Hat Bio mehr Nährstoffe?

Ernährung

Bio: London School wertet Studien aus 50 Jahren aus

Verbraucher sind bereit mehr Geld für Bioware auszugeben, weil sie diese als gesünder wahrnehmen. Frühe Studien haben Vorschub geleistet, dass Bioware mehr Nährstoffe aufweisen soll, als konventionelle Produkte. Als belastbar haben sich diese Ergebnisse nicht herausgestellt. Um diesem Kern einmal nachzugehen hat die London School of Hygiene & Tropical Medicine die größte systematische Literaturanalyse durchgeführt und das Ergebnis jetzt im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.
Bei der Studie ging es lediglich um den Vergleich von Nährstoffen, bezieht sich nicht auf eventuelle Kontaminanten, die durch eine unterschiedliche Bewirtschaftungsweise in die Nahrung gelangt sind.

Mehr als 50.000 Quellen durchforstet
Dr. Alan Dangour, einer der Autoren der Studie, beschreibt, dass mehr als 50.000 Quellen aus den letzten 50 Jahren bis Februar 2008 durchsucht wurden und letztlich 162 relevante Artikel für den Vergleich zwischen Bioware und konventionellen Produkten herangezogen werden konnten. 55 Artikel genügten sogar den anspruchsvollen wissenschaftlichen Maßstäben. Studien der biodynamischen Produktionsweise sowie der integrierten Produktion wurden nicht betrachtet.

Alle natürlichen Produkte variieren in der Zusammensetzung ihrer Nährstoffe und weiterer physiologisch relevanter Substanzen. Unterschiedlicher Anbau der gleichen Frucht kann genauso in einer verschiedenen Nährstoffzusammensetzung resultieren, wie eine unterschiedliche Düngung oder verschiedener Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Des Weiteren wirken Wachstumsbedingungen und die Saisonalität auf die Nährstoffzusammensetzung. Die Komposition tierischer Produkte kann durch die Fütterung genauso beeinflusst werden, wie durch das Alter und den Züchtungsstatus des Tieres. Letztlich beeinflussen auch noch Lagerung, Transport und Verarbeitung den Nährstoffgehalt, bevor das Essen auf dem Teller des Verbrauchers landet.
Q: Aus der Studie

13 Nährstoffkategorien
Insgesamt wurden aus den Quellen 13 Nährstoffkategorien herausgefiltert und miteinander verglichen. Der Vergleich beschäftigte sich mit Vitamin C, Stickstoff, phenolische Komponenten, Magnesium, Phosphor, Kalium, Zink, lösliche Stoffe, Kupfer sowie titrierbare Säure. Für tierische Produkte wurden die Gehalte an Fett und Mineralien verglichen.
Das Ergebnis ist eindeutig: In zehn der 13 Kategorien gibt es keine statistisch belegbaren Unterschiede zwischen der konventionellen und ökologischen Ware. Nur in drei Fällen hat die Auswertung deutliche Unterschiede ergeben: Die Gehalte an Phosphor und titrierbarer Säure sind bei den Ökoprodukten höher, beim Stickstoff schlagen die konventionellen Produkte die Ökoware.
Die gefundenen Unterschiede resultieren mehr aus dem verschiedenen Düngemittelgebrauch von Stickstoff und Phosphor, sowie dem Reifegrad, der die Fruchtsäuren entscheidend bestimmt, so die Studie.

Nüchternes Fazit
Das Fazit von Dr. Alan Dangour: „Eine kleine Zahl an Unterschieden wurden zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Produkten gefunden, die jedoch keine Relevanz auf irgendeine Gesundheitsvorsorge aufweisen. Unsere Studie belegt, dass es kein Indiz für die Bevorzugung von Ökoprodukten gibt, die auf das Kriterium der Nährstoffdichte ausgerichtet ist.“ Gewinnbringender wäre eine Forschung, die erklärt, welchen Einfluss die einzelnen Wirkfaktoren auf die Nährstoffdichte haben.

Lesestoff:
Alan D Dangour, Sakhi K Dodhia et al.: Nutritional Quality of organic foods: a systematic review. American Journal of Clinical Nutrition (July 29, 2009); doi:10.3945/ajcn.2009.28041

roRo

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