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Rettungsplan gegen das Übergewicht

Ernährung

Dramatischer Appell in Boston für globalen Gesundheitsplan

Übergewicht muss in der gleichen Art bekämpft werden wie der Klimawandel. Das haben am Sonntag amerikanische Wissenschaftler in Boston auf ihrem Jahrestreffen der American Association for Advanced Science gefordert. Prof. Philipp James, Vorsitzender der UN-Allianz gegen Übergewicht, forderte Regierungen, die Ernährungsindustrie und alle Teile der Gesellschaft auf, deutliche Schritte gegen die desaströsen Auswirkungen des Übergewichtes zu unternehmen.

Klima und Übergewicht
Der diesjährige Weltgesundheitstag am 07. April steht unter dem Zeichen des Klimawandels und der Gestaltung der Umwelt, sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen.
„Wir müssen die Agrarproduktion effizienter gestalten, die begrenzten Ressourcen auszuschöpfen und den Bedarf an frischen und regionalen Produkten erhöhen. Besonders Obst und Gemüse. Der Klimawandel wird überall erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte und die Wasserversorgung haben“, führte Prof. James an. „Der meiste Anteil energiereicher Lebensmittel hinterlässt einen deutlichen klimatischen Kohlendioxidabdruck und verbraucht am meisten Wasser und Energie. Wenn wir in den nächsten 20 Jahren acht Milliarden Menschen mit einer gesunden Diät versorgen wollen, dann brauchen wir einen globalen Rettungsplan – nicht nur zur Rettung des Klimas, sondern auch für eine gesunde Ernährung für alle“, appellierte James.

Gesunde Umwelt schaffen
Prof. James sieht nicht nur in der Bekämpfung der Unterernährung und des Hungers eine Herausforderung. Genauso wichtig sei der Kampf gegen das Übergewicht mit seinen Risiken für Diabetes und Bluthochdruck. Milliarden Menschen, die auf die westliche Ernährungsweise umstellen, unterliegen einer ganz große Gefahr. Daher sei es notwendig, die Dominanz der Nahrung zu brechen, die reich an Fett, Zucker und Salz ist. „Junk Food“ müsse durch eine ausgewogene Ernährung ersetzt werden.
Die Aufforderung, sich mehr zu bewegen beinhaltet einen doppelten Effekt. Neben der individuellen Gesundheit verringern Fahrrad, öffentlicher Nahverkehr und Fußwege die Abhängigkeit vom Auto.

2,3 Milliarden Menschen sind bereits übergewichtig. Von denen sind bis 2015 rund 700 Millionen Menschen adipös. Die Zahl der Diabetiker wird sich bis 2030 auf 366 Millionen Menschen verdoppeln. In Amerika werden es 30 Millionen sein.
In den USA werden die Kosten durch das Übergewicht auf jährlich 120 Milliarden Dollar geschätzt. In Großbritannien entwickelt die Hälfte der Menschen bis 2050 Übergewicht und verursacht Gesundheitskosten von 100 Milliarden Dollar jährlich.

Es sei angesichts einer ungesunden Umwelt, die mehr und mehr Übergewichtige produziert, unpassend, an die individuelle Verantwortung des Einzelnen zu appellieren. Es sei eine naive Vorstellung von Politikern und Ernährungsindustrie, dass der Einzelne sich für eine „gesunde Ernährungsweise“ selbst entscheiden kann. Es sei auch nicht damit getan, Verbrauchern weis zu machen, dass sie mit ein bisschen Bewegung und ein bisschen Ernährungsumstellung das Problem ihres Übergewichts lösen könnten.

Kritik an der Ernährungsindustrie
Die Hauptadresse seiner Kritik richtet er an die Ernährungsindustrie. Sie müsse die intensive Bewerbung energiereicher Lebensmittel einstellen und Prof. James forderte die Vorstände auf, mehr soziale Verantwortung zu zeigen. „Seit einem halben Jahrhundert hat die Lebensmitteltechnologie die Techniken verfeinert, die beste Kombination aus meist künstlichen Aromen zu erstellen, die uns an typische Lebensmittel bindet.“ Auch die Werbung, vor allem für Kinder, fördere Konsumverhalten, das vor einigen Generation noch undenkbar gewesen ist.
Prof. James spricht sich für die Ampellösung in der Nährwertkennzeichnung aus, die Verbrauchern eine Transparenz erlaubt, auf Lebensmittel zurückzugreifen, die weniger energiereich sind.

Die zukünftigen Dicken
Kinder in den Entwicklungsländern haben nach Prof. James das höchste Risiko, dick zu werden. Sie wachsen in einer armen Umgebung auf, bekommen eine unzureichende Ernährung durch die Mutter und sind für die westliche Ernährungsweise am empfänglichsten. Ihr Risiko ist fünfmal höher als bei Kindern aus günstigeren Verhältnissen. Übergewicht bei Kindern eskaliere derzeit in Lateinamerika, der Karibik, dem Mittleren Osten und selbst in Afrika. In Amerika haben die Einwanderer aus Asien und Hispanien das höchste Risiko zum Übergewicht.
Zwischen dem 14. und 17. Mai findet in Genf der 16. europäische Kongress über das Übergewicht (ECO2008) statt.

Lesestoff:
Die Entwicklungen über die globale Übergewichtssituation finden Sie auf www.iotf.org/database/index.asp
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt derzeit weltweit Gespräche mit Regierungen und Beteiligten über einen globalen Aktionsplan für die Prävention „Nicht-Kommunizierter“ Krankheiten durch. Das beinhaltet auch Strategien, Marketing bei Kindern für Limonaden und Lebensmittel einzuschränken. Im Mai soll der Entwurf unter www.who.int/nmh/en/ vorgestellt werden.

roRo

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