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Fast 40 % amerikanischer Lebensmittel im Müll

Ernährung

USA: Nur 60 Prozent der Ernte schafft es auf den Teller

Die Wertigkeit der Biosprit-Diskussion gegenüber der Lebensmittelproduktion ist immer auch eine Frage nach der Grundmenge. Die USA zeigen sich dahingehend richtig verschwenderisch, denn 40 Prozent der Lebensmittel landen im Müll. Das hat das Natural Resources Defense Council in einer aktuellen Studie zusammengestellt.

Verschwendung

Um die Ernte auf den Teller zu bringen verbrauchen die USA zehn Prozent des nationalen Energiebudgets, nutzt die Hälfte der Landfläche und beansprucht 80 Prozent aller genutzten Wasserverbräuche. Es werden also nicht nur 40 Prozent der Lebensmittel verschwendet, sondern ebenfalls andere wichtige Ressourcen.
Die Amerikaner werfen einen Gegenwert von 165 Milliarden US-Dollar auf den Müll. Lebensmittel sind damit die größte Festkomponente auf den kommunalen Mülldeponien. Daraus emittieren 25 Prozent des amerikanischen Methan-Ausstoßes. Die Verringerung des Lebensmittelabfalls um 15 Prozent würde 25 Millionen mehr Amerikaner ernähren. Jeder sechste hat in den USA nicht genug zum Essen auf dem Tisch.
Die Aufteilung der Verluste entlang der Produktionskette zeigt unterschiedliche Ausschläge auf allen Stufen. Der meiste Schwund ist aber auf der Verbraucherstufe.

Beispiele

Auf den landwirtschaftlichen Betrieben entsteht Abfall vor allem durch Ernteverzicht, wenn die Marktpreise nicht ausreichend sind, um die Kosten zu decken. Außerdem bauen die Farmer mehr an, als der Markt aufnehmen kann. Damit wollen die sie Verluste während der Vegetation durch Krankheiten und schlechtes Wetter im Vorfeld ausgleichen.
Die Lösung sind die so genannten Farmers Markets, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewinnen. Dort werden die Bauern auch die Ware los, die nicht der Industrienorm entspricht [1].
Gerade was Obst und Gemüse betrifft fallen große Mengen durch die Maschen der Industrienorm. Die Studie berichtet von einer Verpackungsstation für Tomaten, aus der während der Hochsaison alle 40 Minuten einen Lkw mit zehn Tonnen aussortierter Ware das Werk in Richtung Deponie verlässt.
Verluste bei der Auslieferung treten kaum noch durch defekte Kühlaggregate auf. Mehr ins Gewicht fallen Unfälle, Wartezeiten bei der Verladung außerhalb der Kühlkette oder falsche Lagerung. Als größtes Problem macht die Studie Schiffsladungen aus, die am Zielhafen nicht fristgerecht oder wegen Umdisponierung entladen wird. Das alles verkürzt am Ende die Regalzeit im Geschäft.
Dort belaufen sich die Verluste auf rund zehn Prozent der Gesamtmenge. Amerikanische Lebensmittelgeschäfte werfen jährlich unverkauftes Obst und Gemüse im Wert von 15 Milliarden US-Dollar weg. Nicht nur Konsumenten leiden unter zu großen Verpackungen, auch der Handel: Selbst wenn ein Händler nur 50 Grapefruits am Tag verkauft, kann er kein kleineres Gebinde als mit 80 Stück bestellen. Früher oder später landen die restlichen 30 auf dem Müll.

Außer-Haus

Die USA sind der typische Markt für Außer-Haus-Verkauf. Fast Food, Caterer und Cafeterias haben auf der anderen Atlantikseite einen höheren Stellenwert als in Deutschland. Umfangreicher ist aber auch die Verschwendung. Der Außer-Haus-Markt hat im Jahr 2008 rund 43 Milliarden Kilogramm Lebensmittel entsorgt.
Große Portionen bleiben oft ungegessen. Rund 17 Prozent der bestellten Speisen verbleiben auf den Tellern. Und entgegen dem Bild, das die Amerikaner dieses Essen mit nach Hause nehmen, verbleiben 55 Prozent davon im Restaurant. Explizit benennt die Studie die Portionsgröße als Problem. Die hat in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen: „Zwischen 1982 und 2002 hat die durchschnittliche Pizza 70 Prozent mehr Kalorien erhalten, der Geflügel Caesar Salat doppelt so viele und die Kalorien im Schoko-Kuchen haben sich sogar vervierfacht.“

Haushaltsverluste

Umgerechnet wirft ein Vier-Personen-Haushalt in den USA jährlich Lebensmittel im Gegenwert von 1.350 bis 2.275 US-Dollar weg.

Empfehlungen

Die Studie schlägt der amerikanischen Regierung vor, die Haltbarkeit von Lebensmittel besser zu kommunizieren, so dass ähnlich wie in Deutschland Produkte nicht schon zum Mindesthaltbarkeitsdatum frühzeitig weggeworfen werden. Die Kommunen sollen Kampagnen gegen die Lebensmittelverschwendung fahren und die Firmen entlang der Wertschöpfungskette sollen nach Best-Practise-Beispielen die Verluste minimieren.

Lesestoff:

www.nrdc.org Food and Agriculture / Promoting Sustainable Food Production / Find out how you can reduce food waste

[1] Farmer´s Market

roRo; Grafik: FAO 2011

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