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peb-Forum Teil III

Ernährung

Auftaktveranstaltung „Besser essen – Mehr bewegen“

Kinder und Erwachsene nehmen Schokolade oder Bier nicht primär wegen der Versorgung von Mineralstoffen auf. Wie schwer ist es also die Ernährung, das Essen in ausgewogene Bahnen zu lenken?
Prof. Dr. Volker Pudel, Ernährungspsychologe an der Universität Göttingen, sieht in der Reduzierung der Verkehrstoten durch eine Veränderung der Verhältnisse eher den richtigeren Weg, als durch vernunftberatende Verhaltenstherapie, so wie er es auf der Auftaktveranstaltung „Besser essen – Mehr bewegen“ vorgetragen hat. In einer Pause schränkte er gegenüber Herd-und-Hof.de allerdings ein, dass das Modell nicht so einfach auf die Ernährung zu übertragen ist, weil die Kinder in einer „adipösen Umwelt“ leben. Daher müsse man es wollen und verwies auf die politischen Fallstricke. Als Horst Seehofer noch Bundesminister für Gesundheit gewesen ist, schlug Dr. Pudel ihm vor, über verarbeitete Produkte insgesamt 20 Gramm Fett wegzulassen. Nach anfänglicher Begeisterung wollte Seehofer aber nicht als Bundesminister in den Wettbewerb des Marktes eingreifen und der Deutsche Bauernverband hatte bereits nachgerechnet: Wenn 80 Millionen Menschen 20 Gramm Fett weniger verzehrten, verlöre der Markt Werte in Höhe von 5 bis 6 Milliarden DM. Dem entgegnete Dr. Pudel, dass es billiger und nachhaltiger sei, das Fett aufzukaufen und zu entsorgen, als durch die Menschen fließen zu lassen.
Besser gehe es mit anderen Partnern. So entwickelte er zusammen mit der AOK Baden-Württemberg und der medialen Betreuung durch den SWR1 das Konzept der PfundsKur: Die Infoveranstaltungen seien immer ausgebucht, so der Experte. Wurst mit weniger Fett und Bewegungsprogramme in unterhaltsamen Angeboten, bewegt die Menschen mitzumachen. Wo gibt es schon eine Fettaugendiagnose und Fettaugentabelle? Und die Gastronomie macht gerne mit, weil sie Produkte mit der PfundsKur auszeichnen kann. „Die Nachfrage ist auf jeden Fall da.“

Die Landwirtschaft nicht vergessen
Auf die Rolle der Landwirtschaft angesprochen, sieht Dr. Pudel diese ebenfalls in einer tragenden Rolle – gerade für Stadtkinder. Das Wissen über die Landwirtschaft beeinflusse auch das Essverhalten und verwies auf einen Hühnchenmäster, der ihm sagte, dass er wesentlich weniger Hühnchen verkaufen würde, müssten die Verbraucher die Tiere alle selber schlachten. Dr. Pudel erinnerte sich an die BSE-Zeiten, als zwar viele begannen sich vegetarisch zu ernähren, aber trotzdem einige in den Schnellrestaurants Hamburger aßen: „Denen ist nicht bewusst gewesen, dass im Hamburger Fleisch ist.“
Problematisch sind für Dr. Pudel auch die vielen Lebensmittel, die mit Mineralien und Vitaminen ergänzt werden. „Die Verbraucher haben gar keine Kontrolle mehr über die aufgenommene Dosis, weil sie nicht mehr wüssten, wie viel sie von welchem Produkt bereits gegessen haben.“ Abgesehen davon sind die normalen Lebensmittel ausreichend mit Nährstoffen versorgt.
Erfreuliches wusste Dr. Pudel von den Power Kids zu vermelden. Mittlerweile sind es schon 40.000 Kinder die an der Therapie für Übergewichtige teilgenommen haben. Neu hinzugekommen ist eine zeitgemäß adaptierte DVD im Programmkoffer. Allerdings ist Dr. Franziska Rubin nicht mehr dabei, da sie durch den Wechsel im Fernsehprogramm den Kindern nicht mehr bekannt ist. Dafür ist als Moderator Juri aus dem Kinderkanal eingesprungen – den möglicherweise die Erwachsenen nicht kennen.

Lesestoff:
Die Plattform peb ist im Internet unter www.ernnaehrung-und-bewegung.de zu erreichen.
Die Fernsehracker Peb und Pebber, die den Kindern im Fernsehen ihre Pausen-Brot-Tauschmaschine vorstellen, haben unter www.pebundpebber.de eine eigene Seite.
Alle 24 Gewinner-Projekte der Auftaktveranstaltung sind mit Ansprechpartner für Kontaktaufnahmen unter www.besseressenmehrbewegen.de aufgelistet.
Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) ist unter www.a-g-a.de zu erreichen und hat dort Referenzwerte hinterlegt und stellt ein Netzwerk kausaler Faktoren dar.
Die Programmkoffer für übergewichtige Kinder können unter www.powerkids.de eingesehen und bestellt werden.
Die PfundsKur gibt es mittlerweile auch in Sachsen und heißt heute www.pfundsfit.de - für alle.
Der aid infodienst hat in diesem Jahr eine neue Broschüre „Leichter, aktiver, gesünder“ herausgebracht und bietet Tipps für Ernährung und Sport bei Babyspeck und mehr: „Gedanken zur Ernährungserziehung“, die größten „Fettfallen“ oder „Weniger Gewicht durch mehr Bewegung“: www.aid.de

Roland Krieg

[Der erste Teil beschrieb das Ausmaß der Altersdiabetes bei Kindern und die Aufgaben der Public Health.
[Der zweiten Teil beschrieb den sozialen Aspekt, den Spaßfaktor und ein Projektbeispiel

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