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Warmer Haferbrei für das „Agni“

Ernährung

Porridge im neuen Gewand

Manche schlürfen morgens lediglich einen heißen Kaffee, für andere ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit am Tag. Der Start am Frühstückstisch bahnt den Start in den Alltag. Das Brötchen mit Marmelade hat in den letzten Dekaden viel Konkurrenz bekommen. Brotaufstriche und Müsli wurden zu Alternativen. Jetzt entdecken die Deutschen einen neuen Trend, der im Naturkostladen eine Nische erfasst und Erzeugern neue Einkommen beschert: Getreidebreie. Sie wird es bald auch im konventionellen Handel geben.

Nicht nur Geist und Körper müssen morgens auf Betriebstemperatur kommen. Nach der ayurvedischen Ernährungslehre muss nach dem Aufstehen auch das Verdauungsfeuer „Agni“ erst noch entfacht werden. Gut, wenn gleich etwas Warmes in den Magen kommt, das nicht schwer zu verdauen ist.

Wer in jungen Jahren bei Gastfamilien in England, Schottland oder Irland verbrachte, hat Porridge kennengelernt. Nicht schön anzuschauen, aber sättigend bis in den Nachmittag hinein. Porridge hört sich auch besser an als Frühstücksbrei, obwohl dieser Name im Naturkosthandel funktioniert. Grundlage für Porridge ist gequetsches Haferkorn, das mit heißem Wasser oder Milch auf den Tisch kommt.

Die Biobranche hat dem Brei Vielfalt gegeben. Beeren, Pistazien, Birnen, Äpfel, Gewürze wie Zimt geben dem Brei reichlich individuelle Noten. Außerdem besteht die Getreidegrundlage nicht nur aus Hafer. Auch Dinkel oder Gerste sowie die Pseudogetreide wie Amaranth und Quinoa stecken in den Tüten [1]. Auch im Mix. Damit ist dem Biohandel eine echte Besonderheit gelungen, freut sich die Ökopresse.

Hafer wird für die Porridge-Zubereitung gequetscht. Die Flocken quellen mit heißem Wasser auf und brauchen daher keine Milch wie beim Müsli. Porridge-Experten vergleichen frisch gequetschen Hafer mit der frisch gemahlenen Kaffeebohne: Nur so verbreiteten Haferkorn und Kaffeebohne ihr gesamtes Aroma. Gequetschter Hafer aber wird schnell bitter. Deshalb sollten diese Flocken kurz in der Pfanne geröstet werden, lautet ein Geheimtipp.

Die Frühstücksbreie im Naturkosthandel zeigen, dass Bio auch „Convenience“ kann. Die fertigen Mischungen sind fast verzehrfertig. Nur heißes Wasser oder warme Milch drauf: Fertig. Die Nachfrage sei mittlerweile groß. Im Sog der Gesundheits- und Wellnesswelle haben sich die Frühstücksbreie vor allem bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahre einen festen Platz auf dem Frühstückstisch erobert. Die „Instant“-Produkte wachsen nach Branchenangaben mit jährlich zehn Prozent und sollen bereits von 16 Prozent der Bundesbürger verzehrt werden. Es soll sogar schon Porridge „to go“ geben.

Das wird nicht jedem gefallen. Sind „Convenience“ und „to go“ noch wirklich „bio“? Das ist nicht nur eine Grundsatzfrage [2]. In diesem Sommer trat Hermann Heldberg aus dem Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) wegen der zunehmenden „Konventionalisierung“ der Biobranche aus. Der Inhaber des Großhandels Naturkost Elkershausen war 16 Jahre lang im Vorstand des BNN und gehörte zu den Gründungsmitgliedern.

Lesestoff:

[1] Iren backen mit Pseudogetreide

[2] Wie wandelbar ist der Biomarkt?

Roland Krieg

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