungskreisen wurden Ernährungspyramiden, von denen "an die 100 Varianten inzwischen existieren" sollen, so Ernährungsprofessor Dr. Claus Leitzmann. Heute stellten Verbraucherministerin Renate Künast und der neue Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Prof. Stehle die neueste Errungenschaft der Wissenschaft in Berlin vor.

Getränke erstmals bewertet
Die bisherigen Pyramiden lassen jede Menge Fragen offen und jede Diät zeige nur, dass die Verbraucher manchmal in die falsche Richtung geschickt werden, so die Ministerin. Mittlerweile wisse man auch, dass der Zucker in den Fruchtjoghurts dick mache und daher ist die neue Pyramide nicht nur für Deutschland, sondern auch international eine Neuheit. Auf ihrer Reise in die USA Ende April wird sie das Modell auch über den Atlantik mitnehmen. Künast zeigt sich überzeugt, dass das komplexe Thema endlich so aufbereitet worden sei, "wie der tägliche Speiseplan aussehen" soll. Erstmals wurden die Getränke in die Betrachtung einbezogen, was sie als eine der beiden Botschaften der Pyramide verstanden wissen möchte: "Es gibt eine Beziehung zwischen Limonaden/Zuckerwasser und Übergewicht." Der tatsächliche Konsum bei Kindern stelle die Pyramide geradezu auf den Kopf. Als zweite Botschaft wurden Obst und Gemüse noch vor den Verzehr des Brotes gestellt.
Auf der Basis der Pyramide ist der Ernährungskreis dargestellt, der die mengenmäßige Relation im Speiseplan wiedergibt. Obst, Gemüse und Brot füllen den Kreis zu fast drei Vierteln. Speiseöle finden sich nur noch auf einem kleinen Segment wieder. Die dreidimensionale Pyramide hat vier Seitenflächen, auf denen jeweils eine Lebensmittelgruppe geordnet ist, die von unten nach oben die Wertigkeit einzelner Lebensmittel angibt. Neben der Getränkeseite, gibt es Seiten für pflanzliche, für tierische Lebensmittel und für Öle und Fette. An der breiten Basis befinden sich die gesünderen und an der Spitze die weniger guten Delikatessen. So sind Raps- und Walnussöl relativ häufiger zu bevorzugen als Butter, Schmalz und gehärtete Fette an der Spitze.
Künast sieht in der Pyramide eine "pädagogisch verstehbare Form" und möchte auch eine politische Aussage damit verknüpfen: "Welche Lebensmittel sind auf dem Markt, welche Lebensmittel entwickeln wir? Das sind Fragen der allgemeinen Volksgesundheit und es geht um die Senkung der Krankenkassenbeiträge."

Kriterien der Pyramide
Die Lebensmittelpyramide liefert Verhaltensrichtlinien für eine optimierte Lebensmittelauswahl. Basis bilden die D-A-CH - Referenzwerte auf der Nährstoffebene und die 10 Ernährungsregeln der DGE, wie Prof. Stehle bei seinem ersten großen Presseauftritt erklärte. Die Lebensmittel auf den Pyramidenseiten sind nach objektiven Kriterien eingeteilt. Empfehlenswerte Produkte, wie Obst, Gemüse und Fisch stehen an der Basis und dürfen häufiger verzehrt werden.
Pflanzliche Lebensmittel: Bei den pflanzlichen Lebensmitteln zählten die Energiedichte und die Nährstoffdichte an Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen. Präventive Aspekte bei Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen spülten Weismehlprodukte oder geschälten Reis knapp unter Zucker, Kuchen und Knabbereien.
Tierische Lebensmittel: Auch hier zählte neben der Energiedichte die Nährstoffdichte, gemessen an Calcium, Eisen, Zink, Selen, B-Vitaminen und Vitamin D. Das Verhältnis der gesättigten Fettsäuren und C3-Fetten bestimmte die Fettqualität. Fisch und fettarme Fleischwaren sollen relativ häufiger verzehrt werden als Wurst, Eier, Sahne oder Speck.
Bei den Speisefetten und Ölen wurde ebenfalls die Zusammensetzung der Fettsäuren betrachtet. Wie viel Omega-3-Fettsäuren sind vorhanden, wie viel trans-Fettsäuren, Vitamin E und Cholesterol. So sind Raps- und Walnussöl die gesündesten Fette.
Bei den Getränken wurde der Energiegehalt bemessen und ein Anteil ab 7 Prozent Kohlehydrate als hoch eingestuft. Wie viel sekundäre Pflanzenstoffe sind enthalten, wie viel anregende Substanzen oder Süßungsmittel? So gerät Saft auf der Seite der pflanzlichen Lebensmittel an die gesunde Basis, weil er ein Bestandteil der Aktion www.5amtag.de ist, gehört jedoch auf der Getränkeseite auf Grund seines hohen Energiegehaltes an die Spitze. Ein Liter Saft pro Tag beinhaltet eben auch fast die Hälfte des Kalorienbedarfes.
Unter www,dge.de ist die Pyramide bereits abgebildet, wenn auch noch nicht funktionsfähig. Am Bildschirm wird man sie drehen können, ein Bastelbogen ist in Zusammenarbeit mit dem aid Infodienst entstanden, damit die handliche Variante der Pyramide in der Küche zentral platziert werden kann und ein Anklicken der einzelnen Produkte im Internet ist in Vorbereitung, um mehr über sie zu erfahren.

Erweiterungsmöglichkeit
Das Modell ist eine gelungene Kombination zwischen dem traditionellen Ernährungskreis der DGE und einer guten Aufteilung verschiedener Lebensmittelkomponenten. Modellbedingt verschwindet der Kreis auf der Stellfläche - allerdings lässt sich der Bastelbogen auch als Stern zweidimensional ausklappen, so dass alles an die Wand gehängt werden kann. Eine Ernährungsumstellung wird nicht von heute auf morgen realisiert werden können. Somit ist die Pyramide immer ein kleiner Begleiter in der Nähe des Kühlschranks. Prof. Stehle möchte den eckigen Kegel noch weiterentwickeln. Denkbar ist eine Anpassung an die verschiedenen Generationen. So ließe sich für Kinder und Senioren jeweils ein adaptiertes Modell basteln. Für die Erwachsenen würde dann auch der Alkohol aufgelistet.
Schwierig ist generell die Darstellung von zubereiteten Lebensmittel. Das räumte auch Renate Künast ein. Auf die Zutatenliste muss der Verbraucher noch selber schauen. Aber im Verbrauchertest waren die Probanden mit der komplexen Darstellung der Materie zufrieden, sagte Prof. Stehle.

roRo

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