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Olympia-Bonus für den Welt-Ernährungs-Appell

Ernährung

Politiker fordern mehr Aktionen gegen Unterernährung

Zwei Wochen internationale Sportfeierlichkeiten gingen am Sonntag zu Ende. Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt hat Englands Premier David Cameron für einen Appell genutzt, den Kampf gegen den Hunger in der Welt zu forcieren. Jedes Dritte Kind in der Welt kann sein wirkliches kreatives Potenzial wegen Mangelernährung nicht ausschöpfen. Zusammen mit dem brasilianischen Vizepräsidenten Michel Temer hat Cameron neue Anstrengungen verkündet, bis 2025 die Zahl der unterernährten Kinder um 70 Millionen zu reduzieren.
Im Fokus stehen die ersten Jahre der Kinder. Minderwuchs und Verkrüppelung sind Auswirkungen anhaltender Unterversorgung und Infektionen in den frühen Kindheitstagen. Unterentwickelte Kinder lernen weniger und verdienen später weniger, heißt es zum „World Hunger Event“ in London. Interventionen während der ersten 1.000 Tage kann die Mangelversorgung lindern. Neben dem Zugang zu sauberem Trinkwasser und ausreichender Nahrung gehören auch kostenintensive Modelle, wie die Vitaminversorgung zum Präventionsplan. Die Politik weiß auch, dass die Adressierung der lokalen Regierungen für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen, eine größere Aufgabe ist, als die Bereitstellung von Nahrungsmitteln. Aber es ist die langfristige Lösung. Im Vorfeld sagte Cameron im Interview mit der BBC, Ziel sei es, die Länder zur eigenen Nahrungsproduktion anzuregen, damit sie nicht mehr von Importen aus den Industrieländern angewiesen sind.

Fokus Anreicherung

Prof. Swaminathan, einer der Architekten der grünen Revolution in Indien fordert eine neue Landwirtschaft. Indien sei zwar auf einem guten Weg der Ernährungssicherung, doch wird das Millenniumsentwicklungsziel, die Zahl der Hungernden um die Hälfte zu reduzieren nicht erreichen. Die komplexen Ursachen für Hunger und Unterernährung seien noch immer nicht verstanden. Zum einen müsse auf den Märkten ausreichend Nahrungsmittel vorhanden sein, zum anderen brauchen die Menschen auf dem Land Arbeit und Einkommen, sich die Lebensmittel auch leisten zu können, sagte er im Vorfeld zum World Hunger Event. Nach Swaminathan müsse die landwirtschaftliche Produktion aber auch auf die Erfordernisse der Welternährung ausgerichtet werden. So sei die mit Eisen angereicherte Hirse, die im ganzen Land verkauft werde, ein gutes Beispiel auch für die Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor.
Die englische Entwicklungshilfeagentur „Department for International Development“ führt ein anderes Beispiel aus Uganda an. 32 Prozent der afrikanischen Kinder haben einen Vitamin A-Mangel. In Uganda wurde eine neue Süßkartoffel entwickelt, die mittlerweile überall in Uganda gepflanzt werden kann. Gegenüber den blassen oder gelben wilden Süßkartoffeln mit sehr geringem Vitamin A-Gehalt, ist die neue Sorte leuchtend rot. Und weil die Süßkartoffel zur täglichen Nahrung gehört, hilft sie bei der essentiellen Versorgung mit dem Vitamin.

Gemeinsame Erklärung

In der gemeinsamen Erklärung fürchten Cameron und Temer, dass durch steigende Nahrungsmittelpreise und zusätzlichem Druck auf die natürlichen Ressourcen zehn Millionen Menschen mehr unterentwickelt bleiben. 28 Länder haben die Vereinbarung der Initiative „Scaling up Nutrition“ unterzeichnet [1]. Als messbarer Zwischenschritt für das Jahr 2025 sollen bis zur nächsten Sommerolympiade 25 Millionen Kinder weniger unterentwickelt sein.
Im Wesentlichen sollen die Menschen mehr Zugang zu technologischen Lösungen erhalten, wie Saatgut, das Trockenheit besser übersteht. Die Privatwirtschaft soll zunehmend die armen Bauern in den Fokus ihres Wirtschaftens nehmen, um die Eigenversorgung zu verbessern.
Brasilien ist demnach ein gutes Beispiel für die Vorreiterrolle, den entsprechenden politischen Willen für die Umsetzung aufzubringen. Der Ausrichter der nächsten Olympischen Sommerspiele hat in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der unterentwickelten Kinder um die Hälfte reduziert. Brasilien habe das durch Priorisierung von Technologie, Marktzugang für die Ärmsten, das Recht auf Nahrung und Gesundheit sowie durch Investitionen in Landwirtschaft und Innovationen erreicht.

Nur der Anfang

Die Menschenrechtsorganisation Oxfam begrüßt den Gipfel und auch die Wahl des Zeitpunktes, da wegen Olympia die Welt noch auf London schaut. Der Gipfel könne aber nur ein Anfang sein, um langfristig die Menschen, die vom Hunger betroffen sind, auch selbst in Lage zu versetzen, sich zu ernähren. Nach dem Gipfel müssen reale Reformen umgesetzt werden.

Lesestoff:

[1] www.scalingupnutrition.org

Roland Krieg

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