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„Meine Marmelade hat Punkte“

Ernährung

BfR auf der Grünen Woche

>Es klingelt beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schon mal das Telefon und ein Verbraucher ruft um Hilfe: „Meine Marmelade hat Punkte.“ Die Spezialisten wissen Bescheid – es geht um Mykotoxine, Schimmelpilzgifte, sekundäre Stoffwechselprodukte aus Schimmelpilzen. 250 Schimmelpilzarten bilden 300 Mykotoxine, die auf Grund ihres geringen Molekulargewichts keine Antikörperreaktion hervorrufen. Als Spätfolgen einer chronischen Aufnahme treten Krebserkrankungen, Erbgutschäden und Missbildungen beim Embryo auf. Grund genug, vorsichtig zu sein. Tückisch, weil die Schimmelpilze meist nicht gesehen werden.

Edelschimmelpilz nicht neben dem Gouda lagern
Auf der Grünen Woche punktet das BfR erneut mit einem praxisbezogenen Verbraucherthema. Nach dem Fehlerkühlschrank im letzten Jahr, erklären die Experten die wundersame Welt der Mykotoxine. Denn, so Dr. Horst Stefan Klaffke zu Herd-und-Hof.de, der Schimmelpilz produziert das Gift nur zur Selbstverteidigung. Auf dem Edelschimmelpilzkäse fühlt er sich der Pilz wohl und sicher. Da produziert er kein Gift. Legen die Hausfrauen und Hausmänner aber einen Gouda daneben, dann „fühlt er sich bedroht“, will den Gouda besiedeln und sichert sich den Zugang mit der Produktion von Myotoxinen.
Konfituere im SchwarzlichtschrankDas alles erfahren die Besucher am BfR-Stand. Wer weiß, der kann vorbeugen. Die Besucher können sich die Pilzbildung auch im Schwarzlichtschrank ansehen und entdecken dann plötzlich mehr weiße Stellen in Gewürzen, Nüssen und der Konfitüre als unter normaler Belichtung. Daher empfiehlt Dr. Klaffke: Weg mit der Konfitüre. Omas Geheimtipp, nur die obere Schicht wegzunehmen, ist falsch. Oben ist nur der Fruchtkörper sichtbar, die Sporen wandern zum Glasboden.
Übrigens sind Bioprodukte mittlerweile weniger mit Mykotoxinen belastet als konventionelle Produkte. Die Ackerbauern wechseln häufiger die Fruchtfolge, verzichten auf Mais als Vorfrucht, der besonders anfällig für Schimmelpilze ist, und machen dem Pilz mit ihrer Form der Bodenbearbeitung den Garaus.
Bislang haben sich die Verbraucher auf der Grünen Woche aber nicht nur über Mykotoxine informiert. Experten berichten über die Höchstmengenregelungen für Pflanzenschutzmittelrückstände. Das BfR möchte manche emotional geführte Diskussion versachlichen. Was ist die Rechtslage und was wird überhöht dargestellt.
Bei Dr. Klaffke erfahren Sie auch Antworten auf Fragen, die Ihnen vorher gar nicht eingefallen sind. So sollen in einer Küche keine Lebensmittel über dem Herd gelagert werden. Der Dampf ist nicht gut für die Haltbarkeit. Besonders in modernen Designerküchen ist es schick, Gewürze im Schraubglas über dem Herd aufzubewahren – schick, aber falsch.
Das Lebensmittelmonitoring 2007 zeigte, dass die Aflatoxinblastung bei Nüssen in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Das liegt ganz einfach daran, so Dr. Klaffke, dass die EU vor der Einschiffung bereits ein Zertifikat verlangt, dass die Belastung unter der zulässigen Höchstmenge ausweist. Und beim Ausladen in einem europäischen Hafen wird erneut kontrolliert.

Das BfR finden sie in der Halle 3.2 Stand 101

roRo

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