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Soja für Säuglinge nur nach Arztbesuch

Ernährung

Isoflavone sind hormonähnliche Substanzen

In der Europäischen Union besteht Säuglingsanfangs- und -folgenahrung aus Kuhmilch oder Sojamilch. Sojabohnen enthalten jedoch hohe Konzentrationen von Isoflavone und sollten Säuglingen über einen längeren Zeitraum nur in begründeten Ausnahmefällen gegeben werden. Das teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am Montag mit.

Isoflavone ähneln Estrogen
Isoflavone ähneln dem weiblichen Hormon Estrogen, wirkt aber schwächer. Außerdem kann Soja größere Mengen Phytat enthalten, weswegen Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR, am Montag sagte: „Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung aus Sojaeiweiß soll nur gegeben werden, wenn medizinische Gründe vorliegen, und auch dann nur unter ärztlicher Aufsicht.“
Die Isoflavone Genistein und Daidzein weisen in ihrer chemischen Struktur Ähnlichkeit mit Estrogen auf und weisen in Säuglingen, die mit Sojanahrung ernährt wurden, höhere Konzentrationen im Blut auf, als in Säuglingen, die mit Kuhmilch ernährt wurden. Phytat kann die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen beeinflussen.
Die Wirkungen von Isoflavone auf Säuglinge ist derzeit nicht abschließend geklärt. Bei Versuchstieren gab es Hinweise, dass sich eine hohe Isoflavon-Zufuhr auf die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane, auf das Immunsystem und die Schilddrüse auswirkt. Daher sieht das BfR aus Vorsorgegründen in der Sojamilch keinen Ersatz für Kuhmilchprodukte. Sojanahrung „ist nicht für die Ernährung gesunder Säuglinge gedacht.“
Stillen ist für eine gesunde Entwicklung generell zu bevorzugen. Im Fall angeborenem Laktasemangel oder der Stoffwechselstörung Galaktosämie liegen medizinische Gründe vor, auf Sojaprodukte zurückzugreifen. Selbst hier jedoch empfiehlt die Ernährungskommission nicht generell Sojanahrung, sondern speziell aufbereitete Eiweißhydrolysate. Sojamilch beuge allergischen Erkrankungen nicht vor. Lehnen Eltern aus ethischen oder religiösen Überzeugungen Kuhmilch-basierte Säuglingsnahrung ab, kann Sojanahrung eine Alternative sein, aber, so das BfR, „auch dann nur nach ärztlicher Beratung.“

Lesestoff:
www.bfr.bund.de

roRo

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