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Topinambur hält den Darm fit

Ernährung

Indianische Kulturpflanze aus Dresden

>Topinambur (Helianthus tuberosis) ist eine indianische Kulturpflanze, deren Knolle und Saftkonzentrate vermehrt in der Lebensmittelindustrie, insbesondere bei der Backwarenherstellung verwendet werden. Wissenschaftler des Instituts für Bakteriologie und Mykologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät in Leipzig haben jetzt untersucht, inwieweit mit Topinambur angereicherte Müsliriegel die Darmflora gesund halten.

Inulin
Topinambur zeichnet sich durch die Besonderheit aus, dass die kartoffelähnliche Knolle das Kohlenhydrat Inulin enthält. Inulin ist ein Gemisch verschiedener Fruchtzuckerketten mit bis zu 60 Zuckereinheiten. Im oberen Teil des Verdauungstraktes sind diese Ketten nahezu unantastbar und gelangen daher bis zu den Bakterien des Dickdarms. Die Milchsäurebakterien "Bifidobakterien" und "Laktobazillen" verdauen das Inulin vollständig zu kurzkettigen Fettsäuren und Gasen. Dieser Prozess ist gesundheitsfördernd, weil er den pH-Wert im Darm senkt und dadurch schädigenden Bakterien schlechtere Lebensbedingungen bietet.
Unverdauliche, im Dickdarm fermentierbare Zucker scheinen auch die Aufnahme von Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium und Eisen zu steigern. Das beugt der Krankheit Osteoporose vor.
Neben Topinambur weisen auch Zwiebeln, Weizen und Spargel Inulin auf. Um es den Lebensmitteln zuzusetzen wurde es bisher überwiegend aus Chicoree gewonnen.

Tierärzte als Testesser
Das ist nicht ungeheuer neu. So ging es in der Leipziger Studie auch nicht mehr darum, die Wirkung von Inulin zu belegen, erläuterte Prof. Dr. Monika Krüger. "Unsere Arbeit sollte die Frage beantworten, welche biologische Wirkung Topinambur, das neben Inulin auch wertvolle Mineralstoffe und Vitamine enthält, nach einem Backprozess aufweist." Auftraggeber der Studie war das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, an das die Firma Dr. Quendt Backwaren herangetreten war. Der Betrieb stellt Müsliriegel mit Topinambur her, und wollte die präbiotische Wirksamkeit des Nahrungsmittelzusatzes beweisen lassen.
Zunächst wurde aber im Labor getestet. In einem Kulturröhrchen wurde das Topinambur-Inulin einer künstlichen Darmflora ausgesetzt und mit anderem Inulin verglichen. Als nächstes mussten halbwüchsige Schweine als Tester ran. Bei der Umstellung von der Muttermilch auf andere Nahrung steht deren Darmflora unter Stress. Die Schweine, die in dieser Zeit Topinambur in das Futter bekamen entwickelten schneller eine neue Darmflora. Die Tiermediziner konnten das Ergebnis in den Kotproben nachweisen und weisen darauf hin, dass die Tiere generell einen "besseren Eindruck" machten und "schneller an Statur" gewannen.
"Zur dritten Etappe des Versuchs traten dann 45 Studenten an," erläuterte die Mikrobiologin Dr. Brigitta Kleeßen. "Nachdem die Testpersonen einige Tage keine inulinhaltigen Lebensmittel gegessen hatten, gaben sie ihre Ausgangs-Stuhlprobe ab." Danach verzehrten sie über den Zeitraum von einer Woche täglich einen Müsliriegel, in der darauf folgenden Woche täglich zwei. Stuhlproben und Fragebögen zur Verdauung und Befindlichkeit runden das Experiment ab. Erst Anfang Februar werden die Probanten mit ihren Ergebnissen konfrontiert. Bei den Gruppen mit Inulinhaltigen Müsliriegeln "vermehrte sich die Anzahl der nützlichen Bakterien im Dickdarm nachweisbar", verriet die Forschergruppe vorab.
Das dürfte nicht nur den Dresdner Backwarenhersteller freuen, sondern auch die Topinambur-Bauern in Brandenburg, von denen der Rohstoff kommt. Bislang gab es nur in Südwestdeutschland rund 1.000 Hektar auf denen noch Topinambur angebaut wurde. Langsam entdecken auch andere Bauern diese interessante Alternative für den zu Ende gehenden Zuckerrübenanbau. Die vergleichsweise hohen Preise machen Topinambur allerdings nur wenig attraktiv für die Futtermittelindustrie. Prof. Krüger sieht hingegen im Einsatz "für die Therapie von wertvollen Zoo- und Heimtieren" eine interessante Variante.

roRo

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