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Neues Labor zur Lebensmittelkontrolle

Ernährung

TÜV Rheinland Agroisolab eröffnet Prüflabor für Lebensmittel

Unweit des Technologiezentrums Jülich hat Tüv Rheinland Agroisolab im Beisein von Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg ein rund 1.000 Quadratmeter großes Labor zur Prüfung der Herkunft von Lebensmittel eröffnet. Zwei Millionen Euro wurden investiert „Die zuverlässige Kontrolle der Herkunft von Lebensmitteln spielt in einer Welt internationaler Warenströme eine zentrale Rolle. Nur so lässt sich Qualität lückenlos sichern und Etikettenschwindel verhindern“, sagte Prof. Dr. Jürgen Brauckmann, Vorstand von TÜV Rheinland.

Den Fingerabdruck nehmen
Herzstück des neuen Labors sind acht Isotopen-Massenspektrometer, mit deren Hilfe die Wissenschaftler den „Fingerabdruck“ der Proben ermitteln können. Zur Identifizierung der Probe steht im Hintergrund eine Datenbank zur Verfügung, die als Referenzsystem zur Einordnung der Ergebnisse dient.
Derzeit verfügen die Experten über 90 verschiedene Datenbanken von Gemüse, Obst, Kosmetika, tierischen Erzeugnissen und Getränken. Im Einzelnen sind das beispielsweise Wasser, Eier, Getreide, Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel.

Isotope sind unterschiedliche Atomarten des gleichen Elementes. Die Atomkerne enthalten gleich viele Protonen, aber unterschiedlich viele Neutronen. Da sie im Periodensystem der Elemente an der gleichen Stelle stehen heißen sie auf griechisch isos (gleich) topos (Stelle). Die stabilen Isotopen eines Elementes gelangen über die Luft, das Wasser und den Boden in den Stoffkreislauf. Abhängig von der geografischen und geologischen Situation vor Ort weisen Pflanzen und Lebewesen unterschiedliche Stabilisotopenverhältnisse auf und können bis auf den Acker genau identifiziert werden.Grundlage sind dabei die Bioelemente Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel sowie die Geoelemente Strontium und Blei. So sagt das Verhältnis von Wasserstoff 2H/1H und Sauerstoff 18O/16O etwas über das Klima und die Entfernung zum Meer aus. Untersuchungen des Verhältnis von Stickstoff 15N/14N lässt in der Nahrung auf den Anteil von Fleisch, Milchprodukten und Fisch schließen, sagt aber auch etwas über die Düngerart aus.1)

Kunden der Analyse sind meist Hersteller oder Handelsunternehmen, die im Rahmen der eigenen Qualitätssicherung die Experten von TÜV Rheinland Agroisolab zurückgreifen. Ergebnisse der Analyse sind Auskünfte, ob das Ei von einem Biohof stammt, ob der Spargel in Deutschland geerntet wurde oder ob Äpfel und Brokkoli aus China stammen. Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens ist der Verzicht auf Dokumente und Dokumentenanalyse. Das Verfahren ermöglicht eine unabhängige Rückverfolgbarkeit von Produkten für alle Bereiche der Produktion, Verarbeitung und Handel, wo organische Materialien zum Einsatz kommen, so der TÜV Rheinland.
Das Labor ist seit 2006 bei der deutschen Akkreditierungsstelle Chemie nach EN ISO/IEC 17025:2005 zugelassen.
Zu den umfangreichen Kerndienstleistungen zählen die Überprüfung von Herkunft und Authentizität, Rückverfolgbarkeit von Produkten, die Unterscheidung von konventionellen zu ökologischen Lebensmitteln und der Unterscheidung von Holzprodukten aus nachhaltigem Anbau. Letzteres ist ein Entwicklungsprojekt.
Künftig wird das Verfahren auch dazu eingesetzt, bei der Erzeugung Produkte aktiv zu kennzeichnen, um sie im internationalen Warenstrom zuverlässig identifizieren zu können. Auch die Verfälschung von Produkten durch synthetische Herstellung, unerlaubte Zusätze, technisches CO2 und Verwässerung stehen bei den Rheinländern auf der Agenda.

Lesestoff:
TÜV Rheinland ist erst seit Februar 2009 Mehrheitsgesellschafter
bei Agroisolab, einer Ausgründung des Forschungszentrum Jülich.
1)Ludwig-Maximiliansuniversität München, Institut für Rechtsmedizin: www.rechtsmedizin.med.uni-muenchen.de/wissenschaft/isotopenanalyse/index.html (15.11.09)

roRo; Foto: TÜV Rheinland

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