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Marie Geburt sind de nüete guet

Ernährung

Proteinreichtum nicht nur für Waldbewohner

> "Marie Geburt sind de nüete guet und trecket de Schwalben furt", weiß der Bauernkalender zu berichten. Die Höhere Forstbehörde bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gibt auch gleich eine kleine Übersetzungshilfe: Maria Geburt sind die Nüsse gut und die Schwalben ziehen fort. Heute am 8. September wird das Wiegenfest der heiligen Maria gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt sind an den Haselsträuchern die Nüsse (nüete) ausgereift.
Die Hasel ist übrigens ein enger Verwandter der Birke und ein weit verbreiteter Begleiter der heimischen Stieleichen- und Hainbuchen-Wälder sowie auch auf jeder westfälischen Wallhecke zu finden. Anfang September sind die ölhaltigen Samen, und das sind die Haselnüsse, reif. Sie liefern energiereiches Winterfutter für zahlreiche Tiere des Waldes, wie Eichhörnchen, Mäuse, Vögel. Diese tragen durch ihre eifrige Sammelaktivität auch zur Verbreitung dieser Strauchart bei, weil sie viele Nahrungsdepots nicht mehr wiederfinden und an diesen Stellen neue Nuss-Sträucher wachsen. In der nacheiszeitlichen Wiederbewaldungsgeschichte spielte die Haselnuss eine bedeutende Rolle. Der Zeitraum zwischen 7 000 und 5 000 v. Chr. war durch haselreiche Eichenmischwälder geprägt. Der Strauch wird 60 bis 80 Jahre alt.

?Eine Nuss nützt, die zweite schadet, der Tod ist die dritte.?
In Clemens Brentanos Geschichte ?Die Drei Nüsse?, entpuppte sich die Dritte als Gewehrkugel des Alchimisten, der den vermeintlichen Bruder seiner Frau als vermeintlichen Geliebten eifersüchtig niederstreckt.
So lange ist es auch noch nicht her, dass dem Verzehr von Nüsse aus anderen Gründen abgeraten wurde. Mit bis zu 60 Prozent Fettanteil wurden die einsamigen, trockenen und hartschaligen Früchte vom Speisezettel verbannt. Bei Paranuss und Walnuss nehmen Sie 700 Kalorien je 100 g zu sich. Doch Nüsse sind mehr als Kalorienbomben und wurden schon von den Griechen als Nahrungsmittel und Öllieferant fleißig gesammelt. Die römische Küche des Altertums verarbeitete Nüsse bei jedem guten Gericht. Sie gelten nicht nur in der vegetarischen Küche als Proteinquelle, mit den wichtigen Vitaminen A und E, und den Mineralien Kalium, Magnesium und Selen.
Bereits in den 70er Jahren fanden amerikanische Adventisten heraus, dass das Herzinfarkt-Risiko abnahm, wenn fünfmal die Woche Nüsse gegessen werden. Die Iowa Womens Health Studie und die Nurses Health Studie von 1999 zeigen ein vergleichbares Ergebnis bei 140 g Nüsse pro Woche. Nüsse senken das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin. Unabhängig von der Nussauswahl, scheint das Gesamtmuster zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren günstig zu wirken.

Zauber - Hasel
Auch als Magie-, Zauber- und Heilpflanze wird der Hasel häufig erwähnt: In alemannischen Gräbern fand man Nüsse, die möglicherweise als Symbol für Unsterblichkeit beigelegt wurden. Frisch Vermählte wurden im alten Rom mit Haselnüssen als Symbol der Fruchtbarkeit beschenkt.
Wollen Sie ihr Haus preiswert vor Blitz und Unwetter schützen, dann sollen in das Fenster gesteckte Haselruten diesen Dienst übernehmen. Wer in der Walpurgisnacht am 30. April einen Haselzweig schneidet und bei sich trägt, zieht sich weder Dorn noch Splitter ein. Wer Haselzweige kreuzweise in den Stall legt und darauf das Futter für das Vieh aufbewahrt, verhütet Schaden in Scheune und Stall.
Die Haselnüsse, die demnächst auf dem Weihnachtsteller liegen, stammen jedoch nicht aus heimischen Wäldern, sondern überwiegend aus italienischen, südosteuropäischen oder kalifornischen Plantagen.

VLE

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