Mikrobiologische Richt- und Warnwerte
Ernährung
DGHM veröffentlicht Richtwerte für die Mikrobiologie
Ob Dioxin im Ei, Pestizide auf dem Gemüse oder Pferdefleisch in der Lasagne: Mehrere Lebensmittelskandale haben in den letzten Jahren Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert. Die Richt- und Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) stellen eine anerkannte Größe zur Beurteilung von mikrobiologischen Befunden im Lebensmittelbereich dar. Auf einer Tagung tauschten Experten sich über die Richtwerte aus.
Obwohl es einige rechtsverbindliche Anforderungen der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf die hygienisch- mikrobiologische Beschaffenheit von bestimmten Lebensmitteln gibt, existieren für eine Vielzahl an Nahrungsmitteln keinerlei Vorgaben, so dass es sowohl für die amtliche Lebensmittelüberwachung als auch für Lebensmittelhersteller und dem Lebensmittelhandel an Anhaltspunkten für die Beurteilung mikrobiologischer Befunde fehlt. „Es fehlt vielfach die Bezugsgröße: Was ist denn überhaupt ein zu hoher Wert? Welche Befunde sind unbedenklich?“, erklärt Prof. Barbara Becker, Mikrobiologin an der Hochschule Ostwestfalen Lippe.
Die Fachgruppe „Lebensmittelmikrobiologie und -hygiene der DGHM“ veröffentlicht deshalb für verschiedene Lebensmittelgruppen mikrobiologische Richt- und Warnwerte zur Beurteilung von Lebensmitteln. Sie sollen als objektivierte Grundlage zur Beurteilung des mikrobiologisch hygienischen Status eines Lebensmittels oder einer Lebensmittelgruppe zu verstehen sein und gelten als Empfehlungen für Angebotsformen mit der Zielgruppe Endverbraucher, also für im Verkehr befindliche Lebensmittel. Die rechtlich nicht bindenden Werte sind somit ein Instrument des gesundheitlichen Verbraucherschutzes. In den letzten 25 Jahren wurden mehr als 40 Richt- und Warnwerte für unterschiedlichste Lebensmittel, wie beispielsweise geschnittene Mischsalate, Süßwasserfisch oder gewürztes und ungewürztes Geflügelfleisch, veröffentlicht.
In absehbarer Zeit sollen die Werte auch in englischer Sprache veröffentlicht werden. Damit kommt das DGHM den vielen Anfragen aus dem Ausland entgegen.
Julia Wunderlich (DGHM) / roRo