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Honig für die Kinderklinik

Ernährung

Uni-Klinik Bonn setzt Medihoney als Antibiotikum ein

Bienen, die kleinsten landwirtschaftlichen Nutztiere, setzen ihrem Honig das Enzym Glucose-Oxidase zu. Das sorgt dafür, dass aus dem Zucker im Honig ständig in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid entsteht – ein wirksames Antiseptikum. Normalerweise müssten hohe Mengen dieses Stoffes eingesetzt werden, weil er im Verlauf der Zeit seine Wirksamkeit verliert. Durch die ständige Nachlieferung im Honig wird vermieden, dass große Konzentrationen Wasserstoffperoxid-Konzentrationen eingesetzt werden müssen, die neben den Bakterien auch Hautzellen schädigen können.

Traditionelles Heilmittel
Schon die alten Ägypter haben Honig als Wundmittel eingesetzt. Die im letzten Jahrhundert aufkommenden Antibiotika haben allerdings den Honig als Hausmittel verdrängt. Mit einem Riesenproblem: „Heute sind wir in der Klinik mit Keimen konfrontiert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind. Damit wird medizinischer Honig für die Wundpflege wieder interessant“, sagt Dr. Arne Simon von der Universitäts-Kinderklinik Bonn.
Die Mediziner sammeln seit einigen Jahren bereits positive Erfahrungen mit dem Medihoney. Selbst chronische Wunden die mit multiresistenten Bakterien infiziert waren, heilten oft binnen Wochen.
Der Medihoney besteht aus zwei verschiedenen Honigsorten. Einer, der vergleichsweise viel Wasserstoffperoxid bildet und dem so genannten „Leptospermum-Honig“, der besonders stark antibakteriell wirkt. Leptospermum ist eine in Neuseeland und Australien vorkommende Baumgattung, deren Honig sogar noch in einer zehnprozentigen Verdünnung wirkt. „Woran das genau liegt, weiß man noch nicht. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen Mix aus phenolhaltiger Substanzen, die aus der Pflanze stammen und die den Wundbakterien zusätzlich das Leben schwer machen“, schätzt Dr. Simon.
Kai Sofka, Wundpflegespezialist der Klinik beschreibt die Erfahrungen: „Abgestorbenes Gewebe wird schneller abgestoßen, und die Wunde heilt schneller. Außerdem bereitet der Verbandswechsel weniger Schmerzen, weil sich die Umschläge leicht entfernen lassen, ohne die neu gebildeten Hautschichten zu verletzen.“
Die kleinen Patienten der Mediziner zählen zur Hochrisikogruppe. Die Kinder sind an Leukämie erkrankt und erhalten in der Regel Zytostatika, die allerdings nicht nur die Vermehrung bösartiger Zellen bremsen, sondern auch die Wundheilung. Der Medihoney liefert sich sogar ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Antibiotikum Mupirocin. Das ist zur Zeit das Mittel der Wahl gegen MRSA-Bakterien, die eine große Multiresistenz aufweisen. Aber auch Medihoney macht diesen Keimen den Garaus – und hat sogar einen Vorteil: Die Bakterien entwickeln im Verlauf der Behandlung keine Resistenz gegen das Naturprodukt.

roRo

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