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Essen für einen gesunden Planeten

Ernährung

Nachhaltigkeit lernen mit dem Ernährungsführerschein

Die bunten Brotgesichter sind die Renner im Unterrichtskonzept für Dritt- und Viertklässler „Der Ernährungsführerschein“ des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE). Knabbern die Kinder zu ihren lustigen Broten zusätzlich Rohkost oder eine Handvoll Obst und kommt noch ein großes Glas Wasser dazu – ist das Frühstück komplett. Es macht fit und die vorwiegend pflanzlichen Zutaten in Kombination mit Wasser sind vergleichsweise klimafreundlich.

Auch die übrigen Rezepte im Ernährungsführschein folgen dem Muster: viel frisches Gemüse und Obst, Getreideprodukte als Sattmacher und mäßig Quark oder Joghurt. Damit erfüllen die Speisen im Ernährungsführerschein zentrale Empfehlungen des Planetarischen Tellers (Planetary Health Diet), einem wissenschaftlich fundierten Ernährungskonzept, das erstmals 2019 öffentlich vorgestellt wurde. Es besagt: Wenn künftig viel Gemüse und Obst, mehr Hülsenfrüchte und weniger Fleisch auf unseren Tellern liegt, bedeutet das weniger Flächenverbrauch und weniger Emissionen. So können Mensch und Erde gesund bleiben und wir unsere Lebensgrundlagen in puncto Essen langfristig erhalten.

Als der Ernährungsführerschein 2007 entstand, war die Planetary Health Diet noch völlig unbekannt. Im Ernährungsführerscheinkonzept orientieren sich die Kinder an der Ernährungspyramide des BZfE. Diese zieht sich wie ein roter Faden durch alle Unterrichtsstunden. Wie sich nun herausstellt, stimmen beide Konzepte in den Kernaussagen zur Lebensmittelauswahl überein: Iss reichlich pflanzliche Produkte und wenig Fleisch. Um die Kinder für die Vielfalt pflanzlicher Lebensmittel zu begeistern, stehen sie im Mittelpunkt der Praxisstunden. Die Schülerinnen und Schüler waschen, reiben, schneiden heimisches Gemüse und Obst, kosten, dekorieren, probieren mit allen Sinnen und erleben eine fröhliche, genussvolle Ernährungsbildung.

Dass ihr Tun auch gut ist für die Umwelt, können Lehrende bei jeder Einheit im Ringordner „Der Ernährungsführerschein“ nachlesen und den Kindern durch Impulsfragen nahebringen: Was spricht für lose Waren? Warum sind Erdbeeren im Winter keine gute Wahl? Fragen zur Herkunft und Erzeugung von Obst und Gemüse sind willkommene Anlässe, mit den Kindern über den Ressourceneinsatz bei saisonalem und regionalem Gemüse und Obst im Vergleich zu Flugware und Bio zu sprechen. Die „Handportion“, die den Kindern hilft, die richtigen Portionsgrößen zu wählen, dient dem Ziel, Tellerreste und Abfälle zu vermeiden.

Genauso so wichtig wie das, was auf den Tellern liegt, sind Wertschätzung, Genuss und Freude am gemeinsamen Essen. Das erleben die Kinder mit ihrem Vorbild Kater Cook und tragen ihre Begeisterung in ihre Familien.

Das Konzept steht auch für eine nachhaltige Entwicklung in puncto Essen im Schulkonzept. Im Ringordner wird explizit in den Ideenbörsen das fächerübergreifende Lernen angeregt – zur Entlastung der einzelnen Lehrkraft und um die Zusammenhänge von Lebensmittel, Produktion und Klima auch im Kollegium zu vertiefen.

Der Ernährungsführerschein kann ein kleiner Schritt in Richtung Ernährungstransformation sein. Wenn beispielsweise die Schule abwechslungsreiche Pyramidenfrühstücke anbietet, Gemüse und Obst aus dem EU-Schulprogramm bezieht und mehr Bio-Produkte in der Mensaküche einsetzt. Oder wenn die Kinder einen Schulgarten bewirtschaften, bei Urban-Gardening-Projekten oder der Gemüseackerdemie mitmachen oder einfach eine Blumenwiese für Bienen und Insekten anlegen – dann wird Wissen zum Handeln. 

Dr. Ingrid Brüggemann (BZfE)

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