Menü

Fett lässt Adern platzen

Ernährung

Weiteres Teil im Puzzle Arteriosklerose gefunden

> Ist Arteriosklerose mit Arterienverkalkung wirklich ausreichend beschrieben? In der westlichen Welt ist Arteriosklerose und seine Folgeerkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache. Die Armen in Lateinamerika und Asien, die mit fettarmer Nahrung auskommen müssen leiden deutlich weniger unter Arteriosklerose. Die sozial zu kurz gekommenen in Europa hingegen leiden vermehrt unter Arteriosklerose, weil sie sich weniger bewegen und ?Kummerspeck? zulegen. Arteriosklerose zeitigt viele Folgekrankheiten, die dann genauso letale Folgen haben: Herzinfarkt, Schlaganfall und Aneurysma stehen dabei an vorderster Stelle. Aneurysmen sind dabei krankhaften Ausweitungen der Schlagadern - vor allem im Bauchbereich. Am häufigsten treten die durch Arteriosklerose verursachten Ausdehnungen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren auf. Bluthochdruck und erhöhter Cholesterinspiegel gehen dem ursächlich voraus. Ab einer Größe von 5 Zentimetern steigt bei einem Aneurysma die Gefahr einer Ruptur. Damit bezeichnen Mediziner das Platzens der Gefäßwand. Dieses ist in der Regel für die Betroffenen tödlich.

Es sind die Leukotrienen
Jenaer Wissenschaftler vom Institut für Vaskuläre Medizin des Universitätsklinikums unter der Leitung von Professor Andreas Habenicht haben jetzt mit kanadischen und amerikanischen Kollegen zusammen eine Studie in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" (9/2004) veröffentlicht, die belegt, das fettreiche Ernährung, Entzündungen und Arteriosklerose zusammen gehören.
Schlüssel ist dabei das Enzym 5-Lipoxygenase, das im Organismus zentral an der Bildung von so genannten Leukotrienen beteiligt ist. Damit wird eine Hormongruppe bezeichnet, die in weißen Blutkörperchen entsteht und entzündliche und allergische Reaktionen reguliert. Leukotriene erhöhen die Durchlässigkeit der Gefäßwände. Entzündungsstimulierenden Lipoxygenase findet sich vermehrt in Fresszellen an den Außenwänden bei Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt, Hirnschlag und Gefäßverengungen und muss daher damit zusammenhängen. Untersucht wurden Mäuse, die eine fettreiche und ungesunde Diät bekamen. Zudem haben die Forscher auch Hinweise auf eine Auflösung des Stützgewebes der Gefäßwände gefunden, dessen Folge die Ruptur (das oft tödliche Platzen des Aneurysmas) ist. In dem Artikel sind auch Ergebnisse von Patientenuntersuchungen veröffentlicht. Die Ergebnisse stimmen ?optimistisch, dass wir weitere Bausteine im Puzzle 'Arteriosklerose' finden werden?, urteilt Prof. Habenicht. Bereits jetzt laufen weltweit mehrere klinische Studien, in denen die Behandlung von Arteriosklerose und ihrer Folgeerkrankungen durch die medikamentöse Ausschaltung der 5-Lipoxygenase überprüft wird. Solche Medikamente werden bereits bei dem ebenfalls durch Leukotriene verursachten Asthma eingesetzt.

Mediterran ernähren
In den 50er und 60er Jahren fanden Ernährungsexperten im Mittelmeerraum eine besondere Ernährungsform auf Kreta, in Griechenland und Süditalien. Bald bezeichnete man diese Form als mediterran.

Die Grundlagen:
- reichlicher Verzehr von Obst, (Wild)gemüse, Brot, Getreideprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen; Hauptfettlieferant ist Olivenöl
- tgl. Verzehr von Milchprodukten (Joghurt und Käse), aber insgesamt weniger als in Mitteleuropa
- Fisch und Geflügel wird häufiger gegessen als ?rotes? Fleisch
- 1 Glas Rotwein zur Mahlzeit
Insgesamt zeichnet sich diese Ernährungsform durch eine kohlenhydratreiche Betonung aus. 35 Energieprozent werden zwar durch das Gesamtfett zugeführt, doch befinden sich in der Nahrung weniger gesättigte Fettsäuren und dafür reichlich einfach ungesättigte. Die Ausgewogenheit der Mahlzeiten beinhaltet einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundäre Pflanzenstoffe. Also das, wozu die heutigen Ernährungsfachleute im Allgemeinen raten. Allerdings ist es das Essen nicht allein. Die Siesta in der Mittagshitze gehört zum Lebensstil der Landbevölkerung genauso dazu, wie auch vielfältige familiäre und andere soziale Kontakte. Weil die Landbevölkerung relativ arm ist, wurden Lebensmittel aus der Region bevorzugt, die entsprechend der Saison, frisch zubereitet und wenig weiterverarbeitet auf den Tisch wanderten.

roRo

Zurück