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Fruchtgummi: Fit oder dick?

Ernährung

"Ohne Fett" macht nicht schlank

> Die Werbewelt kommt ohne übergewichtige Kinder und Erwachsene aus. Superschlanke Modells und quicklebendige Kinder knabbern "kleine Frühstückchen", eine "extra Portion Milch" oder "gesunde Naschereien" und bleiben fit "ohne Fett".

Mitunter werden allerdings die kleinen Portionen in großen Mengen vernascht und werden häufig mit einem erhöhten Risiko für ernährungsbedingte Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und Karies in Verbindung gebracht.

Bunte Naschwelt
Fruchtgummis gibt es in allen Farben und Formen, von schlängelnden Schlangen, den Gummibärchen, Sternen und Sonnen bis hin zu Playmates in Fruchtgummishops. Im Gegensatz zu anderen Süßigkeiten zeichnen sich Fruchtgummiwaren dadurch aus, dass sie praktisch kein Fett, aber hauptsächlich Zucker enthalten. "Manche Hersteller werben daher mit Slogans, die suggerieren, dass Fruchtgummi zum Abnehmen geeignet sei oder dieses erleichtern würde." So das Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bfr.de) in einer aktuellen Stellungnahme zu Fruchtgummis.
Im Vergleich mit anderen Süßwaren weisen Fruchtgummis aber ähnliche Energiegehalte auf, wie das BfR ermittelte. 100 g Milchschokolade enthalten 536 kcal, 100 g Hartkamellen 391 kcal, 100 g Kekse 498 kcal, 100 g Dragees mit Schokoladenüberzug 372 kcal und 100 g Fruchtgummis zwischen 300 und 400 kcal. Der einzige Unterschied zwischen den Süßwaren besteht in der Verteilung der Makronährstoffe. Während Süßwaren normalerweise neben einem hohen Zuckergehalt auch einen erheblichen Fettgehalt aufweisen, besteht Fruchtgummi praktisch nur aus Kohlenhydraten und enthält kein Fett.

Machen Kohlenhydrate dick?
Für das Risiko einer unerwünschten Gewichtszunahme spielen die einzelnen Nährstoffe nicht die ausschlaggebende Rolle, "sondern die Energiebilanz insgesamt. Wer sich kaum bewegt, verbraucht wenig Energie und gerät bei gleichzeitig hoher Energiezufuhr schnell in eine positive Energiebilanz." So ein Dauerzustand führt zu Übergewicht.
Bei einer komplett fettfreien Ernährung führt in der Tat erst eine sehr hohe Zufuhr an Kohlenhydraten zu einer Gewichtszunahme. Bevor der Körper Kohlenhydrate in Fett umwandelt, müssen die Glykogenvorräte zu mindestens 500 g aufgefüllt sein, berechnet das BfR. Fett kann ohne große Umwandlungsprozess in Körperfett eingelagert werden, während Kohlenhydrate 20 bis 25 Prozent ihrer Energie für die Einlagerung selbst aufwenden müssen.
Aber eine praktisch fettfreie Ernährung gibt es in der täglichen Praxis nicht.

Gesunde Zusatzstoffe?
Kritisch sieht das Institut ebenso die zugesetzten Vitamin- und Mineralstoffmengen, die Fruchtgummi gesünder machen sollen: "Übermüßiger Verzehr von angereichertem Fruchtgummi kann unter Umständen zu unerwünschten gesundheitlichen Effekten führe." Das Ergebnis des BfR: "Das Risiko, durch unbegrenztes Naschen von Fruchtgummi an Gewicht zuzunehmen, ist daher ebenso groß wie bei anderen Süßwaren auch."

Gerne wird in jüngster Zeit damit geworben, dass "kein Industriezucker" verwendet wird. Jedem Bauer stehen bei diesem Begriff die Haare zu Berge, weil es keinen "Industriezucker" gibt. Der Zucker stammt meist aus heimischen Zuckerrüben, wo er durch Wasser herausgelöst, gereinigt und konzentriert wird. Das Ergebnis ist der normale Kristallzucker, wie er auch im Haushalt verwendet wird.

Mittlerweile wird auch gerne Fruktose als Süßungsmittel eingesetzt, weil das Image "Frucht" gesunde Frische wider spiegelt. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat kürzlich in einer Studie Vermutungen bestätigt, dass ein hoher Fruktoseanteil das Körpergewicht erhöht. Mäuse, die das mit Fruktose gesüßte Getränk tranken, nahmen im Untersuchungszeitraum von 2,5 Monaten doppelt so viel zu wie die Labortiere, die Getränke mit Zucker oder Süßstoff tranken. Dabei aßen diese Mäuse weniger und nahmen nicht mehr Kalorien auf, als ihre Artgenossen. Fruktose wird unabhängig von Insulin verwertet und in der Leber direkt in Fett umgewandelt. In den USA werden, so meldete der aid Infodienst, Erfrischungsgetränke zunehmend mit fruktosereichem Maissirup gesüßt. Allein in den USA stieg der Verzehr dieses Maissirups in einem Zeitraum von 20 Jahren um das Zehnfache.

VLE

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