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Umweltbewusst Essen

Ernährung

Die Krux des nachhaltigen Essens

Die vor Ostern vom Bundesumweltministerium vorgelegte alle zwei Jahre aktualisierte Umweltbewusstseinsstudie zeigt, dass sich beim Essen etwas verändert. Die Studie zeigt den Trend der Nachhaltigkeit bei der Auswahl von Speisen und Getränken an. „Auch Regionalität oder artgerechte Tierhaltung motivieren die Menschen, ihr Verhalten zu ändern“, heißt es in der Studie. Auch ein reduzierter Fleischkonsum sei kein Tabu mehr.

Ecology of Scale

Doch decken sich die Vorstellungen der Verbraucher mit der Realität? Das wird besonders beim Thema Regionalität ersichtlich. 55 Prozent geben an, auf dieses Merkmal beim Einkauf zu achten. Doch ist bislang überhaupt nicht definiert, was „regional“ überhaupt bedeutet. Der Landkreis, das Bundesland, Deutschland oder Europa?

Wenn kleine Mengen Lebensmittel von vielen Erzeugern abgeholt werden und bis ins nächste Jahr hinein kühl und energieaufwendig gelagert werden müssen, können die Tafeläpfel aus Neuseeland, die mit dem Containerschiff über die halbe Welt reisen, einen günstigeren „Product Carbon Footprint“ aufweisen. Viel mehr entscheidet das persönliche Einkaufsverhalten über die Nachhaltigkeit als die Erzeugung von Lebensmitteln. So schrieb Prof. Elmar Schlich von der Universität Gießen bereits 2013 von der „Ecology of Scale“. Der Bio-Einkauf ist nicht per se der nachhaltigere Konsum [1].

Fleischkonsum

Die Reduktion des Fleischkonsums ist ernährungsphysiologisch sinnvoll. Der Verzicht aber ist kein Muss. Die Entscheidung, Fleisch im Speiseplan zu reduzieren wird mit den Parametern der eigenen Gesundheit, Tierwohl und Umweltschutz begründet. Doch sind Nutztiere integraler Bestandteil der Landbewirtschaftung. Wiederkäuer erschließen Nahrungsgrundlagen wie Weideland, die dem Menschen verschlossen bleiben. So hipp vegan auch sein mag, so unbekannt sind den Konsumenten die Folgen einer veganen Landbewirtschaftung [2].

Die Analyse, wer Fleisch auf dem Teller hat und darauf verzichtet, erlaubt einen Blick in die verschiedenen Milieus Deutschlands. Kritisch-kreative und traditionelle Milieus reduzieren eher Fleisch als Männer und das junge Milieu. Bei den Teens gibt es sowohl hohen Fleischkonsum als auch Vegetarier und Veganer.

Lebensmittelverschwendung

Das Thema greift vor allem wegen seiner Emotionalität. Frauen und Männer haben zu 87 und 76 Prozent ethische Bedenken, Lebensmittel wegzuwerfen, während andere hungern. Den Protagonisten plagt das schlechte Gewissen. An die Ressourcenverschwendung hinter dem Produkt, denken deutlich weniger Konsumenten. Das ist zu rational.

Es fehlt die grundsätzliche Kritik

Trotz Umweltbewusstsein und Kritik an Mobilität, Landwirtschaft oder Industrie: Der Konsum nimmt nur dann ab, wenn die Geldbeutel leer sind. Der Konsum hat auch die Biokunden fest im Griff. Deutlichstes Zeichen sind die Lkw-Schlangen auf den Autobahnen. Hinter der erwarteten Zunahme des Güterverkehrs steckt in Wirklichkeit die Zunahme des Konsums [3]. So bleibt das Auto weiterhin das beliebteste Fortbewegungsmittel, auch wenn immer mehr Fahrräder in den Haushalten stehen und die Elektromobilität keinen Fortschritt macht. Die Studie weist das Potenzial für Carsharing-Modelle regional sehr unterschiedlich aus und Kompensationszahlungen für Flugreisen sind eher eine „randständige“ Begleiterscheinung. Die Möglichkeiten für mehr Umweltschutz sind zahlreich. Doch der Konsum hat sich grundlegend nicht geändert.

Lesestoff:

Die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2016“ finden Sie unter www.bmub.bund.de

[1] Einkaufsverhalten entscheidet über die Klimabilanz: https://herd-und-hof.de/handel-/bio-einkauf-nicht-per-se-klimaguenstiger.html

Einkaufen mit dem Auto ist Gift: https://herd-und-hof.de/handel-/der-einkauf-entscheidet-ueber-das-klima.html

[2] Brauchen Veganer eine vegane Landwirtschaft? https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/vegane-landwirtschaft.html

[3] Keine Abschwächung des Güterverkehrs in Sicht: https://herd-und-hof.de/handel-/logistik-ist-mehr-als-der-lang-lkw.html

Roland Krieg

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