„Viel hilft nicht viel“

Ernährung

Vitamine und Mineralstoffe: Manchmal zu viel des Guten

Vitamine und Mineralstoffe sind für die Gesundheit unentbehrlich. Große Fachgesellschaften melden jedoch seit Jahren, dass die Versorgung in der deutschen Durchschnittsbevölkerung teilweise mangelhaft ist. Der Grund hierfür soll unsere ungesunde Ernährungsweise sein. Mittlerweile misstrauen viele Deutsche - nicht zuletzt dank solcher Berichte - dem Gesundheitswert ihres Essens und ergänzen die Zufuhr vorsorgehalber mit Mikronährstoffen in Tablettenform. Laut einer aktuellen Erhebung des Helmholtz-Zentrums in München greifen in der Bevölkerungsgruppe 65 Plus immerhin die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer zu Nahrungsergänzungsmitteln. Besonders beliebt sind Vitamin D, Vitamin E und Magnesiumpräparate. Wie sich zeigte, scheint bei vielen Konsumenten der Leitspruch „Viel hilft viel“ die Einnahme zu bestimmen. Immerhin 20 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer, die Magnesiumtabletten nahmen, überschritten die tolerierbare Tageshöchstdosis für den Mineralstoff. Auch bei Vitamin E wurden des Öfteren Überdosierungen verzeichnet. Noch im tolerierbaren Rahmen aber dennoch hochdosiert waren häufig die Einnahmen von Biotin, Vitamin B1 und B6. Die Ergänzung der Ernährung mit isolierten Mikronährstoffen ohne konkrete Hinweise auf eine Unterversorgung ist nach wie vor fragwürdig. Frühere Erhebungen ergaben, dass vor allem Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, die ohnehin bereits auf nährstoffreiche Speisen achten und eine Ergänzung daher oft unnötig war. Hinzu kommt, dass viele Supermarktprodukte, seien es ACE-Säfte, Cornflakes oder Fruchtquarks, bereits mit Mikronährstoffen angereichert sind. Gerade bei fettlöslichen Vitaminen und einigen Mineralstoffen können Überdosierungen langfristig mit Nebenwirkungen verbunden sein, da sich diese im Fettgewebe anreichern. Von einer allzu leichtfertigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, besonders ohne erkennbare Notwendigkeit oder medizinische Begründung, ist daher abzuraten.

Lesestoff:

Schwab, S. et al.: The Use of Dietary Supplements among Older Persons in Southern Germany – Results from the KORA-Age Study, The Journal of Nutrition, Health and Aging: 2013

Dipl.troph. Christine Langer (Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.)

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