Forum Nachhaltiger Kakao
Ernährung
Forum Nachhaltiger Kakao trifft sich in Berlin
Zwischen 2011 und 2015 hat der Anteil nachhaltig produzierten Kakaos in Deutschland um drei Prozentpunkte auf 39 Prozent zugelegt. Zahlen sind aber nicht so wichtig, sagte Wolf Kropp-Büttner, Vorstandsvorsitzender des Forums Nachhaltiger Kakao am Dienstag vor der Mitgliederversammlung in Berlin. Die Initiative aus Bundesregierung, Verband der Süßwarenindustrie, dem Lebensmitteleinzelhandel sowie der Zivilgesellschaft hat sich vor drei Jahren zum Ziel gesetzt, die Lebensverhältnisse der Kakaoproduzenten vor Ort zu verbessern und eine faire Wertschöpfungskette vom Erzeuger bis zum Verbraucher zu etablieren.
Kakaobauern sind arm
Gelegentlich erschrecken Schokoladenliebhaber über Meldungen, dass die Kakaobäume aussterben. Dürren und Krankheiten senken die Erträge. Hilfsorganisationen aber fürchten, dass eher die Kakaobauern knapp werden. Denn bei 0,50 Cent Tageslohn in der Elfenbeinküste ziehen die Kinder der Kakaobauern lieber in die Stadt. Im Kakaobarometer 2015 ist das Einkommen als größtes Hindernis für die Entwicklung der ländlichen Räume und eine Kakaoproduktion, die aus Hunger und Armut führen soll, aufgeführt. Der Vielzahl an Kleinbauern stehen wenige international ausgerichtete Großkonzerne gegenüber. Die Kakaobauern sind kaum organisiert und produzieren in Regionen ohne Infrastruktur oder Schulen.
Forum Nachhaltiger Kakao
Die Kakaobranche weiß, um was es geht. Aber erst 2012
hat sie sich nach langen Vorverhandlungen in Abidjan, dem Regierungssitz der
Elfenbeinküste, an einen Tisch gesetzt und mit der World Cocoa Conference (WCC)
Veränderungen mit Hilfe eines Aktionsplanes eingeleitet.
Im gleichen Jahr wurde in Deutschland das Forum Nachhaltiger Kakao gegründet.
Die Mitglieder wurden zur Versammlung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt
begrüßt, der sich besonders auf die sozio-ökonomische Situation in der
Elfenbeinküste bezog, „wo die Initiative die Verpflichtungen auf den Boden
bringt“. Das Forum wurde als Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit 2016
ausgezeichnet, was andere Bereiche, wie beispielsweise der für Palmöl, durchaus
kopieren solle. So war zu Beginn der Woche der indonesische Staatspräsident
Joko Widodo in Berlin, den Kanzlerin Angela Merkel auf die Rodung der
Regenwälder ansprach. „Ich habe den Präsidenten ermuntert, den sehr schwierigen
Weg der nachhaltigen Landwirtshaft und des nachhaltigen Palmölanbaus zu gehen
und die Natur zu schützen.“ Immerhin hat Indonesien ein sehr starkes Interesse
an einem Freihandelsabkommen mit der EU, in der Palmöl weit oben auf der
Naturagenda steht [1].
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit
Wolf
Kropp-Büttner, Vorstandsvorsitzender des
Forums Nachhaltiger Kakao (v.l.);
Foto: roRo
Die Mengenanteile für den deutschen nachhaltigen Kakaomarkt seien ein Zeichen, dass dieser längst keine Nische mehr ist. „Der Weg ist wichtiger als das Ziel“, ergänzte Kropp-Büttner und will sich nicht an konkrete Zahlen über Marktanteile festhalten.
Sichtbar sind die Erzeugnisse für den Verbraucher nicht unbedingt. Das Forum hat kein einzelnes Label. Aber die Händler. So findet der Kakao den Weg zum Fair Trade-Handel wird durch die Rainforest Alliance oder UTZ gesiegelt. Einige Unternehmen kommunizieren die Herkunft mit einem eigenen Label.
Frauen auf der Kakaoplantrage
Bäuerinnen leisten rund die Hälfte der Arbeit im Kakaoanbau, erhalten aber nur einen geringen Ertrag und besitzen lediglich zu zwei Prozent eigenes Land. Sie arbeiten rund 20 Stunden in der Woche mehr als Männer. Ihr Einkommen geben sie zu 90 Prozent für die Familie aus. Hauptsächlich für Ernährung und Bildung der Kinder. Bei Männern sind es nur 30 Prozent.
Ausbildung
Die westafrikanische Certification Capacity Enhancemnt hat sich 2010 zum Ziel gesetzt, die Ausbildung der Kakaobauern zu verbessern. Unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung trat sie 2013 dem Forum für Nachhaltigen Kakao bei. Die CCE hat ein Trainingscurriculum entwickelt, dessen Effekte in der Saison 2014/2015 begutachtet wurden. Die Bauern konnten ihre Erträge um bis zu 30 Prozent steigern. Der Mehrertrag von 120 bis 200 kg/ha hat die Einkommen in der Größenordnung von 648 bis 1.080 US-Dollar pro Familie und Jahr verbessert
Professionalisierung
Die Strategie „Pro-Planteurs“ des Forums will die Kakaobauern in den östlichen und südöstlichen Regionen der Elfenbeinküste professionalisieren. Junge Kakaobauern werden in den Bereichen Vermarktung, Nacherntebehandlung und Inputversorgung geschult. Der zweite wichtige Ansatzpunkt ist die Diversifizierung des kleinen Betriebes, um die Abhängigkeit vom Kakaoanbau zu reduzieren. Die Ausbildungskosten für rund 20.000 Jungbauern in Höhe von fünf Millionen Euro werden jeweils zu einem Drittel durch das Forum, durch die Bundesregierung (BMEL und BMZ) sowie der ivorischen Regierung getragen. Gleich zum Projektstart wurden vier Workshops in drei Projektregionen durchgeführt. Mehr als 300 Kakaobauern nahmen daran teil. 20 Prozent waren Frauen.
Lesestoff:
Kakao hat noch viele Produktionsreserven
Kakao-Bauern eine Chance geben
Der Kakaobarometer 2015: www.kakaoforum.de
[1] Indonesien unter Dampf. Das Land im wirtschaftlichen Aufschwung: http://tinyurl.com/zaum634
Roland Krieg, Fotos: roRo