Kann Palmöl überhaupt nachhaltig sein?

Ernährung

Agri will Klarheit bei Palmölproduktion

Europaparlament Brüssel

Der EU-Umweltausschuss arbeitet federführend an einer neuen Politik für die Palmölproduktion. Der Agri-Ausschuss hat am Dienstag in einer Entschließung Vorarbeit geleistet und sieht die Erzeugung von Palmöl in Indonesien und Malaysia äußerst kritisch.

Florent Marcellesi, spanischer Grüner und Verfasser der Stellungnahme, hält die Produktion von Palmöl für einen der größten sozialen Konflikte. Für Biosprit und Verwendung in Pizza, Pasta und Keksen ist Regenwald in Größenordnung Deutschlands bereits verloren gegangen. Darüber hinaus ist der Bestand an Orang Utans bedroht und die Konzerne pflanzen Palmölbäume auf geraubtem Land.

Mittlerweile enthalten 50 Prozent der verpackten Lebensmittel Palmöl, so dass die Verbraucher um das Thema nicht herumkämen. Mit Blick auf die Situation in den beiden Ländern halten die Abgeordneten die vorhandenen Zertifizierungen wie die Initiative Certified Sustainable Palm Oil (CSPO) für unwirksam. Marco Zullo aus Italien (EPD) will überhaupt nicht mehr an eine Möglichkeit der Zertifizierung glauben: Selbst eine nachträgliche Ökologisierung einer Plantage mache das Unrecht des Landgrabbings nicht mehr rückgängig. Der Grüne Martin Häusling ergänzt, dass neue Plantagen ebenfalls nicht mehr nachhaltig sein können, da sie auf gerodeten Moorflächen entstehen.

Albert Dess (CSU) und Peter Jahr (CDU) fordern die Berücksichtigung heimischer, d. h. europäischer Biomasse. Dess will die Entschließung ausschließlich auf Palmöl begrenzt halten, damit die heimische Rapsproduktion, die neben Öl auch Bienenweide und Futter zur Verfügung stellt, nicht unter gleichem Verdacht gerät. Die Brandenburger Abgeordnete Susanne Melior (SPD) empfiehlt Verbrauchern auf die Zutatenliste zu schauen, da mittlerweile die Herkunft des verwendeten Pflanzenfettes angegeben werden muss.

Die Kommission solle die Nachhaltigkeitsstandards überarbeiten und die Kennzeichnung stärken. Allerdings ist Palmöl gegenüber Kokosnuss- oder Sojaöl deutlich ertragsstärker. Was bedeutet ein europäischer Verzicht auf Palmöl angesichts des wachsenden Süd-Süd-Handels? Die EU sollte, so die Entschließung, über ihre internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Wälder und der Rechte der vom Wald lebenden Einheimischen  mit Nachdruck fortsetzen.

Roland Krieg

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