Die Welt der fruchtigen Ideen

Ernährung

Wie Obst und Gemüse Kunden auf den Geschmack bringen

Ist der Apfel noch ein Apfel und die Tomate noch eine Tomate? Schon lange nicht mehr. Heute erzielen Cherry-Tomaten in Kleinverpackungen Preise, die zwei- bis dreimal über dem Niveau der „normalen Tomaten“ liegen. Die Produktentwicklung schreitet auch im Gartenbau voran. Die Snack-Tomaten sind nicht nur verkleinert, sie schmecken auch süßer.

Bis dahin ist es ein langer Weg. Aber viele haben sich schon auf den Weg gemacht. Wie David Cueberth vom schottischen Beerenexperten Angus Soft Fruits. Die Schotten haben vier neue Erdbeersorten mit längerer Haltbarkeit, neuer Textur auf der Zunge und einem neuen Geschmack entwickelt. Die rote Frucht schmecke jetzt ein wenig nach Kaugummi und komme bei den Kunden gut an. Die Erzeuger müssten neue Möglichkeiten außerhalb des Mainstreams finden, sagte Cueberth.

So kann der Apfel „Yello“ seine eigene Geschichte erzählen. Gedanklich ist der Apfel in Japan entwickelt worden Auch die züchterische Baisarbeit fand im Land der aufgehenden Sonne statt, sagt Anbauer Michael Grasser aus Südtirol . Knackig und saftig mit gelber Farbe. Während im mediterranen Raum gelbe Äpfel beliebt sind, entwickeln die Züchter für den Norden eher rote und zweifarbene Äpfel. Der leuchtend gelbe Apfel mit hellem Fruchtfleisch falle sofort auf und wird in Südtirol angebaut. Damit kann das Marketing eine eigene Geschichte erzählen, erläutert Experte Kurt Ratschiller vom Verband der Südtiroler Obstbaugenossenschaften (VOG). Der Schriftzug sei in Anlehnung der japanischen Schriftzeichen entstanden und präge einen starken Namen für den auffallenden Apfel.

Verpackung: Die prominente Nebenrolle

Ein anderes Geheimnis für den Erfolg ist die Verpackung. Das weiß Gilad Sadan aus Australien. Er ist Direktor der N.A.V.I. Co Global und hat sich auf die Produktberatung und Verpackung von Frischwaren spezialisiert. Vor allem der „to go“-Bereich erfordert neue Verpackungstechniken. Beeren oder andere Obstsnacks in Bechern, die mit dem Daumen geöffnet werden können, wiederverschließbar sind und in den Becherhalter des Autos passen. Das bringe Obst und Gemüse in den Alltag der Menschen. Verschiedene Fingerfoods in unterschiedlichen Verpackungen füllen in Übersee schon manchen Regalmeter und werden von den Kunden gezielt eingekauft. Umweltfreundlicher Karton sei am beliebtesten. Er kann mit einem gestalteten Plastikdeckel veredelt werden.  Sadan zeigte auf dem neu gestaltetem Frische Forum der Fruit Logistica Verpackungen, die anschließend in ein Puzzle oder Kartenhaus für das Kinderzimmer gefaltet werden können.

Die Pflanze meldet sich

Sarig Dueck läutet beim Anbau die nächste Revolution des Ackerbaus ein. Im Fokus steht die Pflanze. Der Softwareentwickler der Mainzer Firma Phytec bindet Sensoren an die Pflanzen, die ein Anschwellen oder Schrumpfen feststellen. Darüber können „sich die Pflanzen melden“, wenn sie Wasser brauchen und die Tröpfchenbewässerung noch sparsamer einsetzen. Ein Algorithmus wertet die stündlichen Meldungen in der Cloud aus und reguliert die Bewässerung. Erste Versuche ergaben, dass die Landwirte noch einmal 40 Prozent Wasser sparen und die Erträge um 20 Prozent höher liegen.

Da ist es bis zur Ernte mit Robotern nicht mehr weit. Wohl bemerkt: Es geht um die Ernte von Beerenfrüchten. Tom Coen von Octinion im belgischen Leuwen zeigt einen Roboterarm, der die Erdbeere sanft erfasst und mit einer Drehbewegung die Frucht vom Stiel pflückt, als wäre es ein erfahrener Pflücker. Die Arbeitskosten im Gartenbau steigen und führen zu solchen Mechanisierungen, sagte Coen.  Der Roboter werde die „Arbeitskosten“ nicht senken, aber da er auch nachts und selektiv durch die Reihen des Gewächshauses fahren kann wird er sie nicht weiter erhöhen.

Roland Krieg

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