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Verkapselt in den Darm

Ernährung

Probiotische Schokolade

> ?Pro bios? stammt aus dem griechischen und bedeutet ?für das Leben?. Probiotika sind Mikroorganismen die auch in der natürlichen Darmflora des Menschen vorkommen und werden häufig bereits verschiedenen Produkten für einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen hinzugefügt. Damit die Probiotika ihre Tätigkeit erfüllen können müssen sie lebend und in ausreichender Anzahl durch den Magen in den Darm gelangen. Typische Probiotika sind verschiedene Stämme von Milchsäurebakterien.

Jetzt auch Schokolade!
Das allerdings ist ein Zukunftsmärchen, denn bislang konnten nur wenige Produkte mit gesundheitsfördernden Mikroorganismen ?veredelt? werden, ohne dass der Geschmack darunter litt, wie Professor Dr. Benno Kunz vom Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität Bonn vermeldet. Zusammen mit der Industrie hat das Institut ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ?mikroverkapselte? und damit geschmacksneutrale Probiotika herstellen lassen und zudem die Reise durch den Verdauungstrakt weitgehend unbeschadet überstehen. Für das Verfahren, dessen Produktionsanlage bereits steht, hat das Land Nordrhein-Westfalen die Protagonisten mit einem 5.000 Euro dotierten Kooperations- und Innovationspreis belohnt.
Probiotika sind in gewissem Umfang resistent gegen Magen- und Verdauungssäfte und können sich im Darm an bestimmte Stellen andocken, um dort das Verbreiten von krankmachenden Pilzen und Bakterien zu verhindern. ?Außerdem verhelfen sie zu einer ausgewogenen Darmflora. Im Darm gibt es mehr als 400 verschiedene Arten von Mikroorganismen, die in einer ausgewogenen Balance vorliegen müssen, da es sonst zu Verdauungsproblemen und Erkrankungen kommen kann?, so Professor Kunz. Bisher verloren die Milchsäurebakterien jedoch ?beim Bad in der Magensäure? deutlich an Aktivität und kamen dann so geschädigt am Darm an, dass sie sich gegenüber der natürlichen Mikroorganismenflora nicht mehr durchsetzen konnten. Zudem säuern sie das Nahrungsmittel an und verändern dadurch den Geschmack. Jetzt werden die Probiotika in winzig kleine Kapseln verpackt und erst im Darm frei gesetzt. Die Kapseln bestehen aus Polysacchariden und Proteinen und sind daher geschmacksneutral. Jetzt ließen sich also auch Säfte, Quark, Wurst oder eben auch Schokolade veredeln. Bevor Sie aber in den nächsten Laden stürmen: Es gibt noch keine probiotische Schokolade.

Diffuse Werbung
Probiotische Nahrungsmittel werden mit diffusen Begriffen wie ?Fitness?, ?Wohlbefinden? oder ?Wellness? beworben. Das liegt vor allem daran, dass nach dem Lebensmittelgesetz krankheitsbezogene Aussagen, wie Linderung oder Beseitigung von Krankheiten, verboten sind. Werden gesundheitsbezogene Aussagen gemacht, dann müssen diese auch nachweisbar sein.
Meist stammen die Aussagen über die Stärkung des Immunsystems aus Tierversuchen und sind nicht generell auf den Menschen übertragbar. Meist werden die Tests auch nur mit den Bakterien selbst gemacht und nicht zusammen mit den Lebensmitteln in denen sie angereichert sind. Sauermilchprodukte entstehen durch den Zusatz von Milchsäurebakterien, die den Milchzucker in Milchsäure umwandeln. Deshalb gilt, so die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein für ?normale? Sauermilchprodukte das gleiche wie für probiotische Joghurts. Eine darmfreundliche Ernährung besteht daneben aus Sauerkraut, Vollkornbrot, Obst und Gemüse.

roRo

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