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Obst: Lieber Essen als Trinken

Ernährung

Markterfolg Smoothies nicht unumstritten

Willi-Eckhard Wetzel, Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde in Giessen bestätigt aktuell dem Fokus englische Berichte, dass die so genannten Smoothies bei sorglosem Genuss die Zähne stärker angreifen als die ganze Frucht. Der Grund: Beim Trinken entsteht weniger Speichel, der vor Säure und Fruchtzucker schützt, als beim Essen. Wer eine Frucht isst, sendet ein Signal an das Gehirn, dass den Speichelfluss anregt. Die Signale fallen schwächer aus, wenn das Obst „einfach in die Mundhöhle gekippt“ wird, so Wetzel.

Drängeln im Kühlregal
Gesundheitsdrinks sind „in“ und Actimel beschert Danone allein in Deutschland einen Umsatz von 265 Millionen Euro. Jahrelang stand das kleine Fläschchen alleine auf dem Thron im Kühlregal. Dort wird es zunehmend enger, weil Unilever und Schwartau den Fitnesstrend aufgenommen haben. Neben Gemüsesäften in handlichen Portionsflaschen stehen immer mehr „Smoothies“ im Regal. Fein und sämig, „smooth“ auf englisch, sind eine auf Fruchtmark oder Fruchtpüree basierende Saftmischung. Wegen der nicht löslichen Fruchtbestandteile sind sie dickflüssiger. Die Branche sieht ein Marktpotenzial von mehr als 430 Millionen Euro, das sich jetzt auch noch Chiquita und verschiedene Handelsmarken aufteilen. Die bayrische Familienmolkerei Gropper liefert an Plus und Lidl. Auch die Molkerei Bauer ist in den Markt eingestiegen, was Danone-Deutschlandchef Thomes Reuther in der Lebensmittelzeitung kommentierte: „Actimel befindet sich in einem Konzept-Wettbewerb.“

Keine feste Definition
In englischsprachigen Ländern landen Smoothies bereits seit längerem im Einkaufskorb der Convenience-Kunden. Beworben werden die Smoothies mit der bequemen Aufnahme von mehreren Portionen Obst, oder der Hälfte des Tagesbedarfs. Das entspricht den Wünschen der Kampagne „5 am Tag“, die den Verzehr von Obst und Gemüse steigern will. Dr. Bernhard Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel gab jedoch bereits im letzten Jahr zu Bedenken, dass die „Gesundheit to go“ kein Allheilmittel ist. Oft basieren die Portionsangaben auf den niedrigeren Angaben der WHO. Was aber legal ist.
Zudem sind Smoothies rechtlich nicht fest definiert. Es ist nicht festgeschrieben, wie hoch der Anteil an Fruchtstücken oder Fruchtpüree ist, wie viel Saft höchstens enthalten sein darf. Außerdem bemängeln die Unabhängigen Gesundheitsberater (UGB) aus Giessen, dass manche Hersteller nur Saftkonzentrat und pasteurisierte Fruchtsaftkonzentrate verwenden. Selbst Zucker und natürliche Aromen werden eingerührt. Der Blick aufs Etikett ist zwingend.
Wichtig ist, dass die Hersteller ganze Früchte verwenden. So erklärte Dr. Watzl, dass eine Apfelschale 140 mg des sekundären Pflanzenstoffs Quercetin enthält. Das Fruchtfleisch hingegen lediglich zwei mg. Quercetin wirkt positiv gegen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mix it, Baby
Bevor die Amerikaner Smoothies für den Handel entdeckten, waren sie jedoch bereits in den Haushalten zu Hause. Seit 1930 der Mixer Einzug in die Küchen gehalten hat, wird zu Hause püriert und gemixt. Eigentlich stellt jeder die Smoothies selbst her, meinte Watzel.
Vier Tipps hält der aid infodienst bereit, die richtigen Smoothies zu erkennen:
- Auf einen hohen Anteil an „ganzem Obst“ achten.
- Gute Smoothies enthalten keinerlei Zusatzstoffe, auch keinen Zucker.
- Hausgemachte Smoothies im Mixer einmal selbst ausprobieren.
- Das beste aber bleibt der Biss in ein Stück leckeres, knackiges Obst oder Gemüse.

Für die richtige Mixtur braucht es ein wenig Erfahrung. So sind die Schalen von Weintrauben, Pflaumen, Kirschen und Johannisbeeren recht fest, so der UGB. Deshalb sollte man davon nur geringe Mengen verwenden. Bei Bananen, Äpfel oder Mangos ist die Konsistenz eher zum löffeln. Sie können aber gut mit wasserhaltigen Früchten gemischt werden. Experimentieren ist erlaubt.

Lila Laune: (für ein Glas)
100 g Apfel (geputzt), ½ Banane und 150 g Brombeeren:
Apfel kreisförmig schälen, so dass aus der Schale eine Spirale entsteht. Kerngehäuse entfernen. Apfel und Banane in Stücke schneiden und mit den gewaschenen Brombeeren cremig pürieren und in ein Glas füllen. Glasrand mit Apfelschale verzieren.
UGB

Noch etwas: Eines der bekannteren und guten Smoothies verwendet 15 Himbeeren und einen Apfel für eine 250 ml-Flasche. Würden Sie auf dem Markt für einen Apfel und 15 Himbeeren 1,69 Euro bezahlen?

Lesestoff:
Mehr Tipps für eigene Smoothies und Mischvorschläge gibt es beim www.ugb.de. „Fruchtiger Trinkgenuss im UGB-Forum 4/07.
www.5amtag.de

roRo

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