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"Gemeinschaftsaufgabe" gesunde Ernährung

Ernährung

Kalorien stimulieren das Gehirn

Menschen, die sich einer Diät unterziehen oder ihr Essverhalten umstellen wollen, finden Unterstützung durch das Verhalten ihres Partners. Wichtiger denn je, denn das Gehirn will mehr, wird es durch kalorienfreie Süßmittel stimuliert.

Partnerhilfe
Das Forscherteam um Judy Paisley von der kanadischen Ryerson Universität in Toronto hat sich die Bedeutung von Partnern und Freunden von Menschen angesehen, die abnehmen und ihre Ernährung umstellen wollen. 21 Interviews wurden bei Personen durchgeführt, die meist aus medizinischen Gründen eine Diät machten. Ziel war es herauszufinden, inwieweit eine Ernährungsumstellung auch soziale Faktoren aufweist.
Diejenigen, deren Partner die Ernährungsumstellung deutlich unterstützt, beschreiben deren Hilfe als sehr unterstützend und sahen diese sogar als Erweiterung der partnerschaftlichen Beziehung an, so Paisley. Umgekehrt konnte der Partner auch als Hindernis empfunden werden, wenn er beispielsweise offen „verbotene“ Nahrungsmittel verzehrte. Sie selbst empfanden jedoch ihr Verhalten als nicht negativ. Die Wissenschaftler wollen mit ihrem Ergebnis erreichen, dass die Umstellung der Ernährung mehr als „gemeinsame Aktion“ als die eines Einzelnen verstanden und angeboten wird.

Kalorien bevorzugt
Der süße Geschmack von Schokolade stimuliert bekanntermaßen durch die Produktion von Dopamin den Appetit nach mehr. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass alleine bereits Kalorien den gleichen Effekt hervorrufen können.
Letztlich entsteht Übergewicht in der Regel durch einen Überschuss an Kalorien, der nicht wieder verbrannt wird. Der Körper hat eigene Mechanismen, die uns bei Kaloriendefizit hungrig und bei -überschuss satt machen. Dennoch essen wir bei bestimmten Nahrungsmitteln immer weiter.
Ein Teil des Stammhirns und ein Teil des Frontlappens produzieren das „Glückshormon“ Dopamin und reagieren daher direkt auf die Nahrungszufuhr. Das hat während der Evolution dazu geführt, dass der Mensch in Zeiten der Nahrungsknappheit hochkalorische Nahrung weiter zu sich genommen hat.
Es wird schon länger vermutet, dass noch nach der Nahrungsaufnahme Signale aus dem Verdauungstrakt an das Gehirn gesendet werden, die das Essverhalten beeinflussen. In Tierversuchen haben Wissenschaftler um den Portugiesen Albino Oliveira-Maia an der amerikanischen Duke-Universität in North-Carolina herausgefunden, dass Ratten, die den Geschmack „süß“ oral nicht mehr wahrnehmen können, sich trotzdem für gesüßtes Trinkwasser entscheiden, wie die normalen Vergleichstiere. Auch die gemessenen Blutzuckerspiegel waren vergleichbar.
Die Tiere bevorzugten also die energiereichere Nahrung, obwohl sie diese nicht durch den süßen Geschmack bewusst aussuchen konnten. Die Signalwirkung an das Gehirn trat etwa 10 Minuten nach der Nahrungsaufnahme auf und unterstreicht, dass nicht nur Geschmack und orale Wahrnehmung der Süße für das Übergewicht verantwortlich sind. Dopamin wurde im Gehirn auch durch Zuckeraustauschstoffe stimuliert ausgestoßen. Die Signale alleine aus Kaloriendichte der Nahrung, mehr davon essen zu wollen, konditioniert offenbar unser Essverhalten stärker als gedacht, resümiert Oliveira-Maia. In der Natur ist „Süßes“ ein Indikator für kalorienreiche Nahrung. Die Ergebnisse zeigen, dass daher auch kalorienarme Nahrung, die mit kalorienfreien Süßstoffen versetzt sind, einen Beitrag zum Übergewicht leisten könnte – sie signalisieren dem Gehirn „Iss mehr von mir!“.
Es sei denn, der Partner schreitet ein.

Lesestoff:
Response to diet changes reflect relationship dynamics; Journal of Nutrition Education and Behavior (www.jneb.org)
Oliveira-Maia et al. “Food Reward in the Absence of Taste Receptor Signaling”. (www.neuron.org)

roRo

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