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Frühstück in der Schule

Ernährung

Brandenburg startet die Aktion „Gesunde Woche“

Früher wurde in der Gegend noch gejagt – heute werden in der Waldstadt-Grundschule „wilde Schüler geplagt“. Selbstbewusst und mit Ironie trugen gestern nach der ersten Pause die Schülerinnen und Schüler der Ganztagsschule in Potsdam-Waldstadt ihren selbstgetexteten Schulsong bei der Auftaktveranstaltung „Gesunde Woche“ in Brandenburg vor.

Gut gefrühstückt in den Schulalltag
Ein gesundes, mit Appetit und in Ruhe verspeistes Frühstück ist der beste Start in den Tag. Dabei geht es der Verbraucherzentrale Brandenburg nicht um irgendein Frühstück, sondern um eine abwechslungsreiche und ausgewogene Frühspeise. Kinder und Jugendliche gehen morgens oftmals ohne Essen aus dem Haus, bekommen Geld für den schnellen Snack unterwegs, können sich mit einem leeren Magen nicht konzentrieren oder werden übergewichtig, weil der Happen zwischendurch zu viel Fett und zu viele Kohlenhydrate aufweist. Ernährungsgewohnheiten werden bereits in der Kindheit geprägt, weswegen die Bio-Brotbox als Berliner Initiative mittlerweile ein Renner in vielen Städten geworden ist. Sie gibt den Erstklässlern Kinder am Buffeteinen wohlschmeckenden Hinweis auf sinnvolle Alternativen zu Fruchtzwergen und Schokoriegeln. Damit die Brotboxen aber ständig gefüllt bleiben, haben die Brandenburger Verbraucherschützer für die kommenden zwei Wochen das Projekt „Gesunde Woche“ in zunächst 19 Grundschulen ausgearbeitet. Bis zum 15. September gibt es in einer Schule je Kreis und kreisfreier Stadt insgesamt 53 Veranstaltungen, bei denen Eltern, Lehrer und Kinder einbezogen sind. Bei Elternversammlungen werden die Erwachsenen über eine „Bärenstarke Kinderkost“ informiert und Werbung kritisch unter die Lupe genommen. Bei Frühstücksaktionen in den ersten Klassen sollen dann die Kinder lernen, warum das Frühstück so wichtig ist und können sich an einem Buffet die mitgebrachten Brotboxen wieder neu befüllen. Mit regionalen Produkten der Sponsoren. Dazu hat die Verbraucherzentrale den Flyer „Gut gefrühstückt den Schulalltag meistern“ herausgebracht, dem Nachwuchs „Frühstückswissen“ zu vermitteln.

19 Schulen sind der Anfang
Die Aktion „Gesunde Woche“ wird das erste Mal durchgeführt und die ausgewählten 19 Schulen sollen erst den Anfang bilden, das Projekt dauerhaft an allen Grundschulen zu etablieren, sagt Projektleiterin für Lebensmittel und Ernährung Heidrun Franke zu Herd-und-Hof.de.
Aufklärungskampagnen erreichen oftmals aber eher diejenigen, die sowieso schon „Bescheid wissen“. Geht Fehlernährung nicht öfter mit geringerem Bildungsstand und bei Familien mit Migrationshintergrund einher? Heidrun Franke sieht jedoch mit diesem Projekt, dem eine Auswertung folgen wird, eine gute Möglichkeit, alle zu erreichen. Über die Kinder werden auch die Eltern sensibilisiert. Gerade während der Einschulung zeigten Eltern ein großes Interesse, den Kindern auch einen guten Start mitzugeben. Die Expertin sieht gute Chancen, das Projekt nachhaltig in ganz Brandenburg zu etablieren.

Kartoffeln und Bohnen selbst anbauen
Ernährungswissen ist das Stichwort, dass den Kindern und Jugendlichen verloren gegangen ist. So die einhellige Meinung von Ernährungswissenschaftlern. Damit aber die Ernährungslehre nicht nur aus Theorie und Brotboxen besteht, eignet sich ein Schulgarten als praktischer Anschauungsunterricht, „welches Vorleben“ Lebensmittel denn überhaupt haben. Edeltraud Steinrück, Leiterin der Waldstadt-Grundschule kann dabei auf den eigenen Schulgarten verweisen, den die auch Kinder „als Nische für sich selbst“ vereinnahmt haben. In dem Garten werden Kartoffeln, Bohnen, Erdbeeren und verschiedene Getreidesorten in einer Getreidespirale angebaut, verrät sie Herd-und-Hof.de. Die dritte und vierte Klasse erfahren in einer „Teilungsstunde“ vielerlei über den Garten- und Nutzpflanzenanbau. So graben sie beispielsweise den Boden um, pflegen den Gartenteich und die sechsten Klassen nehmen sich zweimal im Jahr ein Schwerpunktthema vor. Das letzte Thema wurde in einer kleinen Broschüre zusammen gefasst und behandelte den „Reis. Ernährer der Menschheit“. Wert legten sie dabei auf fair gehandelten Reis.
Das die Schüler sich so intensiv mit dem Thema Landwirtschaft und Ernährung auseinandersetzen ist kein Zufall, denn die Ganztagsschule wird seit sechs Jahren ununterbrochen als Umweltschule in Europa von der Deutschen Umweltgesellschaft ausgezeichnet. Dafür gibt es kein Geld, sagt Edeltraud Steinrück – aber, so merkt man, es fördert das Selbstbewusstsein der Schüler.

Das Klappern der Boxen
Brandenburgs Agrarminister Dr. Dietmar Woidke kam zum Auftakt nicht nur zur Überreichung eines Schecks aus Lottomitteln in Höhe von 6.500 Euro an die Verbraucherzentrale vorbei. Was ihn gefreut haben dürfte, war sicher das Fachwissen der Erstklässler. Auf seine Fragen hin, wussten sie nicht nur, das die Milch aus der Kuh und das Getreide vom Acker kommt, sondern auch, dass beide Produkte von den Bauern gewonnen werden. Die Kinder haben mittlerweile den Brotboxen eine weitere Eigenschaft abgerungen: sind sie leer, können die Kinder das Buffet unter Klackern mit den Verschlüssen stürmen.

Details und Flyer
Weitere Informationen über die verbleibenden Veranstaltungen gibt es unter 0331 – 298 71 51 und /53 sowie im Internet unter www.vzb.de Dort können Sie auch den Flyer „Gut gefrühstückt den Schulalltag meistern“ kostenlos herunterladen.

Roland Krieg
Foto: Heidrun Franke

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