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"Schmutziges Gold"

Ernährung

Stiftung Warentest mit vernichtendem Olivenöltest

>Olivenbäume gibt es bereits seit über 5.000 Jahren in den Mittelmeerländern. Pro Jahr liefert ein Olivenbaum etwa 20 kg Oliven, die 3 bis 4 Liter Öl ergeben, dass sich zusammen mit und als Teil der mediterranen Ernährung einen Spitzenplatz in den deutschen Küchen erobert hat. Haupterntezeit ist zwischen Oktober und Februar und mittlerweile gibt es rund 150 verschiedene Arten Olivenöl.

Höchster Stellenwert
Geschmacksbeschreibungen des beliebten Speiseöls ähneln denen des Weines: "Leicht, pikant", "fruchtig, weich, sanft" oder "rustikal, deftig". In speziellen Olivenöl-Degustationen gewähren Küchenspezialisten dem Saft höchsten Stellenwert. Die Deutschen verbrauchen im Durchschnitt weniger als einen Liter Olivenöl pro Jahr, während hingegen die Griechen mit 20 Liter den Weltrekord halten. Bei der Wahl des Öls helfen Etikett und eine Geschmacksprobe. Es ist auch wie beim Wein, denn Sorte, Klima und Boden bestimmen die Qualität und den Geschmack des flüssigen Fettes. Die Kommission der EU hat für Qualitätsnormen für Olivenöl exakt definierte und verbindliche Güteklassen festgelegt.
Nur einwandfreie Produkte gehören in die höchste Güteklasse "nativ extra". Olivenöl der zweiten Güteklasse wird als "natives Olivenöl" klassifiziert, während für die dritte Wahl der schlichte Name "Olivenöl" steht. Bis jetzt gibt es in Deutschland nur ein einziges zugelassenes Sensorikpanel für Olivenöl: Das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das in den vergangenen zwei Jahren 63 Öle beurteilt hat. In 18 Fällen, das heißt in 29 Prozent der Proben, kam es zu Beanstandungen. Experte Dr. Horst Schäfer-Schuchardt aus Würzburg stieß bereits im letzten Jahr immer wieder auf Täuschungsmanöver. So gäbe es Fälle, in denen Olivenöl mit Haselnussöl gestreckt wurde, was vor allem für Allergiker problematisch sei.

Es hat sich nichts verbessert
Die Stiftung Warentest hat für ihre Oktober-Ausgabe der Zeitschrift test erschreckende Olivenöltestergebnisse ermittelt, wie sie heute Vormittag in Berlin mitteilte. Von 26 geprüften Ölen aller Preisklassen, darunter auch drei mit Basilikum, sind gleich neun "mangelhaft". Und ausgerechnet zwei Bioöle waren am höchsten mit gesundheitsgefährdeten Weichmachern belastet. Aus dem "Gold des Südens" wurde "schmutziges Gold", so Ressortleiterin für Ernährung Vera Kaftan. Schon früher fielen Olivenöle mit falschen Etiketten und schlechtem Geschmack durch. Aber: "Es hat sich nichts gebessert", so Kaftan. Besonders pessimistisch wirkt die Tatsache, dass neben groben Geschmacksfehlern auch erstmals Weichmacher in Olivenöl gefunden wurde. Mit einer neuen Testmethode konnten die Verbraucherschützer auch erstmals eine für "natives Olivenöl extra" verbotene Wärmebehandlung nachweisen.

Die Ergebnisse
Im Gegensatz zu den meisten anderen Lebensmitteln gibt es für Olivenöl europaweit einheitliche Maßstäbe, die vom Internationalen Olivenölrat in Madrid vorgegeben sind. Fruchtig, bitter und scharf gelten im Geschmack als positiv. Stichig, modrig, metallisch, schlammig und ranzig sind Beispiele für negative Attribute.
Von 26 Ölen aller Preisspannen waren mehr als ein Drittel "mangelhaft" bewertet worden. Darunter sind fünf Bio-Öle. Bei vielen waren Geruch und Geschmack nicht in Ordnung. Ein "sehr gutes" test-Qualitätsurteil wurde nicht vergeben. Immerhin gab es fünfmal "gut". Jeweils sechs Öle wurden mit "befriedigend" und "ausreichend" bewertet.
Insgesamt sieben Öle wurden nachweislich wärmebehandelt.
Kein einziges Öl war völlig frei von Rückständen und zum ersten mal stießen die Tester auf Weichmacher, so genannte Phtalate. Vier Substanzen konnten identifiziert werden, worunter auch das kritische Diethylexylphtalat (DEHP) gehörte. Die Substanz ist im Tierversuch Krebs erzeugend und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit.
Gute Werte bei der Sensorik ergeben noch lange nicht ein gutes Olivenöl. Deswegen beurteilten die Tester auch den Gesamteindruck. Optimal ist ein Öl, wenn seine positiven Ausprägungen ausgewogen sind und der Geschmack nachhaltig ist. Das erfüllten nur drei Öle: Das toskanische Olivenöl "Vom Fass Santini" und die beiden kretischen Öle Gaea und Edeka/Bancetto. Vier Öle fielen durch: Das Olivenöl Kattus schmeckte erhitzt, Rossmann´ener Bio schmeckte schlammig. Die Öle fedele Basso und "Gut & Gerne" waren hingegen sogar so stark fehlerhaft, dass sie nicht für den Verzehr geeignet sind.

Wärmebehandlung
Oxidative Veränderungen, die auf eine Wärmebehandlung von über 100° Celsius hinweisen, sind bisher auch schon feststellbar gewesen. Ein neuer Test des Chemischen Untersuchungsamtes Hagen lässt mittlerweile mit Hilfe von Diglyceriden eine Wärmebehandlung von unter 100° nachweisen. Für den Nachweis müssen aber drei verschiedene Parameter erfüllt sein, weil eine normale Alterung des Öls auch Diglyceride verändern kann. Als zweites müssen Pyrophäophytine nachweisbar sein. Das sind Abbauprodukte des Chlorophylls, die bei einer Wasserdampfbehandlung ab 80° Celsius entstehen. Mit Wasserdampf versuchen Hersteller leichte Geruchs- und Geschmacksfehler aus dem Olivenöl zu entfernen. Aus den Abbauprodukten leiten die Biochemiker den so genannten Cold-Index ab, der als Drittes nach derzeitigem Erkenntnisstand als sicherer Beweis für eine verbotene Wärmebehandlung gilt.
Zwar erscheint das Wasserdampfbad auf dem ersten Blick als eine Verbesserung, aber Projektleiterin Dr. Birgit Rehlender wies darauf hin, dass daraus ein Etikettenschwindel wird. Bei Preisen von über 32 Euro pro Liter darf der Kunde das erwarten, was als Extraklasse auch festgelegt ist.

Weichmacher
Phtalate sind Weichmacher, die Kunststoffe flexibel machen und auch für Schläuche und Transportbehälter für Lebensmittel zugelassen sind. Die Stoffe werden von Fetten, Öle sind flüssige Fette, aus den Behältern herausgelöst. Nur so können die Giftstoffe in das Olivenöl kommen, denn die Endverpackung wies keine Phtalate auf. Im Bio-Olivenöl "Gut & Gerne" aus Kalamata in Griechenland faden die Tester 75 mg DEHP pro kg Öl. Diese Menge ist mehr als es das Lebensmittelrecht erlaubt. Es ist aber auch eine so große Menge, dass es toxikologisch sehr bedenklich ist. Mit zwei bis drei Esslöffeln des "Gut & Gerne"-Öls hat ein 60 kg schwerer Mensch schon die für ihn tolerierbare Tagesmenge erreicht, so die Tester.

Mysteriöse Preisgestaltung
Die Stiftung Warentest verwies mehrfach auf die europäischen Subventionen. Drei Milliarden Euro fliessen jährlich in die Kassen der Hersteller, was umgerechnet bis zu 1,30 Euro pro Liter sind. Die Ernte ist sehr arbeitsaufwändig und kostet pro Arbeitsstunde etwa 2,30 Euro. Die Arbeiter sortieren die faulen Früchte gleich aus, um keine Geschmacksfehler hervorzurufen. Allerdings kommen noch die Kosten für die Baumpflege, die Abfüllung und den Transport hinzu, so dass die Tester nicht hinter eine erklärbare Preisgestaltung kamen, sobald Discounter Olivenöl für 3,45 Euro anbieten.

Forderungen von Stiftung Warentest
In Deutschland gibt es nur das bayrische Landesamt als anerkanntes europäisches Untersuchungspanel. Für eine dauerhafte Kontrolle sei das viel zu wenig, so Kaftan. Die Ergebnisse zeigen, dass Kontrollen wichtiger geworden sind und zwar weniger wegen der erschwindelten Subventionen, sondern mehr wegen der minderwertigen und gesundheitsgefährdenden Ware. Die neuen Testmethoden für Wärmebehandlungen unter 100° Celsius sollten europaweit um Einsatz gebracht werden.
Alle Ergebnisse finden Sie im Oktober Heft test der Stiftung Warentest.

Delikatessöl aus Raps
Olivenöl hat sich einen Marktanteil von 20 Prozent erkämpft. Auf Platz vier steht jedoch bereits das Rapsöl, das Insider und Spitzenköche bereits zu schätzen wissen. Es hat mehrfach ungesättigte Fettsäuren und einen hohen Anteil Vitamin E. Das leicht bitter bis nussig schmeckende Rapsöl eignet sich für Dressings, zum Kochen und Dünsten. Auch hier gilt: Wer einen Daimler haben will, der muss auch für einen Daimler bezahlen. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus nimmt nach eigenen Angaben jeden Tag einen Teelöffel Rapsöl zu sich: das kommt dem Körper, der Seele und der Wirtschaft zu gute.

roRo

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