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Enterobacter sakazakii

Ernährung

Keime in der Säuglingsnahrung gefunden

>Gleich zwei Hersteller von Babykost mussten in kurzer Zeit nacheinander jeweils eine Produktionscharge „Anfangsnahrung“ zurückrufen, weil Enterobacter sakazakii gefunden wurden.

Hohes Risiko für Neugeborene
Enterobakterien bilden eine große Mikrobenfamilie, in der E. sakazakii Bestandteil ist und beispielsweise Meningitis verursachen kann. Der Keim kommt bei Mensch und Tier im Verdauungssystem sowie natürlicherweise in der Umwelt vor, macht jedoch klinisch nur sehr selten auf sich aufmerksam.
Nach Angaben der Universität Wageningen in den Niederlanden hatten allerdings wenige Krankheitsausbrüche in Industrieländern Sterblichkeitsraten zwischen 20 und 50 Prozent. Die Niederländer weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Problem in den Entwicklungsländern unterschätzt werde und daher Krankheitsausbrüche kaum erfasst werden. Aber es gibt sie.
Zwar komme E. sakazakii in allen Altersgruppen vor, jedoch sind Kinder unter einem Lebensjahr am meisten betroffen. Bis zu einem Lebensalter von 28 Tagen ist das Erkrankungsrisiko am höchsten. Bei Erwachsenen verläuft die Krankheit milder.
In 50 bis 80 Prozent der Fälle konnte die Ursache der Infektion auf Anfangsnahrung zurückgeführt werden. Milchpulver trat dabei entweder als Vektor für den Erreger oder direkt als Quelle auf.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO regelt, dass vergleichbar zu Salmonellen 60 Proben von jeweils 25 Gramm keimfrei sein müssen. Die EU-Verordnung 2073/2005 fordert die Abwesenheit des Erregers E. sakazakii in 30 Proben zu je 10 Gramm.

Kontaminationsweg
Drei unterschiedliche Kontaminationswege werden für E. sakazakii angenommen. Entweder ist die gelieferte Rohware bereits mit Keimen belastet, oder die Kontamination findet im Betrieb nach der Pasteurisierung statt. Auch die Kontamination bei der Zubereitung des Fläschchens zu Hause oder in der Pflegestation ist möglich. Das gilt allerdings meist nur in Entwicklungsländern und ist hier auszuschließen.
Herd-und-Hof.de hat in dieser Woche n Deutschland nachgefragt, ob es bereits einen Hinweis auf die Infektionsquelle gebe, aber noch keine Antwort erhalten.
E. sakazakii kommt übrigens auch in anderen Lebensmittel vor – Krankheitsausbrüche werden allerdings nur auf Säuglingsnahrung in Pulverform zurückgeführt.

Dem Keim auf der Spur
Milupa hat den Keim bei einer routinemäßigen Nachuntersuchung festgestellt und betont parallel zum Babynahrungshersteller Bebivita, dass der Keim nur in einer Packung gefunden wurde und die Rückrufaktion der ganzen Charge eine Vorsichtsmaßnahme sei.
Gesucht wird nach dem Verfahren der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) und der noch in Bearbeitung befindlichen ISO/DTS 22964. Die Wissenschaftler Lehmann, Fiegen und Hansen vom Institut für Hygiene und Umwelt, Abteilung Mikrobiologischer Verbraucherschutz in Hamburg haben im Februar 2007 beim Wissenschaftsverlag Springer eine Arbeit über ein neues Verfahren eingereicht. Es handelt sich dabei um eine Polymerase-Kettenreaktion in Echtzeit, die speziell für die Untersuchung in Säuglingsanfangsnahrung Verwendung finden soll. Nach einer Selektivanreicherung führt das neue Verfahren bei der Nachweisprobe von E. sakazakii zu einer Ersparnis von ein bis drei Arbeitstagen.

Fragen und Antworten
Die Hersteller Bebivita und Milupa haben jeweils auf ihren Internetseiten www.bebivita.de und www.milupa.de Fragen und Antworten für Verbraucher zusammen gestellt. Zurückgerufen werden „Milumil 1 Anfangsnahrung“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 23. Februar 2008 und die „Anfangsmilch Bebivita 1“ mit der Chargennummer 23161817 und dem MHD vom 18. Mai 2008.

Roland Krieg

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