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Global Nutrition Report

Ernährung

Warum verbessert sich die Welternährung?

Ende Mai hat die FAO erstmals seit ihrer Berichterstattung die Zahl der Hungernden Menschen mit weniger als 800 Millionen Menschen weltweit angegeben. Gegenüber dem Berichtszeitraum von 1990 bis 1992 sank die Zahl auf 795 Millionen Menschen. Nach FAO-Generaldirektor Jose Graziano da Silva sind die ersten Schritte gemacht, noch innerhalb einer Lebensspanne den Hunger auf der Welt zu beenden.

Neben Hunger belasten Mangelernährung weitere zwei Milliarden Menschen und in den Industrie- und Schwellenländern eine wachsende Zahl an Übergewicht die Gesundheit. In den 169 Maßnahmen der 17 Sustainable Development Goals (SDG) kommt das Wort „Ernährung“ lediglich einmal vor, führte Lawrence Haddad vom International Food Policy Research Institute und einer der Internationalen Expertengruppe des Global Nutrition Report (GNR), aus. Anfang Juni wurde der Bericht im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vorgestellt.

Doch Mangel- und Fehlernährung hat eine globale Natur, die gezielt bekämpft werden kann. Der Global Nutrition Report stellt daher anhand von mehr als 80 Indikatoren eine Art technisches Handbuch für erfolgreiche Wege aus der Ernährungskrise zusammen. Fast jedes Land der Welt habe ein Ernährungsproblem. Kein einzelnes Land könne eine gesunde Ernährung als gesichert garantieren. Aber fast jedes Land hat auch erfolgreiche Konzepte, die Verantwortung für eine gesunde Ernährung zu übernehmen.

So hat der indische Bundesstaat Maharashtra den Prozentsatz der Ernährungsbedingten Fehlentwicklung in nur sieben Jahren von 37 auf 24 Prozent senken können. Der Erfolg basiert auf einen multifaktoriellen Ansatz von Ausbildung der Ernährungsberater, Nahrungsmittelhilfe und Armutsbekämpfung. Der GNR stellt qualifizierbare Parameter für eine direkte Intervention anhand von „nutrition champions“ zur Verfügung und will damit das Thema Fehlernährung von der lokalen auf eine globale Basis stellen. Von einander lernen, heißt das Prinzip. So versorgt Georgien 99 Prozent seiner Bevölkerung mit jodiertem Speisesalz, Pakistan hat zum gleichen Prozentsatz die Vitamin A-Versorgung in den ersten 60 Lebensmonaten sicher gestellt und Nicaraguas Folat-Programm sichert bei 79 Prozent der Schwangeren die Eisenversorgung ab dem 90. Tag.

Damit die erfolge weiter verbreitet werden, müsse die öffentliche Hand zusammen mit der Privatwirtschaft zusammen arbeiten, führte Thomas Silberhorn, Staatssekretär im BMZ aus. Das Momentum für diese Partnerschaft vor den Gipfeln zum Klima und den SDG sei günstiger als niemals zuvor. Prof. Dr. Joachim von Braun, Direktor vom Center for Development Research (ZEF) in Bonn fordert neue Allianzen wie die „Global Alliance for Improved Nutrition (gain) nährstoffangereicherter Nahrung und Programmen für die Versorgung mit Mikronährstoffen das Thema bewältigt.

Der GNR kennt keinen Königsweg für alle Länder und Ziele. Aber er weist die Verantwortlichkeit auf die lokale Agenda, die sektorübergreifend mehrere Politikfelder berührt. Seniorexpertin Dr. Emorn Udomkesmalee aus Thailand beschreibt die erfolge in Thailand, die weder dem Gesundheits- noch dem Landwirtschaftsministerium allein zuzuschreiben sind. Daher müsse das Thema „Ernährung“ auch nicht als eigenständiges Ziel bei den SDG formuliert werden, erläuterte Tom Arnold, der mit „Scaling up Nutrition“ (SUN) seit 2014 den breiten lokalen Ansatz in der Politikberatung befördert. Doch das Thema müsse unterschwellig bei allen Nachhaltigkeitszielen mitschwingen. „There is no security without Food Security“ unterstrich Dr. Stefan Schmitz, Kommissar für die BMZ-Initiative „One World – No Hunger“. Die Wirtschaftskrise 2008/09 hat das Thema Ernährungssicherheit auf die politische Agenda zurück gebracht und schon einen breiten Raum in der Entwicklungsdiskussion eingenommen.

Lawrence Haddad verwies in Berlin vor dem Hintergrund des GNR auf die neueste Entwicklung: Durch die Migration der Menschen in die Städte verlagere sich das Thema Hunger und Fehlernährung langsam vom ländlichen Raum in die urbanen Zentren. Dazu passt die Meldung, dass am Tag der Vorstellung des GNR in Berlin, die FAO zusammen mit dem Weltverband der Großhandelsmärkte (World Union of Wholesale Markets) in Budapest eine Vereinbarung zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle unterzeichnet hat. In den Großhandelsmärkten werden enorme Mengen an Lebensmitteln gehandelt und oft auch weggeworfen. Es fehlen Daten über Verluste im Vermarktungsprozess, bei Lagerung und Transport. Diese sind aber Voraussetzung für die Ermittlung der Abfallmenge und für die Entwicklung von vernünftigen Verfahren zu deren Vermeidung. Ein globales Problem, das sehr dezentral gelöst werden kann. Im Sinne der Intervention des GNR.

Lesestoff:

http://globalnutritionreport.org/the-report

Roland Krieg

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