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Hat Essen einen Suchtfaktor?

Ernährung

Neurobiologischer Ansatz für Essen als Suchtmittel

Sucht ist der Zustand einer Abhängigkeit von einer Substanz, die trotz negativer Auswirkungen immer wieder eingenommen wird. Sowohl Sucht als auch die Suchtauslöser wurden in den vergangenen Jahrzehnten öfters schon mal umdefiniert. Anerkannte Substanzen oder Verhaltensweisen, die nach heutigem Verständnis süchtig machen, sind Alkohol, Nikotin, das Internet und Wetten.

„Und dann gibt es noch die Nahrung!“. Darauf verweist die aktuelle Ausgabe von Biological Psychiatry. Essen ist zwar eine tägliche Notwendigkeit, aber die Forschung hat bereits seit mehreren Jahren Hinweise gefunden, dass die Nahrungsaufnahme und Abhängigkeiten gemeinsame Schnittpunkte aufweisen. Zumindest wurde in den USA die Essstörung Binge Eating als Diagnose für eine mentale Störung akzeptiert.

Doch einheitliche wissenschaftliche Beschreibungen fehlen noch. Dadurch wird eine systematische Forschung in Richtung Sucht behindert, erklären die Gastautoren Dr. Dana Small und Ralph DiLeone von der Yale School of Medicine. Das gleiche gilt auch für Adipositas.

Obwohl die Auswirkungen von Essen als Suchtmittel weniger drastisch als andere Substanzen sind, sind grundlegende Verhalten wie Kontrollverlust bei der Ess-Brechsucht identisch. Andere Autoren halten solche Vergleiche für überzogen. Doch die Gehirnforschung findet neuronale Übereinstimmungen. Der Neurotransmitter Dopamin spiele beim Genuss- und Belohnungsessen seine gleiche Rolle wie bei anderen Suchtmitteln. Belohnungsessen und eine fettreiche Diät zeigen sogar eine neuronale Anpassung im Gehirn.

Das Fazit der vorgestellten wissenschaftlichen Arbeiten könnte, so Small und DiLeone, über weitere Forschung zu Empfehlungen an die Politik führen, wie Übergewicht, Ernährungsverhalten und Ernährungsmuster in Richtung für eine gesunde Ernährung formuliert werden könnten.

Lesestoff:

„Food Addiction?!”, Biological Psychiatry, Volume 73, Number 9

roRo

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