Menü

Tenside im Dünger

Ernährung

PFT-Forellen nicht verkehrsfähig

Flourtelomer-Alkohole (FTOH) weisen Fett und Wasser ab, weswegen sie manchmal in der Verpackungsindustrie eingesetzt werden, damit Kartons nicht aufweichen. Sie werden aber auch in der Oberflächenbehandlung für Tapeten, Textilien, Papier und Löschschaum verwendet. Bedenken gegen FTOH werden immer wieder geäußert, weil die Fluorketten zu Perflouroctansäure (PFOA) abgebaut werden – Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits zu Jahresanfang den Kontakt zur Industrie aufgenommen, ein sicheres Regelwerk für diese Stoffe zu erarbeiten.

Vom Dünger über das Trinkwasser in die Forelle
6.700 Tonnen Dünger aus Nahrungsresten der Lebensmittelindustrie wurden in diesem Jahr auf rund 50 Hektar Fläche im Sauerland ausgebracht. Der Dünger stammt aus einem Betrieb in Paderborn – aber wie perflourierte Tenside (PFT) dort hineinkamen, steht noch nicht fest. Nach Angaben des dlz agrarmagazins soll das zuständige Amt für Umweltsicherheit dem Betrieb die Einhaltung der Bioabfallverordnung bescheinigt haben. Die Firma hat den Vertrieb des bundesweit ausgelieferten Düngers zunächst eingestellt. Der im Hochsauerlandkreis ausgebrachte Dünger hat nach Analysen der Umweltmediziner der Universität Bonn PFT-Rückstände in Ruhr, Möhne und Möhnestausee hinterlassen. Statt erlaubter 300 Mikrogramm je Liter sind es im Mai 560 Mikrogramm je Liter gewesen. Damit gelangten die Tenside zunächst in das Trinkwasser, weswegen das Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen am Freitag mitteilte, dass in Stadtteilen von Arnsberg bereits „kostenlos abgepacktes Wasser an Schwangere und Säuglinge ausgegeben“ wurde. In dem betroffenen Wasserwerk wurde ein Aktivkohlefilter eingebaut.
In Teichanlagen an der Steinbecke wurden Forellen mit so hohen PFT-Werten gemessen, dass das Veterinäramt des Hochsauerlandkreises den Verkauf der Fische bereits letzte Woche untersagt hatte. Die Forellen stammen nach Angaben des Hochsauerlandkreises nicht aus einer gewerblichen Teichanlage.
Nachgewiesen wurde PFT mit einer Konzentration von 0,1 Mikrogramm je Gramm auch in Weidegras einer Parzelle – die Nachbarparzelle ist unbelastet.

Keine abgeschlossene Risikobewertung
National und international liegen über PFT keine abgeschlossenen Risikobewertungen vor. Trotzdem hält das BfR den Verzehr der Forellen für „gesundheitlich nicht unbedenklich“. In seiner Ende der letzten Woche veröffentlichten Stellungnahme geht das Institut daher von tierexperimentellen Arbeiten aus. Danach weisen PFT-Gehalte von 100 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag keine gegenteiligen Effekte auf (No Observed Adverse Effect Level – NOAEL). Unter Anwendung des Sicherheitsfaktors 100 und eines zusätzlichen Faktors von 10, weil die Halbwertszeit des Stoffes beim Menschen sehr hoch ist, berechnet sich daraus eine tolerierte tägliche Aufnahme von 0,1 Mikrogramm PFT je kg Körpergewicht.
Der tolerierbare Wert für einen Menschen mit einem Gewicht von 60 kg liegt daher bei 6 Mikrogramm. Den erreicht er mit dem Verzehr von 300 g Fisch mit einer Belastung von 0,02 Mikrogramm. Forellen aus einem der beiden Teiche hatten allerdings Werte, die 20 bis 60 mal höher lagen, weswegen das BfR den Verzehr nicht empfehlen kann. Der höchste gemessene Wert lag bei 1,18 Mikrogramm je Gramm Fisch. Nicht berücksichtigt ist die Aufnahme von PFT durch andere Quellen.

Weitere Maßnahmen
Die Bezirksregierung Arnsberg koordiniert die Maßnahmen. Dazu gehört eine Lokalisierung der kontaminierten Böden und Gewässer, sowie die Ermittlung der Stoffströme, wie möglicherweise Abfälle aus der Papierindustrie in den Kompost gelangten.
Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich mittlerweile für ein EU-weites Verbot von PFT ausgesprochen. Der Ministerrat wird sich demnächst mit diesem Thema befassen.
Der Hochsauerlandkreis hat für seine Bürger eine Hotline eingerichtet, die täglich ab 08:30 geschaltet ist: Mo, Mi + Do bis 15:30, Di bis 17:00 und Fr bis 13:00 Uhr: 0291 / 94-2200

Lesestoff:
Die Bewertung des BfR finden Sie unter www.bfr.bund.de mit weiteren internationalen Literaturangaben
Für seine Bürger hält der Hochsauerlandkreis aktuelle Meldungen bereit: www.hochsauerlandkreis.de (Rubrik Gesundheit)

Roland Krieg

Zurück