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Mild erhitzter Steinbock mit Einkorn

Ernährung

Ötzis letzte Mahlzeit

Probenentnahme

Experten von Eurac Research in Bozen haben durch ausführliche Analyse die letzte Mahlzeit des Gletschermanns Ötzi rekonstruiert. Zwei bis eine halbe Stunde vor seinem Tod verzehrte Ötzi getrocknetes Wildfleisch von Steinbock und Rothirsch mit Einkorn. Giftigen Adlerfarn nahm er als Medikament zu sich. Mikrobiologe Frank Maixner hat mit seinem Team Biomoleküle wie Protein, Fette und Kohlenhydrate auf deren Ursprung hin untersucht.  Der Magen von Ötzi war komplett gefüllt und weist einen hohen Fettanteil auf.

„Fett unterscheidet sich von anderen Substanzen, weil es wasserabweisend ist. Den hohen Fettanteil konnten wir daher mit bloßem Auge erkennen“, erläuterte Maixner. Detaillierte Analysen zeigten, dass das Fett tierischen Ursprungs ist. Und zwar vom Fettgewebe des Steinbocks.

Der vor 5.300 Jahren in 3.210 Meter Höhe gestorbene Ötzi wusste offensichtlich, dass Fett in hochalpiner Region eine ausgezeichnete Energiequelle ist. Dessen Verwertung setzt aber auch eine optimale Nährstoffversorgung voraus, um einen schnellen Energieverlust zu vermeiden.

Das Steinbockfleisch in Ötzis Magen war noch gut erhalten und lässt Rückschlüsse auf die Nahrungsmittelzubereitung in der Kupferzeit zu. An der quergestreiften Fleischfaserung ist das Muskelfleisch gut zu erkennen. Es muss luftgetrocknet oder nur mild bis zu 60 Grad Celsius erhitzt worden sein. Darüber hinaus geht die Fleischfaserung verloren. Das haben Kochtests mit frischem Wildfleisch ergeben.

Einkorn hat Ötzi in nicht gemahlener Form zu sich genommen. Einkorn ist ein Vorläufer des heutigen Weizens. Wie giftiger Adlerfarm in den Magen gelangte, darüber können die Wissenschaftler nur Vermutungen anstellen. Schon zuvor wurden Parasiten in Ötzis Darm fetgestellt. Spuren von Adlerfarn könnte er als Medikament gegen die inneren Beschwerden eingenommen haben. Oder: Ötzi hatte sein Essen in die Farnblätter gewickelt, die daraufhin als Bestandteile in den Magen gelangten. Albert Zink, Leiter des Instituts für Mumienforschung bei Eurac, verweist auf verschiedene indigene Völker in Asien, die auch heute noch  Sprossen von Adlerfarm als pflanzliches Nahrungsmittel konsumieren.

roRo; Foto: M. Samadelli

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