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Ernährung

Wie isst Deutschland?

Ernährungsreport 2018

Bundesernährungsminister Christian Schmidt hat am Mittwoch zusammen mit dem Forsa-Experten Peter Matuschek zum dritten Mal den Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums vorgestellt. Er sei ein „Spiegel der Gesellschaft“, so Schmidt, und zeigt auf der Grundlage einer repräsentativen Verbraucherbefragung Verbraucherwünsche und Trends auf. Mit der dritten Ausgabe lasse sich zeigen, welche Trends sich verstetigen und wieder auflösen.

„Deutschland ist ein Volk der Köche!“, wagte Schmidt zu sagen. 38 Prozent der Verbraucher kochen zwei bis drei Mal die Woche, 43 Prozent sogar täglich. Allerdings zeigt die Broschüre nur „Grundwahrheiten“. Was die Verbraucher unter „Kochen“ verstehen, haben die Meinungsforscher nicht abgefragt. Ist es das mehrteilige Menü oder alleine das Aufwärmen einer Convenience-Mahlzeit? Viele Zahlen des Berichts sind nach Matuschek mit Vorsicht zu genießen und bräuchten eine Differenzierung. Gerade in den Städten nutzen Konsumenten zeitbedingt eher das Fertiggericht, für das insgesamt weniger Aufwand wie das Putzen von Gemüse benötigt wird. Dem neuen Zeitmanagement des urbanen und mobilen Menschen stehen Ready-to-Eat-Gemüse und Menüs mit vorgekochten Produkten einfach näher.

Peter Matuschek und Christian Schmidt (v.l.)

Ähnlich verhält es sich auch mit den Zahlen, was bei den Bundesbürgern auf den Tisch kommt. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass sie gerne Obst und Gemüse essen. Nur bei 30 Prozent kommen täglich Wurst und Fleisch auf dem Tisch. Doch der Fleischkonsum hat in den letzten Jahren kaum nachgelassen. Der Trend zum Vegetarier und Veganer stagniert. Und: Die Deutschen verzehren im Durchschnitt nicht die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Menge von 600 Gramm Obst und Gemüse am Tag.

Schwierig bleibt auch das Thema Zahlungsbereitschaft. Wiederholt kommt der Ernährungsbericht auf Angaben, die an der Ladenkasse nicht erzielt werden. Bei einem Grundpreis von zehn Euro Schweinefleisch kommt die Studie auf eine Zahlungsbereitschaft von bis zu fünf Euro mehr bei 52 Prozent der Befragten. 23 Prozent würden sogar bis zu zehn Euro mehr bezahlen. Rewe Dortmund hat im vergangenen Jahr die Erfahrung gemacht, dass an der Kasse ganz anders abgestimmt wird [1].

Dennoch gibt Christian Schmidt nicht auf. Nach wie vor orientieren die Menschen sich an Siegeln. Das Ergebnis hat sich in drei Ausgaben des Ernährungsreports verstetigt. Daraus leitet der Minister den Bedarf seines staatlichen Tierwohllabels ab, das nur wegen der mangelnden Gesetzgebung nicht noch vor Ende der Legislaturperiode fertig wurde, wie er in Berlin sagte. Schmidt verwies auf die Jamaika-Sondierung, bei der alle Parteien das Staatslabel unterstützten. Eine Prognose für die kommenden Gespräche mit den Sozialdemokraten gab er nicht ab. Sein Label soll in die Breite gehen und nicht für den Premiumbereich sein. Dort hat sich trotz hohen Preisniveaus die Umsetzung der Zahlungsbereitschaft im Ökosektor gehalten. Mit einem entsprechenden Informationsrahmen funktioniere das auch im Breitensortiment, glaubt Schmidt. Fundament für die Informationen soll das seit einem Jahr bestehende  Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) sein, das alltagstaugliche und wissenschaftliche Informationen zusammenstellt. In diesem Jahr soll es noch digitaler werden.

Christian Schmidt

In der Tat ist das Informationsbedürfnis der Verbraucher groß, ergänzt Matuschek. Ganz oben auf der Liste steht nach wie vor das Tierwohl. „Siegel haben eine Orientierungsfunktion“, sagt der Meinungsforscher.

Nach wie vor wünscht sich Schmidt ein Ernährungsfach in der Schule. Wie neun von zehn befragten Verbrauchern. Allein, das bleibt in der Hoheit der Länderkulturminister. In diesem Jahr werden Ergebnisse einer neuen Studie über den Ausbildungstand der Ausbilder veröffentlicht. Bei den Lehrern zeichnet sich ab, dass „Ernährung“ ein wesentlicher Teil des Ausbildungskonsenses geworden ist, verriet Schmidt vorab

Als Erfolg verzeichnet der Minister die Einrichtung einer Arbeitsgruppe in Brüssel, die Nahrungssektoren prüft, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum wegfallen kann. Zu oft werfen Verbraucher Nahrungsmittel bei Ablauf des MHD weg, obwohl sie weiterhin genussfähig sind. Eine Lösung solle kein reines Kalenderdatum sein. Schmidt denkt an „intelligente Verpackungen“, die beispielsweise farblich signalisieren, wenn ein Lebensmittel nicht mehr genussfähig sei. Das BMEL hat dafür im letzten Jahr 2,3 Millionen Euro Forschungsgelder verausgabt.

Ein Trend, der sich nicht bewegt, ist der Online-Einkauf von Lebensmitteln. Die Konsumenten bevorzugen nach Matuschek den traditionellen Weg über den stationären Handel. Offenbar eignen sich Lebensmittel eher für ein „Live-Erlebnis“. Nur sieben Prozent kaufen im digitalen Lebensmittelladen. Das sind genauso viele, die auch direkt beim Bauern und im Hofladen kaufen.

Lesestoff:

Den Ernährungsreport 2018 finden Sie auf www.bmel.de

[1] Der tiefe Fall von Meat for You: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/label-nach-gesllschaftswuenschen-klappt-nicht.html

Roland Krieg; Fotos: roRo

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