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Schreckgespenst Cholesterin

Ernährung

Erhöhen niedrige LDL-Cholesterin-Werte das Krebsrisiko?

>Die AOK hat es schon immer gewusst: „In Amerika kann fast jeder Erwachsene neben Geburtsdatum und Adresse seinen Cholesterinwert nennen. In Deutschland kennen 70 Prozent der Bevölkerung ihren Cholesterinwert nicht.“ Fett im Blut gilt als Schreckgespenst, wird kaum differenziert betrachtet und eine jetzt im JACC veröffentlichte Studie aus Amerika wirft wieder neue Fragen auf.

Das „gute“ und das „böse“ Cholesterin
Cholesterin ist nicht von vorn herein schlecht. Es ist Ausgangsstoff für Hormone und wird in jede Zellhülle eingebaut. Zwei Drittel des Cholesterins stellt der Körper selbst her und das restliche Drittel nehmen wir über tierische Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurst und Molkereiprodukte auf.
Unterschieden werden muss zwischen dem high density Cholesterol (HDL) und dem low density Cholesterol (LDL), weil nur das LDL sich an die Gefäßwände ablagert, sie dadurch verengt und die Gefahr eines Infarktes erhöht. Nimmt jedoch der Eiweißbaustein apoA-II einen hohen Anteil am HDL-Cholesterin ein, dann beteiligt sich auch dieses an der Gefäßverengung.
Welcher Cholesterinwert jedoch schließlich zu hoch und daher gesundheitsgefährdend ist, sollte der Arzt entscheiden, zumal es große individuelle Abweichungen gibt.

LDL-Cholesterin senkende Arzneimittel mit überraschender Wirkung
Millionen von Amerikanern nehmen Cholesterinsenkende Mittel, weil die nationalen Richtlinien derzeit empfehlen, LDL-Cholesterin mit höheren Dosierungen von Pflanzensterinen in Arzneimitteln zu senken. Ziel ist, Herzerkrankungen vorzubeugen.
Allerdings zeigt eine aktuelle Studie eine Wechselwirkung zwischen niedrigem Gehalt an LDL-Cholesterin und Krebserkrankung. In der gestrigen Ausgabe des Journal of the American College of Cardiology (JACC) beschreibt das Team um Prof. Richard H Karas von der Tufts University School of Medicine, dass die Verabreichung hoch dosierter Medikamente Leber- und Muskelzellen schädigt.
Auf 1.000 Patienten haben die Forscher eine zusätzliche Krebserkrankung bei niedrigem LDL-Gehalt festgestellt. Die Datenbasis bezieht sich auf 41.173 Patienten mit 13 verschiedenen Behandlungswegen. Bei der Untersuchung, wie sich die Reduzierung des LDL-Gehalts durch die Medikamentation auswirkt, schauten sie auch nach statistischen Beziehungen zwischen niedrig, mittel und hoch dosierten Medikamenten und Krebsneuerkrankungen.
Überraschenderweise fanden sie dabei heraus, dass es ein höheres Krebsrisiko bei Patienten mit niedrigem LDL-Gehalt gab. Ob die Dosierung, der Grad der Absenkung oder der neue niedrigere LDL-Gehalt die Ursache stellt, ist nicht bekannt. Für exakte Validierungen sei es zu früh.
Im Editorial wägt Dr. John C. La Rosa die Erkenntnisse ab. „Die Ergebnisse sind kein schlüssiger Beweis, dass irgendein Risiko mit der Absenkung des LDL-Gehalts den Nutzen verringerter Herzerkrankungen übersteigt.“

Keine Selbstmedikamentation
In Deutschland gibt es Dutzende von Margarine-, Käse, Joghurt- oder Diätmilchprodukte, die Pflanzensterine zur Senkung des Cholesterinspiegels beinhalten. Im letzten Monat hatte eine gemeinsame Verbraucherbefragung der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gezeigt, dass die Hälfte der Konsumenten dieser Produkte gar keinen erhöhten Cholesterinspiegel haben. Sie verzehren damit ohne Grund Lebensmittel, die ihre Blutwerte beeinflussen. Probleme gibt es auch bei Käufern, die wegen erhöhtem Cholesterinspiegels in ärztlicher Behandlung sind. Viele konsumieren diese Lebensmittel zusätzlich, ohne ihren Arzt zu informieren.
Dazu rät auch Studienleiter Dr. Karas im JACC: Bevor man irgendeine Form der Medikamentation beginnt, sollte man seinen Arzt fragen.

Lesestoff:
Alawi A. Alsheikh-Ali, Prasad V. Maddukuri, Hui Han, Richard H. Karas: Effect of the Magnitude of Lipid Lowering on Risk of Elevated Liver Enzymes, Rhabdomyolosis, and Cancer; Insights From Large Randomized Statin Trials; JACC, July 31, 2007 (Volume 50, No. 5) p 409
Umfrage zu Lebensmittel: www.vzbv.de und www.bfr-bund.de

VLE

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