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Ernährungsindustrie nicht ohne Verantwortung

Ernährung

Gehört die Ernährungsindustrie zumGesundheitsprogramm?

Die verschiedenen Anträge zur gesunden Ernährungsweise wurden auch am Donnerstag im Bundestag ausschließlich parteipolitisch diskutiert [1]. Im Wesentlichen wollen alle Parteien das gleiche. „Jeder einzelne muss motiviert sein, für sich und seinen Körper das Beste zu tun“, sagte Katharina Landgraf (CDU). Diese Freiwilligkeit müsse der Politikansatz für eine Atmosphäre und ein Leitbild für die Verbraucher werden. Ihr Motto „keine Verbote“ heißt auch: Keine Regeln für die Ernährungsindustrie.

Aber nicht nur Karin Binder (Die Linke) verweist auf die Misserfolge von Broschüren und bestehenden Kampagnen. Sie haben auch nach Elvira Drobinski-Weiß (SPD) den Anstieg von ernährungsbedingten Erkrankungen, insbesondere Diabetes nicht gestoppt. Es erkranken auch die Menschen, die es eigentlich besser wüssten, weil die Verbaucher in einer anderen Realität leben, als Politik und Ernährungsindustrie es glauben machen wollen.

Die Lebensverhältnisse müssten umgestaltet werden. Daher stehe im Regierungsantrag auch die Reduktionsstrategie für Salz, Zucker und Fett in verarbeiteten Produkten: Das habe beispielsweise in Großbritannien ohne Einkommensbußen für die Industrie Erfolge gezeigt.

Für Karin Binder gehört die Ernährungsindustrie daher unbedingt zum Mosaik der veränderten Rahmenbedingungen dazu. „Wir müssen Kinder vor dick machender Werbung schützen!“. Kritisch sind auch prominenten Sportler zu sehen, die Werbung für Süßes und Salziges machen.

Da die Reduktionsstrategie im Koalitionsvertrag angenommen wurde, zieht sich die Schlinge um die Ernährungsindustrie enger. Schon von ganz anderer Seite will die Koalition offenbar die Branche nicht aus der Verantwortung entlassen [2].

Nach Landgraf werden das Ernährungs- und das Gesundheitsministerium künftig enger zusammenarbeiten. Eine Verstetigung vorhandener Programme und eine neue Strategie nach 2017 mit der Zusammenarbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) werde die Arbeit fokussieren.

Doch noch sind die Bretter dick. Nicole Maisch (Bündnis 90/Die Grünen) glaubt nicht an eine nationale Reduktionsstrategie, weil Koalitionsvertreter auf Tagungen mit der Ernährungsindustrie noch nicht den Mut gefunden haben, das vor Ort einzufordern. Politische Lustlosigkeit der Regierung sieht Maisch auch beim Verhallen der Länderforderungen nach sicherer Finanzierung der Vernetzungsstellen Schulverpflegung ab 2017. Auf der letzten Verbraucherschutzministerkonferenz flehten die Länder einstimmig „das Projekt zur Verbesserung für die Schulverpflegung über das Jahr 2016/2017 hinaus mindestens in bisheriger Höhe fortzufahren“. „Es ist Zeit, in die Puschen zu kommen“, mahnte Maisch.

Marlene Mortler (CSU) will die Ausbildung von Kindern nicht vernachlässigen und zitierte den britischen Trend-Koch Jamie Oliver: „Kochen ist eine lebenswichtige Funktion, die wir verloren haben.“

Lesestoff:

[1] Same same, but different

[2] Nationaler Diabetesplan gegen gewichtige Probleme

Roland Krieg

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