Klimaschutz am Kochtopf

Ernährung

Essen in der CO2-neutralen Bio-Mensa

Klaus Helbig leistet Pionierarbeit. Er betreibt die erste bio- und klimazertifizierte Schulkantine. „Ich möchte später nicht die Frage gestellt bekommen: Warum hast Du nichts getan?“ sagt Klaus Helbig. Vor vier Jahren übernahm er die Schulmensa im Oberstufenzentrum „Lotis“ in Berlin-Tempelhof. Für ihn stand fest, dass er sie biologisch führen würde und er schloss einen Kooperationsvertrag mit dem Anbauverband Bioland. Schließlich hat Klaus Helbig auch darauf bestanden, dass die Bioland-Bewirtschaftung im Pachtvertrag festgehalten wird. Aus regionalen biologischen Produkten kocht er seitdem für die Schüler und Lehrer 20 unterschiedliche Gerichte pro Woche.

Klaus Helbig und SchülerMehr als Bio-Zutaten
Doch die Bio-Zutaten allein waren Klaus Helbig nicht genug. Der engagierte Pfälzer hat sich dem Klimaschutz verschrieben und setzt sich aktiv dafür ein. Klaus Helbig wartet nicht darauf, dass andere handeln, er handelt selbst. Anfang 2008 lernte er Friedrich Lettenmeier, den Vorstand der Öko-Kontrollstelle „Abcert“ kennen. Damit hatten sich zwei Menschen gefunden, die von der gleichen Idee bewegt werden. Die Kontrollstelle hatte sich bereits mit einer Klimazertifizierung für Unternehmen beschäftigt und Helbigs Schulmensa wurde der Prototyp. „Klaus Helbig war für uns ein Glücksfall. Er war bereit, sich auf ein neues Verfahren einzulassen, das naturgemäß noch mit einigen Unsicherheiten behaftet war“, sagt Friedrich Lettenmeier heute.
Vier Tage lang waren zwei Kontrolleure konzentriert in Klaus Helbigs Mensa beschäftigt. Sie erfassten den gesamten Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß der Schulmensa für ein Jahr. Dabei berücksichtigten sie die CO2-Emissionen durch den Verbrauch von Strom, Gas und Heizöl. Auch die Verwendung von Verbrauchsmaterialien wie Verpackungen erfassten die Kontrolleure. Penibel nahmen sie das Inventar auf, von der Küchenmaschine bis zum Esstisch. Die CO2-Menge, die bei deren Herstellung anfiel, teilten sie durch die Nutzungsdauer. Schließlich rechneten die beiden auch die Anfahrtswege der Mitarbeiter sowie die Transporte der Waren in die Klimabilanz mit ein. Das Ergebnis: Im Jahr 2007 emittierte die Schulmensa 30 Tonnen Kohlendioxid. Nun hat sich Klaus Helbig auf ein verbindliches Konzept festgelegt, mit dem er CO2 reduziert. Im Jahr 2008 sparte er bereits ein Drittel der Emissionen ein, indem er sich zum Beispiel ein sparsames Auto anschaffte und den Backofen bewusster einsetzte. Bis zum Jahr 2020 wird er die Emissionen um weitere 40 Prozent reduzieren.

Klimazertifikat
Um das Klimazertifikat von „Abcert“ zu erhalten, zahlt Klaus Helbig darüber hinaus für jede Tonne CO2-Emissionen 21 Euro an spezielle Projekte, die der Klimaveränderung entgegenwirken. Beispielsweise werden mit dem Geld neue Bäume gepflanzt. „Wir freuen uns, dass das Projekt mit Herrn Helbig so gut geklappt hat. Vor allem damit die Schüler, die Gäste seiner Kantine sind, für die Klimadiskussion sensibilisiert werden“, freut sich Friedrich Lettenmeier, die nun neben der Öko- auch die Klimazertifizierung anbietet.
Die klimaneutrale Bio-Mensa im Oberstufenzentrum Lotis kommt gut an. „Die Schüler sind einfach neugierig und fragen: Was bedeutet Bio? Was bedeutet klimazertifiziert?“ So entsteht schnell eine Diskussion zwischen Klaus Helbig, den Schülern und Lehrern. „In der Mensa leiste ich regelmäßig Überzeugungsarbeit, ohne dass ich ein Missionar bin, einfach im Gespräch“, erzählt er.

Klima im Unterricht
Klaus Helbig hat außerdem Unterrichtseinheiten für die Schüler entwickelt. Hier bringt er die Jugendlichen zum Nachdenken und vermittelt ihnen Inhalte zu den Themen Bio und Kochen. Die Gerichte werden nach selbst gestalteten Rezepten zubereitet. Die besten sammelt er für ein Kochbuch. „Beim Kochen habe ich mit den Schülern einfach Spaß und ganz nebenbei lernen die Schüler, wie sie im täglichen Leben Energie einsparen können“, berichtet er.
Mittlerweile hat der Koch auch noch ein Restaurant mit Pfälzer Speisen und Weinen und Catering-Unternehmen. Beide sind ein klima- und biozertifiziert. „Ich arbeite gerne“, sagt Klaus Helbig, „und bin zufrieden mit dem, was ich mache.“ Seine Gäste sind es auch. Denn Essen in hochwertiger Bio-Qualität ist ein Genuss – noch mehr wenn man weiß, dass es mit dem Klimaschutz Hand in Hand geht.

Bioland / roRo

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