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Orientierungswerte für MOSH/MOA

Ernährung

Neue EU-Anforderungen für Mineralöl

In diesem Jahr stehen die EU-Vorschriften für Lebensmittelkontaktmaterialien auf dem Prüfstand: Im Rahmen eines Revisionsverfahrens führt die EU Kommission eine Reihe von Konsultationsverfahren durch und hat wissenschaftliche Fokusgruppen eingerichtet. Den aktuellen Stand des Verfahrens und die erwarteten Veränderungen diskutierte eine internationale Konferenz der Akademie Fresenius am 13. und 14. Juni in Düsseldorf.

Ein Thema waren Analyse und Bekämpfung von Mineralölrückständen. Diese sind seit einigen Jahren eine der größten Herausforderungen für die Hersteller von Lebensmittelverpackungen. Aus Verpackungen aus Altpapier, die zum Beispiel Druckerschwärze enthalten, können Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH = Mineral Oil Saturated Hydrocarbons und MOAH: Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) in Lebensmittel gelangen. MOSH und MOAH werden leicht aus Lebensmitteln in den Körper aufgenommen und reichern sich im Körperfett und in Organen wie Milz oder Leber an. Überwachungsbehörden, Wissenschaft und Politik haben sich des Themas angenommen. Mittlerweile liegen viele Fachgruppen-Ergebnisse, wissenschaftliche Stellungnahmen und Lösungsvorschläge vor.

Anfang 2019 hat das Joint Research Centre (JRC) der EU-Kommission eine Leitlinie zu Probenahme, Analyse und Reporting für das Monitoring von Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln und Lebensmittelkontaktmaterialien herausgegeben. Stefanka Bratinova vom JRC stellte die Leitlinie auf der Konferenz vor.

Die Länderarbeitsgemeinschaft gesundheitlicher Verbraucherschutz (LAV) und der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) haben in einem gemeinsamen Projekt „Orientierungswerte für Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln" festgelegt und im Mai 2019 veröffentlicht. Der Lebensmittelchemiker Rüdiger Helling vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz sieht in dem Projekt ein neues Modell für die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Behörden auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit. Die gemeinsamen Orientierungswerte sollen Überwachungsbehörden, Industrie und Warentestern helfen, bei der Befundbeurteilung von Produkten die Einhaltung einer guten fachlichen Praxis produkt- und prozessspezifisch einzuschätzen. Die Orientierungswerte wurden aus mehr als 10.000 anonymisierten Einzeldatensätzen abgeleitet. Bei der analytischen Überprüfung der Einhaltung der Orientierungswerte dient die Leitlinie des JRC als methodische Bezugsgrundlage. Zurzeit erhebt die Projektgruppe der Länderarbeitsgemeinschaft weitere Datensätze. Nach der Auswertung sollen die Orientierungswerte auf weitere Produktgruppen ausgeweitet werden.

Rebecca Keuters (Akademie Fresenius) / Roland Krieg

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